“Sieben Leben” von Gabriele Muccino

Herzensangelegenheit

“Sieben Leben” von Gabriele Muccino

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Will Smith ist erwachsen geworden. Und plötzlich verdienen auch seine nicht-Action und nicht-Comedy Filme das Prädikat “regentagtauglich”. Fern ab von “Bad Boys” und “MIB”, noch weiter weg von “Hancock” und “Das Streben nach Glück”, dürfte “Sieben Leben” wohl alle zufriedenstellen. Man fragt sich im Nachhinein warum.

Von Tom Messerli.

“Sieben Leben” ist sichtlich von der erneuten Zusammenarbeit vom “Das Streben nach Glück”-Duo Will Smith und Gabriele Muccino geprägt: den Machern ist es so ernst mit dem Film, dass der Film kaum mehr ernster sein könnte, und Smith erhält auch hier reichlich Gelegenheit, sein tränendrüsendrückendes Talent zur Schau zu stellen. Dennoch unterscheidet sich der Film von seinem Vorgänger, indem er ein wenig echter und kerniger daherkommt: die Gefühlswelten von “Sieben Leben” scheinen etwas mehr geerdet und weniger konstruiert.

Herzstück des Films – das kann durchaus wörtlich gemeint sein – ist eine zuerst unwahrscheinlich scheinende Romanze zwischen Ben Thomas (Smith) und der herzkranken Emily Poza (Rosario Dawson). Dennoch benötigt man zu Beginn einige Zeit, um sich im Film zurechtzufinden. Die dramaturgische Spannung ergibt sich in erster Linie aus einer geschickt zusammengeflickten Auswahl von rückblickenden Ausschnitten und handlungsantreibenden Fragmenten, wobei der Unterschied zwischen den beiden nicht immer ersichtlich ist. Das hält zwar die Aufmerksamkeit hoch, verwirrt aber bisweilen auch, und man fragt sich gerade zu Beginn des Films, worin der Grund für Ben Thomas’ zerstreute Reise von Treffen zu Treffen mit unterschiedlichsten Menschen bestehen könnte.

Der Anfang vom Ende

Der Film beginnt quasi am Anfang vom Ende, als Ben Thomas den Rettungsdiensten seinen eigenen Selbstmord mitteilt. Für die einen mag dies der vielleicht packendste Filmbeginn überhaupt sein, für die anderen wird hier bereits einer der dramatischsten Wendungen verraten. Rückblickend rollt der Film dann in oben genannter Manier allmählich Thomas’ Suche nach sieben willkürlich ausgewählten Menschen auf – alle in irgendeiner Form auf Hilfe angewiesen. Der Grund für diese Irrfahrt wird allmählich ersichtlich, einige Kurze Flashbacks weisen auf einen fürchterlichen Autounfall hin, der mitunter das Leben seiner Liebsten gefordert hatte. Thomas befindet sich also auf einer Art Selbstmordmission, während welcher er sich anschickt, unbekannten Menschen das Leben zu retten.

Eine Liebe so kompliziert wie der Erzählstrang

Für Ben Thomas wird die Reise aber unerwartet komplizierter, als sich eine unerwartete emotionale Bindung an die an Stauungsineffizienz herzerkrankte Emily ergibt, die vergebens auf ein Spenderherz wartet. Man muss es dem Film in diesen Szenen hoch anrechnen, dass er nicht allzu berechenbar wird. Die Erzählstränge werden regelmässig geschickt getrennt und zerstückelt, damit nicht allzu schnell ein genaues Bild entstehen kann. Das Drehbuch für “Sieben Leben” ermöglicht es geschickt, den meisten Charaktere auch nach kurzen Auftritten bleibende Eindrücke hinterlassen.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Die Gefühlswelt von Ben Thomas wird synchron mit jener der Zuschauerinnen und Zuschauer gehörig durchgerüttelt. Wie in “Das Streben nach Glück” spielt Smith die Rolle zwar ziemlich zurückhaltend und ruhig, immer mit der Stirn in tiefen Falten, aber auch ohne jeglichen Optimismus, was “Sieben Leben” zur ziemlich düsteren Gefühlsangelegenheit macht. Dabei trägt der Hauptdarsteller während des gesamten Films eine gewaltige erzählerische Last auf sich, mit der ein sichtlich reifer gewordener Smith aber sehr gut fertig wird.

Wenn man nur mit dem Herzen gut sieht…

Allerdings: “Sieben Leben” erweist sich in bester Jesus-Manier auch als endlos sentimentale Fabel (in Plakatsprache: “Das ist Kino der grossen Gefühle!”) über Opfergabe und Wiedergutmachung, die ausschliesslich auf die Herzen zielt und dabei den Kopf gesamtumfänglich vernachlässigt. Während die einen wohlig-depressiv in diesen Ozean der Gefühle eintauchen werden, dürften sich die eher durch Vernunft und Intellekt geleiteten Zuschauerinnen und Zuschauer schon beinahe beleidigt fühlen. Und doch: der Höhepunkt des Films dürfte für viele so vernichtend sein, dass die meisten erst nach erneutem Einschalten des Hirns eine wirkliche Meinung zu “Sieben Leben” kundtun werden können. Immerhin: Seelische Wiedergutmachung ist ja nicht gerade das typische Hollywoodthema Nummer Eins, und “Sieben Leben” beweist, dass ein solcher Film möglich ist, ohne gänzlich zur Farce zu verkommen. Trotzdem: Kopf abschalten und Taschentücher bereithalten.

Ausstattung

Die DVD kommt mit einer stattlichen Auswahl an Extras daher: der Audiokommentar mit Regisseur Gabriele Muccino dürfte vor allem für Fans sein. Die “Sieben Sichtweisen auf ‘Sieben Leben'” sind kurze Eindrücke der Mitwirkenden, welche einige gute Denkanstösse beinhalten. Der kurze Zusammenschnitt des Castings, “Das perfekte Ensemble” ist auf jeden Fall sehenswert, aber auch nicht wirklich revolutionär. Für Biologen hat es auch etwas: eine kurze Erklärung zum giftigen Star des Films: “Die Würfelqualle”. Abgerundet werden die Extras mit einigen “Entfallenen Szenen” und dem “Trailer”. Insgesamt kommt da eine angenehme Ladung an Bonus mit, welche die DVD in jedem Fall aufwerten.


Seit dem 14. Mai 2009 im Handel.

Originaltitel: Seven Pounds (USA 2008)            
Regie: Gabriele Muccino
Darsteller: Willl Smith, Rosario Dawson, Woody Harrelson, Barry Pepper
Genre: Drama
Dauer: 118 Minuten
Bildformat: 16:9
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Audiokommentar, Interviews: “Sieben Sichtweisen”, Casting-Report: “Das perfekte Ensemble”, Bio-Exkursion: “Die Würfelqualle”, Entfallene Szenen und Trailer.
Vertrieb: Impuls

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