Eindrücke vom Rande Europas

Eindrücke vom Rande Europas

Wirtschaftswunder und seine Tücken am Beispiel Irlands

Raue Aussicht über die irischen Klippen

Der Keltische Tiger ist wieder am Boden angelangt. Eine sanfte Landung ist es jedoch nicht. Die Arbeitslosenquote hat sich in Irland seit 2007 verdoppelt, die Wirtschaft bricht drastischer ein als in anderen Ländern Europas. Nun ist man darauf bedacht, dass Irland nicht das gleiche Schicksal widerfährt wie Island und die Annäherung an die Europäische Union wird wieder populärer – nur ein Jahr nach dem erfolgreichen Referendum gegen den Lissabon Vertrag.

Irland ist vor allem bei Jungen als Reiseziel beliebt. Pubs, Guiness, Irish Folk und eine wunderbare Natur machen Irland attraktiv. Doch dann gibt es da auch noch das Gemurmel um die Kriminalität in Irland. Dublin hat Amsterdam unterdessen als Drogenparadies abgelöst und kein Tag vergeht, in der man in den irischen Medien nichts von Gewaltverbrechen auf der Grünen Insel liest. Der steile wirtschaftliche Aufschwung und sein abruptes Ende.

Vom Keltischem Tiger…

Wenn man durch die Strassen von Galway, einer Stadt an der Westküste von Irland, geht, sieht man zahlreiche moderne Gebäude und gleich daneben ältere Häuser. Wann immer man ein solch modernes Glashaus sieht, muss man bedenken, dass dies erst in den letzten fünf bis zehn Jahren gebaut wurde. Vorher galt Irland als Armenhaus Europas. Erstaunlich ist es, wenn man ältere Filmaufnahmen von Dublin zwischen 1980 und 1990 sieht. Man wähnt sich am Anfang des 20. Jahrhunderts. Irland ist eines dieser Länder das extrem vom Beitritt in die Europäische Union profitiert hat. Es hat die Grenzen geöffnet und die Unternehmenssteuern drastisch gesenkt und wurde so schliesslich zum Musterschüler was die wirtschaftliche Entwicklung anbelangte. Irland gilt heute als eines der reichsten Länder Europas und der Welt.

…und seinem grausamen Tod

Doch umso steiler der Aufstieg von Irland gewesen ist, umso heftiger wird Irland nun von der Krise getroffen. Als eines der ersten Länder Europas schlitterte Irland in eine Rezession. Seit Anfang dieses Jahres befindet sich Irland nun auch in einer Deflation (Quelle). Die Prognosen zeichen wirklich ein erschreckendes Bild: Im Jahre 2007 wuchs das Bruttoinlandprodukt (BIP) von Irland um 6 Prozent. 2008 sank es 2 Prozent und für das Jahr 2009 wird ein Rückgang von 5 Prozent prognostiziert. Für das letzte Jahr wird eine Arbeitslosenquote von über 9% erwartet (Quelle). Man fürchtet ein ähnliches Schicksal wie Island: Den Staatsbankrott.

Willkommen in Westeuropa, Irland!

Durch das Wirtschatfswachstum steigen in Irland auch die Löhne. Dell hat angekündigt die Produkt ihrer Computer im irischen Limerick einzustellen und sich auf die Produktionsstätte im polnischen Lodz zu konzentrieren. Ein Todesurteil für die Stadt Limerick und ein harter Schlag für ganz Irland. Irland widerfährt nun das, was vor einigen Jahren, zu Beginn des irischen Wirtschaftswunders, mit anderen westeuropäischen Staaten geschehen ist: Die Abwanderung von Arbeitsplätzen in ökonomisch günstigere Länder. Damit ist Irland endgültig beim restlichen Europa angekommen. Der tertiäre Sektor wird nun auch hier immer wichtiger und als Billig-Lohn-Land gilt Irland nun sicher nicht mehr. Es hat nun mit den gleichen Herausforderungen zu kämpfen wie die restlichen Länder Westeuropas.

Die Schattenseiten des Tigers

Kriminalität ist in Irland ein grosses Thema. Viele Einheimische klagen über eine immer unsicherere Stadt. Sicherlich teilen die Iren das Interesse an Kriminalität mit den Briten und so ist es nicht verwunderlich, dass in den Irischen Medien viel mehr und ausführlicher über jede Art von Kriminalität berichtet wird. Trotzdem ist an den Aussagen und Befürchtugen der Einheimischen etwas dran: 2005 wurde eine Report über eine Umfrage innerhalb der Europäischen Union veröffentlicht, der die Kriminalität der Mitgliedstaaten analysierte (jedoch ohne die Staaten der EU-Osterweiterung). Irland ist demnach das Land, wo es am wahrscheinlichsten ist, von einem Verbrechen getroffen zu werden. Belfast und Dublin sind an den Stellen 4 und 5 der gefährlichsten Metropolen von Europa und stehen im interkontinentalen Vergleich sogar vor New York. Jeder fünfte Einwohner von Irland gibt an bereits einmal Opfer eines Verbrechens gewesen zu sein. Vor allem Raubüberfälle und sexuelle Gewalt sind in Irland ein grosses Problem (siehe Link am Ende des Artikels).

Mit Zuversicht in die Zukunft

Der steile Aufstieg Irlands war sicherlich nötig und auch wenn er eine Vielzahl an Problemen mit sich gebracht hat, so wünscht sich wohl kein Ire wieder zurück vor die Zeit des Keltischen Tigers. Doch nun muss Irland auch noch in anderen Bereichen etwas aufholen, vor allem was Sozialversicherung und Gesundheitssystem angeht. Die Wirtschat wiederum muss sich andere Strategien für die Zukunft überlegen. Das den Iren das gelingen wird ist eigentlich kaum zu bezweifeln, denn auch wenn viele Einheimische sich über die Wirtschaftslage oder Kriminalität beklagen, niemand scheint aufzugeben zu wollen oder schwarz zu malen. Das kann man rasch in zahlreichen Gesprächen mit Einheimischen feststellen. Ebenfalls deutlich sichtbar ist eine Rückkehr zur Europäischen Union. Vermutlich hätte ein erneutes Referendum gegen den Vertrag von Lissabon nun deutlich weniger Chancen und darauf hofft man nun sowohl in Brüssel wie auch in Dublin selbst. Wie Island möchte man auf keinen Fall enden und auch dieser Inselstaat noch weiter weg vom Rest Europas drängt nun in die EU. Auch wenn die Zeit der Keltischen Tigers nun vorbei ist, so ist Irland sicherlich nicht am Ende.

Links zum Thema
Irland in der Europäischen Umfrage über Kriminalität und Sicherheit 2005 (PDF)
Der Abstieg des Wirtschatfswunderlandes Irland (Artikel bei der Welt)

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