“Three Monkeys“ von Nuri Bilge Ceylan

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

“Three Monkeys“ von Nuri Bilge Ceylan

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Der türkische Regisseur Nuri Bilge Ceylan ist der Tiefenforscher und Stilist unter den Realisten. “Three Monkeys” lotet zwischenmenschliche Irritationen mit den Mitteln der Filmkunst aus. Ein, vor allem in ästhetischer Hinsicht, betörender und verstörender Film.

Von Garabet Gül

Angesichts zahlreicher Erschwernisse, die das Leben einem tagtäglich bietet, kann es zunehmend ermüdend und zermürbend sein, sich ständig mit den diversen Schwierigkeiten auseinanderzusetzen und dabei nach sogenannten konstruktiven Problem- und Konfliktbewältigungsstrategien zu suchen. Zuweilen gerät das Leben derart ausser Lot, dass es einfacher erscheint, der Konfrontation aus dem Weg zu gehen und so zu tun, als hätte man nichts gesehen, nichts gehört und nichts zu sagen. So wie die drei Affen in einem alten japanischen Sprichwort, die das Schlechte und das Böse nicht hören, nicht sehen und nicht darüber sprechen. Mit dieser dreifachen Verdrängungsstrategie verfahren auch die Protagonisten in “Three Monkeys” mit ihren alltäglichen Verwerfungen.

Die Geheimnisse unter der Familienoberfläche

Als der Politiker Servet kurz vor den Wahlen auf einer abgelegenen Landstrasse mit seinem Auto einen Zusammenstoss mit tödlichem Ausgang verursacht, sieht er seine politische Laufbahn in Gefahr. Er bittet seinen Chauffeur Eyüp gegenüber der Polizei auszusagen, dass er und nicht sein Chef  in dieser Nacht hinter dem Steuer gesessen sei. Als Gegenleistung bietet Servet seinem Fahrer finanzielle Unterstützung für die Familie und eine Abfindung nach der Verbüssung der Haftstrafe. Eyüp nimmt das Angebot an und geht für 9 Monate ins Gefängnis.

Während der Haftzeit beginnt Eyüps Frau Hacer eine Affäre mit dem Politiker. Der Sohn Ismail kommt dahinter, die Konfrontation mit der Mutter erstickt jedoch im Unvermögen des Versuchs. Der Sohn ist nicht in der Lage, seine Mutter zur Rede stellen. Wieder auf freiem Fuss, erfährt der Vater durch einen Anruf des Liebhabers von dem Seitensprung seiner Frau. Trotz dem heissen und eruptiven Brodeln unter der Familienoberfläche kommt es nicht zum Ausbruch. Der Sohn tut so, als hätte er nichts gesehen, der Vater hat nichts gehört und die Mutter schweigt. Als der Sohn beschliesst zu handeln, scheinen die Familienverhältnisse doch noch zu eskalieren. Doch der Vater entscheidet sich auch hier wieder dafür, den Schein zu bewahren, indem er so tut, als hätte er nichts gesehen und nichts gehört.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Die Darstellung von Zuständen

Dem Zuschauer im Kinosaal geht es ähnlich wie den Figuren im Film. Von den auslösenden Momenten bekommt er nichts zu sehen, auch der Unfall am Anfang wird in dunkles Licht gehüllt. Überhaupt interessieren Nuri Bilge Ceylan nicht die Ereignisse an sich, seinen Fokus richtet er auf die Folgen der Geschehnisse, auf das, was sie im Menschen auslösen. Die Verarbeitung der Vergangenheit steht im Vordergrund, nicht das drastische Vorkommnis selbst.

Der Film erzählt nicht nur eine tragische Familiengeschichte, er stellt vor allem gekonnt, subtil und ohne Hektik zwischenmenschliche Verwirrungen und Unsicherheiten dar. “Three Monkeys” ist insbesondere in künstlerischer Hinsicht beeindruckend, ein atmosphärisches und ästhetisches Glanzstück. Wir verzichten hier darauf, näher auf die hervorragende Licht- und Kameraarbeit einzugehen, überlassen das den Experten an den Filmhochschulen und zitieren diesbezüglich den Regisseur: “Es sind die Bilder meiner Seele. Sie entsprechen meiner Sicht auf die Welt, wie ich sie seit zwanzig Jahren habe. Und inzwischen kann ich – technisch gesehen – leichter das erreichen und umsetzen, was ich möchte. Ich bin ein eher düsterer Mensch. Und ich kämpfe darum, dass das Leben erträglicher wird.”
Für den Filmliebhaber ist zu hoffen, dass Nuri Bilge Ceylan ein düsterer Mensch bleibt und er weiter mit cineastischen Mitteln für ein erträglicheres Leben kämpft.


Ab dem 7. Mai 2009 im Kino.

Originaltitel: Three Monkeys (Türkei, Frankreich, Italien 2008)
Regie:  Nuri Bilge Ceylan
Darsteller: Yavuz Bingöl, Hatice Aslan, Ahmet Rifat Sungar, Ercan Kesal
Genre: Drama
Dauer: 109 Minuten
CH-Verleih: Filmcoopi

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