Klopf klopf “The Strangers” von Bryan Bertino

Klopf klopf

“The Strangers” von Bryan Bertino

strangers 1

Horror funktioniert auch ohne Gore. Zumindest gab es, bevor Teeniesplatter und Magenverstimmer wie “Saw” und “Hostel” das Genre in den Dreck zogen, Filme, die einem mit einfachsten Mitteln das Gruseln lernten. “The Strangers” ist ein Versuch, zur Einfachheit und zu Horror jenseits der Folterbank zurückzukehren. Über weite Strecken gelingt dies dem Film, nicht zuletzt dank dem Ganzkörperseinsatz von Liv Tyler, erstaunlich gut.

Von Lukas Hunziker

Die Situation ist klassisch: ein junges Paar verbringt die Nacht in einem abgelegenen Haus auf dem Land und wird eine Nacht lang von drei maskierten Psychopathen einmal durch die Hölle und zurück getrieben. Doch die weiteren Parameter sind anders, als wir sie uns gewohnt sind. Es handelt sich bei den zwei Opfern nämlich nicht um rauschsüchtige Teenies, die einander in hysterischer Notgeilheit an die Wäsche wollen, ganz im Gegenteil: Kristen hat kurz zuvor den Heiratsantrag, welcher James ihr auf der Hochzeit eines Freundes machte, abgelehnt. Entsprechend unangenehm ist Nacht, welche den beiden bevorsteht, denn die beiden müssen sich entscheiden, ob das Nein auch ein Nein zur Beziehung generell ist.

Diese Entscheidung wird jedoch verzögert, als ein lautes Klopfen an der Tür die beiden aus ihrer Beziehungskrise reisst. Vor der Tür steht eine Gestalt, die schüchtern fragt, ob Tamara zu Hause ist. James erklärt, dass die junge Frau, deren Gesicht wir nicht zu sehen bekommen, sich im Haus getäuscht haben müsse. Die beiden schenken dem Vorfall keine weiter Beachtung und James fährt mit dem Auto weg, um Zigaretten zu holen. Doch Kirsten bleibt nicht lange ungestört; das Klopfen kommt zurück. Kirsten weist die Frau erneut darauf hin, dass diese vor der falschen Tür steht, bis sie bemerkt, dass die Besucherin maskiert ist und zwei weitere verhüllte Gestalten sich ums Haus schleichen. Das Katz-und-Maus-Spiel ist eröffnet.

Ein Knarren, eine Schatten, und kaum ein Wort

“The Strangers” gibt sich von Anfang an Mühe, seine realistische Atmosphäre nicht mit billigen Sound- und Special Effects zu verderben. In der ersten Hälfte des Film kommt das Licht allein von den Zimmerlampen und dem Kamin der nächtlichen Wohnung, die Musik aus dem Plattenspieler. Dieser spielt oft Country, und trägt damit kaum dazu bei, dem Film zu einer Gruselstimmung zu verhelfen. Diese entsteht alleine durch die Kameraführung und die undefinierbaren Geräusche ausserhalb des Hauses, welche Kirsten mehr in Panik versetzen, als es jeder Buh-Effekt könnte. “The Strangers” legt wert auf Realismus; die beiden Opfer rennen nicht wie die üblichen blonden Busenwunder die Treppe hinauf und kreischen, sondern verhalten sich im Gegenteil sehr vernünftig. Umso frustrierender ist es, dass sie dies nur wenig weiterbringt. Die Gewaltszenen des Films schockieren denn auch mehr auf einer psychologischen Ebene, als mit aufgeschnittenen Hälsen und abgetrennten Gliedmassen.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Obwohl der Film aber auf Genreklischees verzichtet und stattdessen auf eine realistische, dichte Atmosphäre setzt, lässt er in der zweiten Hälfte etwas nach. Da die Handlung eher mager bleibt, wiederholen sich einige Elemente immer wieder, was für die Spannung zunehmend abträglich ist. Das Finale ist dem Stil des Films zwar treu, jedoch lässt er zu viele Fragen unbeantwortet, was dem Film selbst nicht schadet, den Zuschauer jedoch frustriert lässt. “The Strangers” beginnt mit einer Texteinblendung, in welcher die (beängstigend hohe) Zahl der jährlichen Gewaltverbrechen in Amerika kommentiert wird. Der Film scheint jedoch in keinem Moment nach der Ursache dieser zu fragen, sondern begnügt sich damit, ein besonders rätselhaftes Verbrechen zu inszenieren. Damit dient dem Film Gewalt letztendlich doch zur Unterhaltung seines Publikums. Dies allein mit dem Genre zu entschuldigen, lassen wir nicht durchgehen.

Nichtsdestotrotz sorgt “The Strangers” für neuen Wind im Horrorgenre und beweist, dass man einen guten Horrorfilm fast allein mit Klopfgeräuschen und Masken machen kann.

Ausstattung

Die 10minütige Dokumentation, die Fotogalerie und die Kurzinterviews, die nicht verwendeten Szenen und die Trailer sind insgesamt kaum sehenswert, aber die Bemühung, die DVD zumindest ein bisschen zu schmücken, verdient doch ein bisschen Anerkennung.

Seit dem 23. April 2009 im Handel.


Originaltitel: The Strangers (USA 2008)            
Regie: Bryan Bertino
Darsteller: Liv Tyler, Scott Speedman, Glenn Howerton
Genre: Action-Drama mit Alibi-Love-Story
Dauer: 84 Minuten
Bildformat: 2.35:1 (16:9 anamorph)
Sprachen: Deutsch,Englisch
Untertitel: Deutsch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Interviews, Featurette “Elements of Terror”, Delete Scenes, TV-Spots, Fotogalerie, Trailer
Vertrieb: Impuls

Im Netz
Trailer

Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.