“Redbelt” von David Mamet

Kampf knapp gewonnen

“Redbelt” von David Mamet

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Kampfsport-Dramen kann man wohl an einer Hand abzählen – und die meisten davon sind nicht einmal wirklich gut, sondern loten nur altbekannte Klischees aus: Ein Gutmensch-Kämpfer muss sich widrigen Umständen stellen, wird von allen verraten und missbraucht, kann aber am Schluss die Integrität des Menschen an sich wieder herstellen. Diese Klischees werden zwar auch vom vorliegenden “Redbelt” besucht und geradezu gefeiert – trotzdem platziert sich das kleine, aber feine Drama etwas oberhalb direkter Konkurrenten.

Von Alexander Sigrist.

Das Kampfsport-Ass Mike Terry leitet eine kleine Kampfschule und lebt streng nach den moralischen Grundsätzen seiner Kampfkunst – er könnte natürlich auch an Wettkämpfen teilnehmen und so das grosse Geld machen, jedoch möchte er sich von der korrupten Welt des Show-Wettkampfes fernhalten. Als jedoch Mike zufälligerweise den Schauspieler Chet Frank aus einer Barschlägerei rettet, gerät er in Kreise, die ihm gefährlich werden und ihn schlussendlich in ein Komplott ziehen, das schwere Folgen hat. Um seine Ehre wieder herzustellen muss sich Mike dem Kampf in der Arena stellen.

Kampfsport-Dramen haben eigentlich nie einen leichten Stand. Klar, denn die Zielgruppe ist denkbar klein: Kampfsport-Fans wollen meist vom Drama nicht wirklich was wissen, denn sie möchten jemandem vorderrangig beim Kämpfen zusehen und Dramen-Fanatiker mögen zumeist lange Kampfszenen nicht. So gilt es für einen Kampfsport-Film die richtige Mischung zu finden, die genügend Action, aber auch genügend Gefühl bietet. Hier macht “Redbelt” fast alles richtig: die Actionszenen sind zwar nicht zahlreich, dafür bietet der Film handwerklich gut gemacht Kampfszenen, die vor allem durch ihre Authentizität glänzen: es gibt keine überschwänglichen Karatekas zu bewundern, hier werden nicht unrealistische Massenschlachten geschlagen, sondern es wird tatsächliches Jiu Jitsu gezeigt – wer sich noch mit Wehmut an die alten Zeiten erinnert, als die Leute in den Kampfsport-Filmen auch tatsächlich noch eine Ahnung gehabt hatten, was sie taten, sollte sich “Redbelt” auf alle Fälle merken.

Zwischen Klischees und echten Gefühlen

Zwischen den Kämpfen gibt es dann das besagte Drama. Auch hier macht der Film seine Sache ordentlich, aber weniger gut als bei der Action. So ist die Story zwar in ihren besten Momenten ein schön-schauriger Kommentar gegen Macht- und Geldsucht, gegen Korruption und Verrat – das ist stark und regt, in Momenten wie zum Beispiel wenn man erfährt, wer denn nun Mike verraten hat, schon mal zum Mitdenken an. Leider hat der Film auch seine Untiefen: so Mike bei Zeiten schrecklich makellos, die Story ist manchmal holprig erzählt, die eine oder andere Szene wirkt etwas unglaubwürdig inszeniert und der Schluss ist wie ein frühzeitiges Soufflé: dem Film geht, auf Grund seiner übermässiger Kitsch-Beschwörung, in den letzten Minuten einfach die Luft aus.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Wo die Story nicht gänzlich überzeugen kann, machen es die Schauspieler: Hauptdarsteller Chiwetel Ejiofor, denn man als Bösewicht aus “Serenity” kennt, glänzt durch seine ruhige Präsenz, Emily Mortimer gibt die nervöse, gebeutelte Rechtsanwältin und in einer Nebenrolle meldet sich Tool-Time-Chef Tim Allen und beweist, dass er auch nicht lustig sein kann. Das ist eine erstaunlich gute Besetzung für einen weitgehend unbekannten Film, die ihre Sache gut macht.

“Redbelt” ist also unter dem Strich ein ordentliches Kampfsport-Drama, dass mit authentischen Kampfszenen zu überzeugen mag. Die Story hat zwar ihre Mängel und patzt vor allem gegen Ende etwas. Trotzdem: Fans des Genres sollten auf alle Fälle einen Blick riskieren.

Ausstattung

Ebenfalls ordentlich: es gibt ein Feature, das die Dreharbeiten beleuchtet, sowie ein Feature zum Kampfsport im Film, Interviews mit dem Regisseur und der Produzentin, eine Beschreibung der Kämpfer im Film, sowie ein Extra zum japanischen Magiers Cyril Takayama, der einen Gastauftritt im Film hat.


Seit dem 5. Februar 2009 im Handel.

Originaltitel: Redbelt (USA 2008)            
Regie: David Mamet
Darsteller: Max Martini, Tim Allen, Chiwetel Ejiofor, Alice Braga, Emily Mortimer
Genre: Actiondrama
Dauer: 95 Minuten
Bildformat: 2,35:1 (16:9 anamorph)
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Features zu den Dreharbeiten und der Kampfkunst, Interviews mit Regisseur und Produzentin, Beschreibung der Kämpfer, der japanische Magier Cyril Takayama, Trailer
Vertrieb: Impuls

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