Schnee von gestern

Schnee von gestern

Der Kampf der Printmedien gegen das Aussterben

Krise der Printmedien
Schnee von vorgestern © Jeger / pixelio

Die traditionsreiche Berner Tageszeitung „Der Bund“ kämpft schon seit geraumer Zeit mit roten Zahlen, das hat nichts mit der Wirtschaftskrise zu tun. Die Übernahme der Espace Media Groupe durch die Tamedia AG hat hier kaum etwas geändert. Nun folgen einschneidende Massnahmen: Fusion mit dem Zürcher Tagesanzeiger und massiver Stellenabbau.

Das die Printmedien in der Krise stecken ist schon länger bekannt. Die Gründe dafür sind vielfältig und meistens auch bekannt. Allem voran das Internet. Doch das hilft den betroffenen Medien leider wenig, denn wirklich konkrete Lösungsvorschläge fehlen. Das Internet ist Segen und Fluch zugleich. Viele sprechen unterdessen vor der schwierigsten Prüfung für die Medien.

Natürlich ist die Wirtschaftskrise nicht völlig unschuldig für die Misere der Printmedien. Eigentlich alle Verlage melden einen massiven Einbruch bei den Inseraten und ohne Inserate kann keine Zeitung überleben. Natürlich überlegt sich jedes Unternehmen nun zweimal, ob sie noch Inserate aufgeben, wenn überall das Geld fehlen zu scheint. Das ist aber nur der Tropfen, den das Fass zum überlaufen bringt. Gerade „Der Bund“ hat schon vor der Krise keine schwarzen Zahlen geschrieben. Im letzten Jahr wurde jedoch für alle klar, dass der Bund so nicht überleben wird. Vor kurzem hat nun die Tamedia AG bekannt gegeben, wie es mit dem Bund weitergehen soll.

Die Gründe der Krise: Pendlerzeitung, Internet und das neue Zielpublikum

Die einzige Zeitung, der es in diesen Zeiten wirklich noch gut geht, ist die Pendlerzeitung 20 Minuten. Sie wirft grosse Gewinne ab und kann auf eine Leserschaft von 1.3 Millionen zählen. Auch wenn es eine Boulevardpresse ist und die Hintergrundinformationen im Gegensatz zu den kostenpflichtigen Tageszeitungen fehlen, so wird sie doch von beinahe jedem Pendler gelesen. Und wenn man die Informationen bereits gratis in kleinen Häppchen während der Zugfahrt erhält, dann scheint es den meisten Lesern überflüssig, auch noch eine kostenpflichtige Zeitung zu lesen.

Es ist aber falsch zu sagen, dass die Bereitschaft zum vermehrten Lesen auch länger als 20 Minuten durch die Gratisblätter abgenommen hätte. Die hohen Leserzahlen dieser Blätter begründen sich eher auf ein neues Zielpublikum das vorher kaum zu den Zeitungen gegriffen hat. Die junge Leserschaft setzt sich dabei aus allen Bevölkerungsschichten zusammen. Es ist egal ob es sich dabei um einen Studenten, Lehrling oder einfachen Schüler handelt. Zwar wird die Zeitung auch von älteren Menschen gelesen, doch dafür ist die Gratiszeitung nicht der einzige Weg sich zu informieren.

Was man in der 20 Minuten nicht kriegt, kriegt man trotzdem gratis und zwar im Internet. Hier liegt die Hauptursache für die Krise der Printmedien, denn auch wenn es verhältnismässig neu ist, so hat es sich rasch zu einem der wichtigsten Medienformen entwickelt. Auch die Newsportale von regulären Tageszeitungen vermelden einen grossen Zuwachs der Onlineleser. Das Problem: Damit verdient man kaum Geld. Der Gewinn, den man mit Inseraten im Internet macht, ist nur ein Bruchteil davon, was man in den Printmedien erreicht, und regelmässig zahlende Kunden in Form von Abonnementen hat man auch nicht.

Die Lösung liegt im Problem

Es führt jedoch kein Weg daran vorbei, seine Informationen ebenfalls im Internet anzubieten, das haben auch die Verlage erkannt, doch fehlt die Idee dazu das Internet auch wirtschaftlich zu nutzen. Hohe Zugriffszahlen auf den eigenen Webauftritt alleine helfen in der Krise kaum etwas. Man muss diese Zugriffszahlen noch in Geld verwandeln und hier fehlt die Innovation. Das betrifft nicht nur die Verlage in der Schweiz sondern die Verlage weltweit. Niemand weiss, wie man das Internet marktwirtschaftlich nutzen kann. Bisher verursacht es nämlich nur Kosten für die Verlage.

Wie sieht die Zukunft für die Printmedien aus? Sind sie denn am Ende? Braucht es sie überhaupt noch? Während die Tamedia AG den Bund und den Tagesanzeiger aus Kostengründen fusioniert und massiv Stellen abbaut, kauft das Unternehmen weiter andere Unternehmen auf. Erst im Mai kauften sie Edipress auf, ein Medienunternehmen in der französischsprachigen Schweiz. Liegt im Zusammenschluss der Medien die einzig mögliche Lösung?

Natürlich stellt sich dann die Frage der Medienvielfalt. Überall stünde dann das gleiche. Nur noch der Regionalteil sei dann noch unterschiedlich. Nun grundsätzlich folgt dies marktwirtschaftlichen Prinzipien, auf die man nicht so einfach Einfluss nehmen kann. Vielmehr stellt sich hier eine andere Frage: Wenn es schon zu einem Abbau des klassischen Journalismus kommt, dann kann man doch auch die gewagte Idee der staatlichen Zeitung aufwerfen.

Unabhängigkeit und Monopol

Eine Zeitung zu verstaatlichen wäre ein Tabubruch, denn ein ganz wichtiger Aspekt der Printmedien ist die Unabhängigkeit. Wie soll eine Zeitung als vierte Macht agieren und dem Staat kritisch auf die Finger schauen, wenn sie dem Staat gehört? Das Problem ist, dass die Unabhängigkeit genauso wenig gewährleistet werden kann, wenn alle Medien mehr und mehr einem grossen Unternehmen angehören. Was ist also besser? Die Kontrolle der Medien durch einen Verlag oder durch den Staat. Eine heikle Frage, die wohl kaum einfach so diskutiert werden kann. Es ist nur interessant, wie Banken aus der Krise geholfen wird, doch man sich über Zeitungen keine solchen Gedanken macht. Natürlich ist der Untergang einer UBS nicht mit dem Untergang der Zeitung „Der Bund“ zu vergleichen, trotzdem sollte man sich überlegen, wie viel einem eine Zeitung Wert ist. Nicht umsonst gehören dem Komitee „Rettet den Bund“ Politiker aus allen politischen Lagern an.

Im Netz:
rettet-den-bund.ch/
Komitee „Rettet den Bund“


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