“Kurzer Prozess – Righteous Kill” von Jon Avnet

Kurzes Star-Messen

“Kurzer Prozess – Righteous Kill” von Jon Avnet

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Robert De Niro ist ein toller Schauspieler. So eine richtig coole Sau. Al Pacino ist auch ein cooler Schauspieler. Halt auch so eine richtige coole Sau. Man müsste dann ja meinen, dass ein Film, in welchem sich die beiden die Ehre geben, so ein richtiges coole-Sau-Theater sein müsste – “Kurzer Prozess” ist aber trotz den coolen Säuen nur eine halbgare Restenverwertung geworden.

Von Alexander Sigrist.

Turk und Rooster sind zwei hart gesottene Polizisten, deren Illusionen über wahre Gerechtigkeit und Moral sich in den Jahren als Gesetzeshüter in Luft aufgelöst haben – trotzdem gehen die beiden mit der nötigen Härte ihrem Job nach und geben im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten ihr Bestes. Sie ermitteln in einer Mordserie; ein Mörder bringt Menschen, vornehmlich Verbrecher und Zuhälter, um und hinterlässt jeweils ein Gedicht am Tatort. Bald schon wird klar, dass es sich um einen Insider, gar einen Polizisten handeln muss… und alle Spuren führen zu Turk.

Man möchte meinen, ein Traum werde wahr: Al Pacino und Robert De Niro, die sich im grandiosen “Heat” nur kurz getroffen haben, spielen sich über die vollen 90 Minuten eines Filmes gegenseitig an die Wand. Man will ein Schauspieler-Gewitter erwarten, ein Pacino-Blitzen und ein De Niro-Donnern, man will als Zuschauer von den beiden vom Sockel gefegt werden – und die beiden geben sich in “Kurzer Prozess – Righteous Kill” auch wirklich alle Mühe: Al Pacino ist gewohnt düster, alt, müde, De Niro legt jeglich Komik ab und wiegt fast noch schwerer als Kumpel Al. Aber so richtig können sich die beiden einfach nicht austoben, zu eng ist das Korsett des Drehbuchs, zu 08/15 die Dialoge und zu wenig Platz wird ihren Charakteren eingeräumt. Die beiden Mannen spielen gut, aber in keiner Szene kann einer der beiden ein wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen, sie geben sich routiniert, routiniert gut, aber nicht überragend, wie man sich das Zusammentreffen erhofft hat.

Routinierte Routine

Der gleiche Eindruck macht sich leider auch beim Plot bemerkbar: Regisseur Avnet hat zwar eine ordentliche Story im Gepäck, brennt aber zu keiner Zeit ein Feuerwerk ab. Einzig die Schlusswende mag noch ein wenig zu überraschen, dazwischen macht sich gepflegte Langeweile breit. Das Problem liegt klar in der Tatsache, dass der Film viel zu lange so tut, als hätte er gar kein Geheimnis zu bieten – erst viel zu spät wird dem Zuschauer suggeriert, dass die Auflösung vielleicht doch nicht so einfach ist, wie man  meinen möchte. Sobald der Film dann aber andeutet, dass es noch eine Wendung geben könnte, weiss man schon bald wie der Hase läuft und wer denn nun die Pistole bedient hat.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Zwar gibt sich Avnet sichtlich Mühe, aus seinem Stoff das beste herauszukitzeln – verläuft sich dabei aber in eine viel zu komplizierte Erzählweise, die in ihrer Holprigkeit meist der Spannung eher einen Abbruch gibt, als ihr dienlich ist. Zwar ist das Motzen auf ordentlichem Niveau, denn die Story ist immer noch ganz okay und hat schon ihren guten Momente, aber es bleibt halt der gleiche Eindruck, wie bei Pacino und De Niro: man hätte einfach gerne was besseres gehabt.

“Kurzer Prozess – Righteous Kill” ist zwar ordentlich, ja eigentlich fast gut, aber eben nur fast. Unter dem Strich ist Avnets Thriller mehr enttäuschend als entzückend, da er einfach die Prämissen erstklassiger Unterhaltung, die die beiden bekannten Gesichter auf dem Cover versprechen, nicht einhalten kann. Wer sich mit einem Thriller der zweiten Garde, welcher mit einer erstklassigen Besatzung bestückt ist,, abfindet kann trotz allem immer noch ruhigen Gewissens einen Blick riskieren.

Ausstattung

Neben einige Trailern gibt es einen Audikommentar, Featuretten zur Premiere des Films in New York und zur Polizeiarbeit, sowie ein Making of, TV-Spots und eine Fotogalerie auf dem Silberling zu entdecken. Nichts überragendes, aber ordentlich.


Seit dem 16. Juli 2009 im Handel.

Originaltitel: Righteous Kill (USA 2008)            
Regie: Jon Avnet
Darsteller: Robert De Niro, Al Pacino, Donny Wahlberg, 50cent, Carla Gugino
Genre: Thriller
Dauer: 97 Minuten
Bildformat: 1,85:1 (16:9 anamorph)
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Trailer, Featuretten zur Premiere und Polizeiarbeit (The Thin Blue Line), Making Of (The Investigation), TV-Spots, Fotogalerie
CH-Verleih: Impuls

Im Netz
Trailer

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