“Quarantäne” von John Erick Dowdle

Spaniens Zombies gegen amerikanische Remakes

“Quarantäne” von John Erick Dowdle

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Remakes können viele Möglichkeiten bieten. Zum Beispiel kann man einen alten Film mit einer neuen Optik und Effekten ordentlich aufpolieren. Man kann eine alte Story in ein neues Gewand stecken. Man kann einen Aspekt aus dem Original verstärken. Man kann so vieles mit Remakes – natürlich auch das Original beinahe 1:1 kopieren.

Von Alexander Sigrist.

Eine Fernsehreporterin darf eine Nacht lang mit der Feuerwehr auf Tour gehen – und landet dabei prompt in Teufels Küche: zusammen mit der Feuerwehr und ihrem Kameramann wird sie in einem Mietshaus eingeschlossen, wo es bald nur so von Zombies wimmelt. Das kommt Ihnen bekannt vor? Ja, der spanische Horrorfilm “[Rec]” hat eine solche Story – genauso wie das amerikanische Remake “Quarantäne”. Anscheinend hat der spanische Horrorfilm den amerikanischen Studiobossen derart gut gefallen, dass man prompt ein Remake produzieren musste.

Doch ist das Remake besser als das Original? Muss man beide Filme haben? Wenn nein, welchen sollte man denn haben? Höchste Zeit, die beiden Filme zu vergleichen.

1. Story

Unentschieden: die beiden Filme haben exakt dieselbe Story, allerdings ist “Quarantäne” noch knappe zehn Minuten länger. Bemerkbar macht sich das vor allem am Anfang, doch warum ausgerechnet jene Szene, die bereits im Original schon sterbenslangweilig war, verlängert wurde, ist ein Rätsel. Ansonsten sind die Filme identisch von der Story her. Es steht 0:0.

2. Effektivität

“[Rec]” schildert seine Sicht aus der Sicht des Kameramanns, oder besser gesagt aus der Sicht der Kamera des Kameramanns. Das Konzept ist zwar alt, wird in [Rec] jedoch bis zu letzten Sekunde hammerhart durchgezogen. “Quarantäne” macht genau das gleiche und kopiert auch gleich meist die Einstellungen. Die amerikanische Variante ist also ähnlich effektiv wie das Vorbild, kann nur einmal einen draufsetzen: dann nämlich, wenn der Kameramann einen Zombie mit der Kamera totschlägt und der Zuschauer alles in Nahaufnahme mitmacht – genial! Darum: 1:0 für “Quarantäne”.

3. Gewalt

Der Gewaltfaktor ist natürlich ein wichtiges Element eines Zombiefilms – und obwohl “Quarantäne” ab 16 zugelassen ist, steht er seinem FSK-18-Vorbild in nichts nach: hier wird gebissen, Knochen gebrochen und Schädel eingeschlagen. In der Brutalität lässt sich praktisch kein Unterschied finden – dennoch wirkt “[Rec]” noch etwas roher als der amerikanische Bruder. Für einen Sieg reicht das nicht ganz, darum steht es immer noch 1:0 für “Quarantäne”.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

4. Angst-Faktor

Angst gehört zu einem Horrorfilm und “[Rec]” trägt Angst als zweiten Vornamen. Der Film erschreckt auch harte Naturen und vor allem in den letzten fünf Minuten dürfte so manchem das Herz stehen bleiben. Dazu trägt auch der Schauplatz seinen Anteil: die Stimmung im abgeschlossenen Mietshaus ist beengt und ausweglos. Das Draussen wird fast vollends ausgeblendet – hier macht “Quarantäne” seinen Kardinalsfehler: zwar erzeugt er grösstenteils dieselbe Angst wie seine Vorlage, jedoch gewährt er seinen Protagonisten zweimal einen Blick nach draussen. Das nimmt der Sache irgendwie den Wind aus den Segeln und lässt die Ausweglosigkeit verpuffen. Schade! Darum: 1:1, ausgeglichen.

5. Originalität

“[Rec]” erfand das Rad nicht neu, brachte aber genug Ideen ins Spiel, um frisch zu wirken. Warum jemand jedoch auf die Idee kommt, einen solchen Film beinahe 1:1 zu kopieren ist ein Rätsel: wer “[Rec]” gesehen hat, hat eigentlich keinen Ansporn, sich auch “Quarantäne” zu besehen, denn der Film ist beinahe derselbe. Zwar versucht er sich schon an einer handvoll neuen Ideen, jedoch sind die wenigsten davon wirklich gut und originell ist das sowieso nicht. Also: 2:1 für “[Rec]”.

Fazit

Ist das Remake besser als das Original? Nein. Schlechter ist es jedoch auch nicht. Nein, es kopiert die Vorlage, macht zwar den einen oder anderen Fehler, ist aber immer noch ein effektives, böses Filmchen. Welche Daseinsberechtigung “Quarantäne” jedoch hat, ist eine andere Frage. Muss man beide Filme haben? Nein. Ausser man will sich zweimal denselben Film kaufen.

Und welchen Film sollte man nun haben?

Die Antwort ist eine ideologische. Zwar mag “[Rec]” das Rennen hier mit 2:1 für sich entschieden zu haben, jedoch ist “Quarantäne” fast so gut wie die Vorlage, kann dabei aber nichts Neues bieten. Wer eine Abneigung gegen den amerikanischen Remake-Wahn hat, sollte um “Quarantäne” lieber einen grossen Bogen machen und sich “[Rec]” anschauen – wer seine Schauspieler jedoch lieber Englisch sprechen hört und seine Filme gerne aus Amerika hat, kann auch ruhigen Gewissens bei “Quarantäne” zugreifen.

Ausstattung

Ein ‘Making of’, ein Feature zum Make-up, die Erklärung eines Stunts und einen Audiokommentar lassen sich auf der Scheibe verorten. Nicht viel, aber in Ordnung.


Seit dem 7. Mai 2009 im Handel.

Originaltitel: Quarantine (USA 2008)            
Regie: John Erick Dowdle
Darsteller: Jennifer Carpenter, Steve Harris, Jay Hernandez, Jonathon Schaech
Genre: Horror
Dauer: 86 Minuten
Bildformat: 1.85:1 (16:9)
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Making of, Features zum Make-up, einem Stunt, Trailer, Audiokommentar
Vertrieb: Impuls

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