“Anacondas – Trail of Blood” von Don E. FaintLeRoy

Gerade noch mal so durchgeschlängelt

“Anacondas – Trail of Blood” von Don E. FaintLeRoy

Es gibt das ungeschriebene Gesetz, das eine Fortsetzung schlechter ist, als der Vorgänger – dies scheint auf jeden Fall auf gefühlte 99.9% aller Sequels zuzutreffen. Wenn dann gar eine mehr schlechte als rechte Tierhorrorreihe in die vierte Runde geht, dann scheint die Katastrophe vorprogrammiert. Und wahrlich ist “Anacondas – Trail of Blood”, der vierte Teil der “Anaconda”-Reihe ein grottenschlechtes Filmchen. Aber irgendwie ist der Film so schlecht, dass er schon fast wieder gut ist.

Von Alexander Sigrist.

Anacondas 1Ein Wald irgendwo im Undefinierten: ein Wissenschaftler, der wie ein Laienschauspieler aussieht, züchtet im Namen eines alternden, aber reichen Mannes eine Riesenschlange, mittels einer Orchidee – denn irgendwie, wie genau wissen wohl nur die Filmemacher, ergeben Schlange plus Orchidee ein Serum, dass unsterblich macht. Blöd nur, dass die Schlange Hunger hat und den Wissenschaftler aufisst. Deshalb schickt der alte, aber reiche Mann ein Gruppe von Laienschauspielern los, die sich als gefährliche Profikiller verkleidet haben, um das Serum zu holen. Zur gleichen Zeit treibt sich die Wissenschaftlerin Amanda im Wald herum, die schon im dritten Teil ihr blondes Haar in die Kamera gehalten hat; sie trifft auf den Wanderer Alex, der gerade auch zufällig im Wald war und zusammen machen sie sich auf, die Schlange zu töten und das Serum zu töten. Und weil es so schön ist, treffen noch mehr Laiendarsteller zufällig im Wald ein: nämlich eine Archäologentruppe, die eine andere Archäologentruppe sucht – eine ganze Menge an Leckerli für die Schlange also.

Eine kleine Geschichtslektion: es war im Jahre 1997 nach Christus als ein kleiner und vor allem recht mittelmässiger Film auf den Markt kam. Im Film ging es darum, wie eine Gruppe Abenteurer eine mystische Schlange sucht und just in den Fängen des Viehes landet – doch trotz der Mittelmässigkeit, die der Film bot, konnte er eine treue Fangemeinschaft für sich gewinnen. Kein Wunder also, dass 7 Jahre später eine Fortsetzung gedreht wurde. Frei nach dem “Aliens”-Prinzip wurde einfach ein Plural -s an das Ende des ersten Teils gesetzt und die Zahl der Schlangen von 1 auf viele erhöht. Und weil es so schön war, wurden die Fans 2008 von einem dritten Teil beglückt, welcher dann gleich noch den altbekannten Aspekt der gefährlichen Wissenschaft hinzufügte. Und weil man ja nicht aufhören sollte, wenn es am Schönsten ist, wird nun ein vierter Teil nachgereicht. Der hat zwar trotz des Plural-s aus Teil 2 nicht viele Schlangen zu bieten, dafür ist die Schlange nochmals ein Stückchen grösser, gefrässiger und kann sich mittels einem schlechten Computereffekts regenerieren.

Schlecht und das ist gut so?

“Anacondas – Trail of Blood” gewinnt auf keiner Ebene einen Blumentopf. Ja, das Machwerk gewinnt noch nicht einmal das Foto eines Blumentopf. Nicht einmal das Foto eines Fotos eines Blumentopfs. Die Story ist nämlich reichlich dämlich, verzichtet auf jegliche Erklärung, Personen tauchen einfach mal auf, unlogische Handlungen werden gezeigt und die Dialoge sind oftmals auf “Warum liegt denn hier Stroh rum”-Niveau. Beispiel gefällig: Alex kommt schwer schnaufend aus dem Dickicht und trifft auf Amanda. Er meint: “Ich habe etwas Grosses gesehen.” Darauf sie: “Hast du es gesehen oder gehört?” und er: “Beides.” Danke, liebe Macher, für diese Perle an Sinnlosigkeit und überflüssigen Worten.

Aber auch der Rest des Films besitzt das Prickeln eines abgestandenen Sektes: die Action sieht wenig dynamisch aus, das Reptil wirkt so echt wie falsches Schlangenleder, die Schauspieler sehen Kollegen aus dem Gartenbauverein ähnlich und der allgemeine Look hat die Ausleuchtung eines Amateur-Pornos. Und trotz all dieser Kritikpunkte, man muss es zugeben, kann man sich während der 85 Minuten, die der Film dauert, prächtig amüsieren. Fast alle Szenen sind komisch, ob nun unfreiwillig oder absichtlich, eben genau weil der Film so schlecht ist. Ständig gibt es etwas zu bemerken, dass witzig ist, sei es die unsinnigen Handlungen der Charaktere, die schlechten Effekte oder die nicht vorhandene Story.

“Anacondas – Trail of Blood” ist also einer dieser Filme, welche man sich am Besten mit einem Haufen Kollegen und mindestens der dreifachen Menge an Bierflaschen ansieht. Hirn raus, dumme-Sprüche-Modus rein und man wird keine Sekunde des Filmchens bereuen. Ob das nun Absicht der Macher war, oder nicht, ist nur zweitranging – Spass machts auf jeden Fall.

Ausstattung

B-Movie-typisch gibt es auf der Disk bis auf einige Trailer nichts zu entdecken.


Seit dem 16. Juli 2009 im Handel.

Originaltitel: Anacondas – Trail of Blood (USA, Rumänien 2009)
Regie: Don E. FaintLeRoy
Darsteller: Crystal Allen, Calin Stanciu, Linden Ashby, Danny Midwinter, Ana Ularu
Genre: Trash
Dauer: 85 Minuten
Bildformat: 1,85:1 (16:9 anamorph)
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Trailer
Vertrieb: Max Vision

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