Portrait der Mächtigen

Portrait der Mächtigen

Symbole der Macht

Bundesratsphoto 2009
Bundesratsphoto 2009

Mit der modernen Demokratie haben die Machtsymbole an Wert verloren.  Es gibt jedoch immer noch Synonyme für Macht in  den Porträts der Mächtigen. Macht ist ein guter Nährboden für Allmachtsfantasien, der Narziss bestimmt welche Status- oder Machtsymbole in den Porträts dargestellt werden.

Immer wieder treffen sich die Mächtigen der Welt um sich über die Zukunft zu beraten und Zeichen zu setzen. Gerade sie müssen sich der Welt optimal präsentieren und dabei Stärke und Vertrauen austrahlen. Sie setzten Zeichen unter anderem auch mit Symbolen, auch wenn es längst nicht mehr Krone und Zepter sind.

Die Landesfahne als Synonym für Tradition

In der modernen Demokratie haben Symbole der Macht ihre Bedeutung verloren – viel wichtiger wurde das allgemeine Etikett. Anders als bei der Diktatur sind die Mächtigen stärker an das Volk gebunden, denn das Volk ist es, die den Bundesrat wählt. Tradition und Volksnähe, Vertrauen und Kompetenz sind die Schlüsselmerkmale in der Demokratie. Das spiegelt sich auch in den Porträts der Staatsmännern und Frauen. Die Porträts sind schlicht gehalten und verzichten auf Synonyme wie Schwert, Thron oder Krone. Zwei Symbole haben aber überlebt: Der Anzug und die Landesfahne. Beides Symbole die omnipräsent in den Porträts der Mächtigen auftauchen. Obwohl die Machtinhaber schon immer Wert auf adrette Kleidung legten, so ist sie heute als Symbol für Kompetenz wichtiger denn je. Die Landesfahne hingegen spiegelt den gewünschten Patriotismus und die Rückbesinnung auf die traditionellen Werte wider.

Staatspräsident oder Statuspräsident

Neben Kleidung und Fahne gibt es unter den Machtinhabern, wie auch allen anderen, einige Statussymbole, die mit Geld und Narzissmuss im Zusammenhang stehen. Wer Macht besitzt steht auf einem guten Nährboden für Allmachtsphantasien und Narzissmus. Macht bedeutet oft auch Geld. Und mit dem Geld können die entsprechenden Phantasien sehr gut umgesetzt werden. Beispielsweise der Traum von ewiger Jugend und Schönheit. Eine Vorstellung die sich durch jede Epoche der menschlichen Geschichte zieht, ist auch eine Frage des Narzissen und der Machtposition. Der sogenannte Schönheitswahn hat sich längst über die Grenze Hollywoods hinweggesetzt. Das unnatürliche «Etikett Schönheit» ist auch in der Politik zu einem Thema geworden. Es ist eine Frage des Status geworden auch jung und dynamisch zu wirken. So war es auch im Januar 2004, als Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi für einige Wochen von der Politbühne verschwand um sich mehrfachen Schönheitsoperationen zu unterziehen. Wichtig für Staatspersonen ist, dass sie nicht zu Statuspräsidenten verkommen und den Blick aufs Wesentliche konzentrieren.

Amerikanische Präsidentenslideshow

Auf der Webseite www.whitehouse.gov gibt es eine Porträtgallerie mit allen Präsidenten der Vereinigten Staaten. Von George Washington bis zu Barack Obama. Manche Porträts sind schlicht gehalten: Anzug und Krawatte sind die einzigen Synonyme der Macht. Andere wiederum haben weniger auffällige Symbole eingebaut: Schreibzeug, Briefsiegel, Verträge, oder die Amerikanische Flagge sind die häufigsten Symbole. Georges Washington, der ersten Präsident der USA, geht einen Schritt weiter. Er wird mit Schwert und Regenbogen im Hintergrund dargestellt.

Beim Porträt von George Washington wurden dezente Symbole eingebaut
Beim Porträt von George Washington wurden dezente Symbole eingebaut

Die Krone als Symbol der Macht

Eines der ersten und auch geläufigsten Symbole, das mit Macht assoziiert wird, ist die Krone. Sie begleitet die europäische Geschichte seit gut 1000 Jahren. Sie symbolisiert die Würde und Macht des Königs über ein Territorium und dessen Bevölkerung. Vorläufer der Krone gehen zurück in die Antike, wo die Griechen eine sogenannte Corona (lateinisch für Kranz) trugen. Seit dem 19. Jahrhundert gilt die Krone als Herrschersymbol wieder als veraltet und umständlich – bis sie ihre ursprüngliche, traditionelle Funktion verlor. Nach diesem Symbolbruch verzichteten neu entstandene Länder wie die Sowjetunion, Italien oder Holland auf die herkömmliche Krone aus Gold und Edelsteinen und setzten die Krone als Synonym für Würde und Macht in die Landesflagge. Seit dem 20 Jahrhundert hat die Krone ihre symbolische Funktion ganz verloren. In Europa gibt es noch fünf Monarchenländer, die eine Krone besitzen: Schweden, Spanien, das Vereinigte Königreich von Britannien, Dänemark und das Königreich der Niederlande.

Porträt des Bundesrates?

Generell kann man sagen, dass Statussymbole als Synonyme der Macht immer stärker an Wert verlieren. Die Machtinhaber sind auf die Meinung der Bevölkerung angewiesen. Volksnähe ist also wichtiger als ausdrucksstarke Machtsymbole, zumindest in den Ländern in denen die Demokratie als politische Form ausgeübt wird. Volksnähe zeigt auch das Schweizer Bundesratsfoto 2009 (siehe oben): Auffällig ist die Hand von Merz, Leuenberger und Maurer die in der Hosentasche steckt. Diese Symbolik kommt nicht nur positiv an. Als Kommentar zu dem «Tages Anzeiger» Artikel «Die Bundesräte – jetzt dreidimensional» schreibt Rolf Schuhmacher: «…Die Volksnahe Geste der Hand im Hosensack passt nicht zum teuren Massanzug». Die Schweiz präsentiert sich gerne nah mit dem Volk. Dies zeigt auch das Foto von 2008, das den Bundesrat inmitten einer Menschenmenge darstellt, auch wenn man die sieben Mächtigen ein wenig suchen muss. Auch Lorenz Keiser hat eine Meinung zum aktuellen Budesratsfoto, in seiner Kolumne schreibt er: «Selten haben mich Zeitungsbilder des Elends so betroffen gemacht und aufgewühlt wie in den letzten Tagen. Auch ich habe darum Geld gespendet. 1000 Franken für die Flutopfer in Südostasien. 800 Franken für ein anständiges Bundesratsfoto.»

Im Netz
www.whitehouse.gov
Slideshow der 44 Amerikanischen Präsidenten

www.admin.ch/br
Internetseite des Bundesrates. Slideshow der Bundesratfotos bis 1993 unter Dienstleistung/Bundesratfotos

Ein Gedanke zu „Portrait der Mächtigen

  • 07.10.2012 um 07:20
    Permalink

    That’s a certavie answer to a difficult question

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