Die Geschichte der Enterprise

Star Trek: (K)ein Blick zurück

Die Enterprise im 20. und 21. Jahrhundert

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Es ist so eine In-Sache, alte Serien und Franchisen mit einem neuen Look und neuen Grundideen zu versehen, um diese dann für das Kino zu rebooten – so geschehen mit dem Flattermann Batman oder mit Agenten-Beau James Bond. Doch auch die berühmt-berüchtigte Star-Trek-Franchise erlebt dieser Tage ihr Revival. Es scheint an der Zeit, einen Blick zurück zu wagen und die Frage zu stellen, wohin die Reisen der Enterprise nun gehen werden.

Von Alexander Sigrist.

Wie alles begann: “Star Trek – Der Film” (1979)

Erstaunlicherweise erst zehn Jahre nach der Serie wurde der Kinofilm rund um Captain James T. Kirks Mannen produziert – da eine zweite Serie, die eigentlich in Planung gewesen war, nicht finanzierbar war. So machte man aus dem geplanten Pilotfilm kurzerhand einen Kinofilm, der im Science-Fiction-Hype rund um “Star Wars” genau zur richtigen Zeit kam. Zwar ist die Geschichte der Raumsonde Voyager, die ein Bewusstsein entwickelt hat und auf die Erde zusteuert unglaublich langsam inszeniert im Bestreben ein wenig Philosophie in die Sache zu bringen, jedoch gehört der Film, vor allem auf Grund seiner visuellen Brillanz, die in ihrer Machart ganz klar “2001 – A Space Odyssey” nacheifert, in jede gut ausgestattete Science-Fiction-Sammlung.

Die Fetten Jahre: Star Trek II-IV

Der erste Star Trek-Film war also ein Erfolg: nicht nur bei den Fans, sondern vor allem an den Kinokassen. So doppelte Paramount drei Jahre später mit “Star Trek II – Der Zorn des Khan” nach – und schuf so etwas wie einen Science-Fiction-Prototyp. Es geht um Kirks schaurig-bösen Erzfeind Khan, der sich an Kirk rächen will und sich dabei aller Mittel bedient, die man sich vorstellen kann. Jedoch vor allem der unerwartete Tod von Spock, der Fans schockte, schlug ein wie eine Bombe und macht aus dem zweiten Teil ganz klar den besten der Serie.

Ein Schritt zurück war da schon der nächste Teil: zwar gab es ein Wiedersehen mit Spock, dessen Leiche auf dem in Teil II neu geschaffenen Planeten zu neuem Leben gefunden hat, jedoch hat “Star Trek III – Auf der Suche nach Mr. Spock” mit einigen Längen zu kämpfen, doch dank der schönen Zerstörung der Enterprise am Schluss bleibt gerade noch genug Schauwert.

Teil IV “Star Trek – Zurück in die Gegenwart” schliesslich schlug einen neuen Weg ein, ja, verzichtete beinahe ganz auf eine Enterprise und auf die typische Weltraum-Action: denn der grösste Teil des Films spielt im Jahre 1986 wo die Crew der Enterprise zwei Wale klauen müssen, um die Erde der Zukunft zu retten – aus der Ferne betrachtet kann der Film durchaus mit seiner Komik und seinen Seitenhieben überzeugen, damals jedoch war die Rezeption gemischt – der Film bot einfach zu wenig Star Trek-typisches und war mehr Satire auf unsere Zeit, denn ein Science-Fiction-Film

Man sollte aufhören wenn’s am schönsten ist: Star Trek V-VII

Mit dem fünften Teil übernahm William Shatner den Regiestuhl und versuchte der Serie wieder mehr Philosophie abzugewinnen. Ergebnis war der missratene fünte Teil “Star Trek V  – Am Rande des Universums”, welcher den Zuschauer mit Ideenüberflutung, langen Dialogen und psychedelischen Bildern langweilte.

So nicht, dachte man sich wohl bei Paramount, und verbannte Shatner wieder vom Regiestuhl, was Teil VI deutlich besser machte: so konnte “Star Trek VI – Das unentdeckte Land” mit seinem politischen Unterbau und einer guten Portion an Humor überzeugen, das Feeling der alten Teile wollte jedoch nie so recht aufkommen.

Vielleicht lag es auch daran, dass Kirk und seine Crew langsam alt wurden und im Fernsehen schon lange von der nächsten Generation abgelöst worden waren – und so sollte es auch im Kino geschehen. Mit “Star Trek VII – Treffen der Generationen” wollte man für einen würdigen Übergang sorgen, in welchem Picard und Kirk zusammen das Böse der Galaxis verhauen. Das Zusammentreffen der beiden Captains war dann auch durchaus lustig, doch bot der Film ansonsten nur 08/15-Kost und so langsam schien es, als würde Paramount die Filme nur noch produzieren, da sie Hit-Garanten waren.

Das letzte Aufbäumen vor dem Tod: Star Trek VIII-X

Diesen Vorwurf wollte die Produktionsfirma wohl nicht auf sich sitzen lassen und machte mit “Star Trek VIII – Der erste Kontakt” endlich wieder einmal fast alles richtig: der Kinoauftritt der Borgs ist herrlich düster, die Sprüche sind kernig, Picard poliert seine Glatze und macht einen auf Bruce Willis. Der siebte Teil der Serie ist ein tolles Science-Fiction-Theater, dass alles bietet, was man von einem ordentlichen Action-Film erwarten kann.

Leider jedoch ruhte die Serie nachher auf ihren Lorbeeren. So war “Star Trek IX – Der Aufstand” kaum mehr als eine künstlich verlängerte Serienfolge, die kaum für Spannung sorgte und vor allem mit schlechten Spezialeffekten negativen glänzte.

Zwar wollte man mit “Star Trek X – Nemesis” alles wieder gut machen, doch der Film, auch wenn er ordentlich produziert war und einiges an Schauwert bot, konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Serie tot war und so langsam zu stinken anfing. Darum verwunderte es auch nicht weiter, dass Paramount den zehnten Teil von Anfang an als Abschluss der Serie vermarktete.

Neue Welten: “Star Trek”

Sieben Jahre zogen ins Land, in denen natürlich jedem klar war, dass die Enterprise irgendwann wieder auf die Leinwand zurückkehren würde – in welcher Form jedoch, dass wusste niemand so recht. Bis sich schliesslich J. J. Abrams der Sache annahm. Der Erfinder der überaus erfolgreichen Serie “Lost” kümmerte sich um das Drehbuch und forderte von Anfang an einen Reboot der Franchise.

Und betrachtet man diesen Reboot, so möchte man eigentlich keinen Blick zurückwerfen. Zehn Star Trek-Filme haben vielen Fans und Zuschauern viele schöne Momente beschert, doch der elfte Star Trek-Film beweist, dass es mehr als höchste Eisenbahn für eine Neuauflage war.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Dabei geht Abrams jedoch sehr sorgsam vor: so bedient er einerseits den “normalen” Zuschauer  mit einer actionreichen Story, welche vor tollen Spezialeffekten nur so strotzt, vergisst aber dabei den Humor nicht: “Star Trek” bietet eine tolle Mischung aus Action, Plot und Comedy, die beinahe jeden bei der Stange halten wird. In dem ganzen Theater vergisst er aber die Trekkies nicht und baut an jeder Ecke und an jedem Ende einen kleinen Seitenhieb ein. “Star Trek” bleibt also zu seinen Wurzeln treu, entfernt sich aber weit genug von ihnen, um endlich die Konventionen sprengen zu können, die die letzten Filme derart beengt haben.

Genial bei der Sache ist aber, dass Abrams für jede Änderung auch eine Begründung hat. Die Geschichte erklärt, warum Kirk mit einem Mal zu einem jugendlichen Haudrauf wird, anstelle brav die Akademie zu besuchen, oder warum Spock und Kirk sich erstmal überhaupt nicht mögen – ja, der ganze Reboot wird in der Story schön erklärt. Wie soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Man darf sich auf jeden Fall auf weitere Abenteuer der neuen Crew freuen.

Natürlich ist “Star Trek” kein zweiter “Zorn des Khans”: dafür ist die Story dann doch etwas zu dünn und vor allem der Bösewicht viel, viel, viel zu blass und auch die Geschichten der einzelnen Charakter haben zu wenig Platz, um aus dem Film einen Klassiker zu machen – trotzdem ist “Star Trek” der beste Science-Fiction-Film seit einer halben Ewigkeit und definitiv Pflichtfilm fürs Sommer-Blockbuster-Programm.

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