“The Gene Generation” von Pearry Reginald Teo

In der Zukunft haben wir alle zu wenig Kleider

“The Gene Generation” von Pearry Reginald Teo

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Man kann ja verstehen, dass nicht alle Filme ein gleich grosses Budget haben. Man kann auch verstehen, dass manche Filme mit einem kleineren Budget auskommen müssen, als dass sie eigentlich benötigten. Was man aber nicht verstehen kann, ist warum jemand, der augenscheinlich nur die Portokasse zur Finanzierung belangen darf, gerade auf die Idee kommt, einen Special-Effects-intensiven Cyberpunk-Comic zu verfilmen.

Von Alexander Sigrist.

Die Zukunft sieht einmal mehr, oh Wunder, düster aus: Die Städte haben sich in Kloaken verwandelt, die Ressourcen sind knapp und die Menschen leben frei nach Hobbs Motto “Homo Homini Lupus”. Einzige Hoffnung ist die Stadt Demeter, welche den Menschen einen neuen Anfang bietet. Rein darf jedoch nur, wer eine hochwertige DNS bieten kann – was macht man wenn man keine hat? Klar, man hackt anderer Leute ihre DNS (wie genau das geht weiss keiner wohl so recht, auch nicht der Film). Das ist jedoch verboten und so gibt es Auftragskiller, welche die DNS-Hacker jagen sollen. Michelle, die Hauptperson, die offenbar nicht genug Geld für körperbedeckende Kleidung hat, ist eine von ihnen. Durch ihren Dienst hofft sie sich einen Freipass für sich und ihren Bruder zu Demeter zu holen.

“The Gene Generation” basiert auf dem Comic “The DNA Hacker Chronicles”, der bei uns aber kaum Bekanntheit erreicht hat. Das ist nicht weiter schlimm, denn der Comic ist ein zwar effektives, aber auch recht beliebiges Sammelsurium aus bekannten Dark Future und Cyberpunk-Elementen, die man im Comicgenre zu Genüge kennt. Das Filmgenre jedoch, erstaunlicherweise, kann kaum Cyberpunk vorweisen: so dürften Fans alter Body-Horror-Streifen, William Gibson-Bücher und dem japanischen “Ghost in the Shell” ihre Ohren spitzen: “The Gene Generation” holt sich Anleihen bei all diesen und ähnlichen Werken und versteht sich selber wohl auch als Tribut an und für die Fans des im Film kaum beachteten Cyberpunk-Genres.

Das ist alles nur geklaut, gestohlen und geraubt

So ist “The Gene Generation”, von seinem Look her düster, vermischt Mechanisches mit Organischem, zeigt eine dreckige Welt, die am Abgrund steht: eben alles, was man aus den Vorbildern kennt. Das mag zwar alles ein wenig zusammengestohlen wirken, aber wie sagt man so schön: besser gut geklaut, als schlecht selber gemacht. Problem bei der Sache ist jedoch: “The Gene Generation” hat einfach nicht die Mittel gut zu klauen. Die übermässigen Computereffekte sehen frappant nach Videos aus, die man aus Games Ende der Neunziger kennt, die Hintergründe wirken alle so, als hätte man beim Regisseur zu Haus den Waschkeller mit ein paar Plastikrohren aufgemotzt und überhaupt: “The Gene Generation” sieht so billig aus, man möchte meinen, hier wurde mit der Handykamera und einer Nachttischlampe zur Beleuchtung gefilmt. Das wirkt zwar bei Zeiten trashig-lustig und mit einem Bierchen in der Hand kann man sicher darüber lachen – leider nimmt der Film sich selber zu ernst, als dass man wirklich unbefangen Spass haben könnte.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Apropos ernst: Was Bai Ling hier leistet, kann sie wohl selber auch nicht ernst nehmen. Wie sich eine erwachsene Frau derart schamlos zur Schau stellen lassen kann, ist ein Rätsel. Natürlich, sex sells, “The Gene Generation” jedoch geht dabei derart schamlos zur Sache, lässt Bai Ling in ultrakurzen Hotpants und Oberteilen rumrennen, bevor sie dann in einer endlos langen Sexszene ganz nackt rumhoppeln muss, dass man sich in die Achtziger zurück versetzt fühlt. Das ist Fleischbeschau die aus dem Film beinahe einen Exploitation-Streifen machen.

“The Gene Generation” ist also wahrscheinlich ein Filmchen, das sich die meisten gerne sparen werden. Hardcore-Cyberpunk-Fanatiker, Fans der Comicvorlage und Freunde knapp bekleideter, asiatischer Mädchen können trotz allem einen Blick riskieren. Wie gesagt, mit einem Bierchen in der Hand und guter Stimmung kann man den Film durchaus als trash-Stückchen geniessen – aber im Grunde genommen gibt es auch in dieser Hinsicht tausend bessere Alternativen.

Ausstattung

Extras? Gibt es nicht. Ein paar Trailer und das ist es dann auch schon.


Seit dem 26. Februar 2009 im Handel.

Originaltitel: The Gene Generation (USA 2007)            
Regie: Pearry Reginald Teo
Darsteller: Bai Ling, Alec Newman, Parry Shen, Robert David Hall
Genre: Science-Fiction
Dauer: 92 Minuten
Bildformat: 1,85:1 (16:9 anamorph)
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Trailer
Vertrieb: Impuls

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