“Clone Wars” von Dave Filoni

Wenn alternde Produzenten Geld brauchen

“Clone Wars” von Dave Filoni

Man stelle sich vor: es ist Krieg der Sterne – und keiner geht hin. So passiert mit George Lucas neustem Streich “Clone Wars”. Ein animierter Output aus seinem Star Wars-Universum, der die Brücke zwischen Episode II und Episode III schlagen und offene Fragen beantworten soll. Besieht man sich jedoch das Produkt, das George vorlegt, bleibt nur eine Frage offen: Braucht er etwa Geld für den Ruhestand?

Von Alexander Sigrist.

clone warsDie Story passt auf die Rückseite eines Bierdeckels: Die Klonkriege ziehen über die bekannte Galaxie her und die Jedi-Krieger haben alle Hände voll zu tun, die Droidenarmeen abzuwehren. Anakin kämpft zusammen mit Obi-Wan auf einem nicht weiter interessanten Planeten, als er einen delikaten Auftrag erhält: er muss zusammen mit seiner neuen Schülerin (ja, Anakin kriegt ne Schülerin. Lustig.) ein Jabba The Hutt-Baby aus den Fängen der Druiden befreien. Natürlich landen die beiden damit mitten in einer Verschwörung des bösen Imperators.

Ja, “Star Wars”. Es muss anno 1977 gewesen sein, der Rezensent kann sich leider nicht erinnern, als das Dingens ins Kino kam – und dabei eine ganze Generation an Science-Fiction-Filmen mitgeprägt haben muss. Zwar wurde der Sternenkrieg von den Produzenten gleich totgesagt, zu kindisch das Ganze, zu sehr auf Special-Effects bedacht. Doch ein junger Padawan mit Namen George Lucas glaubte an seine Idee und machte eine Trilogie aus seinem Sternenkrieg und schuf damit Kultfilme, die ganze Generationen überdauern sollten. Entsprechend gross waren die Erwartungen, als im Jahre 1999, daran kann der Rezensent sich erinnern, der lange versprochene Auftakt zur neuen Prequel-Trilogie ins Kino kam – und entsprechend gross waren die Enttäuschungen: zu kindisch, zu sehr auf Special-Effects bedacht, das sagten die Fans und Kritiker. Aber Hand aufs Herz: so anders als die alten Teile war der neue nicht: ein Kasperletheater am Rande der Galaxis halt, das zwar fürchterlich altbacken inszeniert war, aber dennoch einen gewissen Unterhaltungswert besass.

Nun, Sprung zum Schluss: George Lucas schloss seine neue Trilogie ab, vergraulte den einen oder anderen Fan und gewann nur sehr wenige dazu. Vielleicht ein Zeichen, dass sein Star Wars-Universum langsam ans Ende der Vermarktbarkeit gekommen war, dass es Zeit für ihn war, sich auf seinen Merchandise-Einkommen auszuruhen und die Lichtschwerter stecken zu lassen. Doch was macht der Jedimeister? Natürlich, er kündigt an, dass es noch weiter gehen soll, mit einer, oder zwei Serien, mit den Klonkriegen, mit Spass, Freude und Überraschung – und schüttelt auch gleich schon einen Pseudo-Kinofilm aus dem Ärmel. “Clone Wars”.

Angriff der schlechten Computeranimationen

Und einerseits ist “Clone Wars” tatsächlich endlich das Update, auf das die Serie schon so lange gewartet hat: die Inszenierung ist flotter, die Musik rockt etwas mehr, ohne die alten Melodien zu verleugnen, und der Action-Anteil ist gross. Kurzum: alles in allem ist “Clone Wars” moderner als seine Brüder der Prequel-Trilogie und lässt durch die straffe Inszenierung kaum Langeweile aufkommen.

Andererseits jedoch patzt “Clone Wars” an allen Ecken und Enden. Die Sprüche sind meist einfach nur saudoof und auf Comic-Fun getrimmt, das Jabba-Baby nervt einfach nur  und die Figuren sind schrecklich langweilig. Am schlimmsten jedoch wiegt, dass der Film technisch einfach nicht viel her macht: wie hätte die Action aussehen können, hätte man eine gescheite Animationsfirma damit beauftragt? “Clone Wars” hätte ein Actionspektakel werden können, eine Druckgranate, die jeglichen Zweifel mit Lärm und Explosionen wegfegt. Leider jedoch sieht “Clone Wars” arg bescheiden aus: die Animationen sind hölzern, die Hintergründe sind langweilig, einzig die Lichteffekte wirken gelungen.

Es gab Zeiten, da hatte George Lucas mit Industrial Light & Magic eine wegweisende Special-Effects-Firma in seinem Rücken – “Clone Wars” ist auch wegweisend, und zwar zurück in die Vergangenheit, mit einer Technik, die auf dem Stand von vor 5 Jahren ist. Und natürlich kann die Story da auch nichts mehr reissen: zwar verspricht George uns den Klonkrieg, zeigt uns aber nur einen belanglosen Sturm im Wasserglas.

“Clone Wars” ist also beinahe ein Totalausfall: schlechte Animationen, schlechte Technik, blöde Sprüche, langweilige Story. Die straffe Story und der hohe Actiongrad können den Film zwar von dem Untergang retten, machen die Chose aber kaum für ein Massenpublikum interessant. Nur Hardcore-Star-Wars-Fans sollten einen Blick riskieren.

Ausstattung

Als würden sich alle dafür schämen: ausser einem Audiokommentar gibt es kein Bonusmaterial.


Seit dem 15. Dezember 2008 im Handel.

Originaltitel: Clone Wars (USA, Singapur 2008)            
Regie: Dave Filoni
Darsteller: –
Genre: Science-Fiction
Dauer: 95 Minuten
Bildformat: 2,35:1 (16:9 anamorph)
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Niederländisch, Portugiesisch, Türkisch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Audiokommentar
Vertrieb: Warner

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