“Jugend ohne Jugend” von Francis Ford Coppola

Ein Meister tobt sich aus

“Jugend ohne Jugend” von Francis Ford Coppola

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Es gibt viele Kultregisseure. Francis Ford Coppola ist wirklich einer. “Jugend ohne Jugend” ist nach über zehn Jahren seine erste Regiearbeit. Ein eigenwilliger Film eines Altmeisters.

Von Garabet Gül.

Die letzten Jahre war Francis Ford Coppola vor allem damit beschäftigt, Kino- und Fernsehfilme zu produzieren. Unter anderem war er als Produzent an allen drei Spielfilmen seiner Tochter Sofia Coppola beteiligt. Seine letzte Regiearbeit “The Rainmaker”, eine der besseren Verfilmungen eines John Grisham Romans, liegt bereits zwölf Jahre zurück. Überhaupt glänzte Coppola in seinem bisherigen Schaffen nicht mit Quantität. Verglichen mit Martin Scorsese, dem anderen grossen Filmemacher des amerikanischen Kinos der letzten vierzig Jahre, darf man Francis Ford Coppola durchaus als Wenigfilmer bezeichnen. Vielleicht liegt es auch daran, dass Coppola seinen Regie-Oscar bereits 1975 für “The Godfather Part 2” erhalten hat und Scorsese nach diversen Nominationen erst 2007 für “The Departed” endlich in den Genuss der längst fälligen Auszeichnung gekommen ist. Mit “Jugend ohne Jugend”, einer Adaption eines Romans des rumänischen Religionswissenschaftlers und Schamanismus-Forschers Mircea Eliade, dürfte Coppola nicht im Entferntesten mit den Oscars geliebäugelt haben. Zu speziell und abgefahren ist die Thematik und zu verwirrend und komplex deren filmische Umsetzung.

Donner und Jugend

Erzählt wird die Geschichte des Professors Dominic Matei (Tim Roth), der 1938 in Bukarest vom Blitz getroffen wird. Eigentlich kommt aus Sicht des 70jährigen Linguisten dieser Blitzschlag wie gerufen: Gebrechlich und verzweifelt darüber, sein Lebenswerk über die Ursprünge der menschlichen Sprache und des Bewusstseins nicht vollendet zu haben, will Matei seinem Leben mithilfe von Strychnin, das er während dem Blitzeinschlag in einem blauen Umschlag unter seinem Arm trägt, ein Ende setzen. Doch sein Leben endet nicht mit dem himmlischen Einschlag. Im Krankenhaus wird Professor Stanciulescu (Bruno Ganz) Zeuge eines biologischen Phänomens. Der Patient ist nicht nur nicht Tod, er sieht plötzlich viel jünger aus und innerhalb weniger Wochen lebt sein greiser Geist im Körper eines Dreissigjährigen weiter. Der Geist verfügt auf einmal über extraordinäre Fähigkeiten. Matei kann Bücher innerhalb weniger Sekunden “durchlesen” und braucht nur wenige Tage, um diverse neue Sprachen zu erlernen. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass die Publikationen von Professor Stanciulescu sehr bald das Interesse der Nazis wecken, die die Forschungsergebnisse für ihr Unterfangen, eine bessere menschliche Rasse zu züchten, verwenden möchten.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Matei muss flüchten. Auf seiner Flucht begegnet er Veronica (Alexandra Maria Lara), einer Wiedergeburt seiner ehemaligen Jugendliebe. Auch sie wurde vom Blitz getroffen und spricht seitdem verschiedene orientalische Sprachen, die für Mateis Forschungen von Bedeutung sind. Doch wie bei seiner einstigen Jugendliebe schafft es Matei auch diesmal nicht, Liebe und Lebenswerk in Einklang zu bringen.

Der unheimliche Tim und die schöne Alexandra

Die Geschichte ist Geschmackssache. Für Menschen mit einem Faible für  Spiritualität und nicht irrationale Erscheinungen dürfte die behandelte Thematik von Interesse sein. Aber nicht nur diese werden an diesem Film Gefallen finden, auch für cinephile Ansprüche wird einiges geboten. Dass Francis Ford Coppola ein Meister nichtlinearer Erzählstrukturen ist, der beeindruckende Filmmomente zu schaffen weiss,  beweist er hier einmal mehr. Zugegeben, zwischendurch fühlt man sich etwas verloren und überfordert als Zuschauer, doch das hat mehr mit den nicht alltäglichen phantastischen Ereignissen zu tun und weniger mit der gelungenen Umsetzung der grotesken Romanvorlage.

Tim Roth agiert unheimlich, er wird der Vielschichtigkeit der Hauptfigur bis in die letzten Bewegungen und Zuckungen gerecht. Roth beweist hier einmal mehr sein aussergewöhnliches schauspielerisches Talent. Bruno Ganz bewältigt die Rolle des Professors Stanciulescu mit Leichtigkeit und Alexandra Maria Lara ist einfach schön, was auch ein Wert sein kann.

 

Ausstattung

Mehr oder weniger das Übliche: Kommentar des Regisseurs, Making of, Trailer. Wie immer beim Making of schwärmen die Schauspieler über den Regisseur und dieser über seine Darsteller. Aber wenn es Francis Ford Coppola, Tim Roth und Bruno Ganz sind, die Phrasen von sich geben, so sind das zumindest solche, von denen man sich gerne berieseln lässt.


Seit dem 14. Januar 2009 im Handel.

Originaltitel: “Youth without Youth” (USA 2007)            
Regie: Francis Ford Coppola
Darsteller: Tim Roth, Bruno Ganz, Alexandra Maria Lara
Genre: Drama
Dauer: 120 Minuten
Bildformat: 16:9
Sprachen: Englisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Regiekommentar, Filmdokumentation: Making of, Die Musik, Das Make-Up, Trailer
Vertrieb: Impuls

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