Marivaux “Das Spiel von Liebe und Zufall” (Förnbacher Theater Company)

Die Zähmung der Komödie

Pierre Carlet de Chamblain de Marivaux “Das Spiel von Liebe und Zufall” | Helmut Förnbacher Theater Company, Basel | 15.9.2009

Anja Becher und Andy Haueter - Foto|Copyright: Ruedi Gygax
Anja Becher und Andy Haueter - Foto|Copyright: Ruedi Gygax

Mit einer feinfühligen Inszenierung der meistgespielten Komödie des französischen Bühnenautors und Landsmannes Molières, Marivaux, startet die Company in ihre 30. (!) Saison.

Von Béla Riethausen.

In den Komödien des Theaterautors, seinen psychologischen Stücken, geht es immer um Ausnahmesituationen, um Experimente und manchmal ganz sonderbare Konstellationen von Liebenden, die nicht voneinander und von den Gefühlen zueinander ahnen und natürlich um die “amour naissant”, um die erste, aufkeimende Liebe. Und genau das zeichnet sein erfolgreichstes und meistgespieltes Stück “Das Spiel von Liebe und Zufall” aus, welches Wolfgang Amadeus Mozart und Lorenzo da Ponte als Vorlage für die Oper “Cosi fan tutte” diente.

Spiel im Spiel
Silvia (leidenschaftlich, ausdrucksstark und emanzipiert: Anja Becher) und Dorante (als liebenswerter, strahlender Adelsspross: Andy Haueter) sollen auf Wunsch ihrer Familien miteinander vermählt werden. Da die beiden sich noch nie gesehen haben, greifen sie zu einer List: Sie tauschen ihre Rollen mit denen ihrer Bediensteten Lisette (pfiffig verliebt: Tanja Horisberger) und Arlequin (unbeholfen am Anfang und dann herrlich anmassend: David Köhne). Eingeweiht ist nicht nur das Publikum, sondern sind auch Silvias Vater Monsieur Orgon (als gönnerhafter Papa grandios: Lothar Hohmann) und ihr Bruder Mario (unverhohlen intrigant: Matthias Zelazko), die dem Spiel amüsiert zuschauen.

Gezähmte commedia dell`arte
Verena Buss, die das Stück für ihre Inszenierung neu übersetzt hat, verzichtet auf stümperhaftes Stolpern, Niesen und wilden Trinkereien auf der Bühne. Es gibt keine Prügelszenen, keine derben Scherze auf Kosten der Figuren.

Ganz im Sinne von Cleantes Ausruf im “Tartuffe” des berühmte(re)n Landsmannes Molière, wird hier die Komödie gezähmt. “Arrêtez. Et ne descendez point à des indignités”, spricht der edle Cleantes. Und dieser Satz bedeutet: “Halten Sie ein. Und lassen sie sich nicht zu einem unwürdigen Verhalten herab.” Hier darf mitgelacht, aber nicht verlacht werden.

Das Stück im Stile der “Commedia dell`arte” ist gezähmt. Einzig die Figuren und ihre Konstellationen erinnern noch an sie. Den vollen Esprit schneller Wortwechsel lässt die Inszenierung allerdings bei aller Zähmung vermissen. Bis das Intrigenspiel – das Spiel im Spiel – anläuft, seine witzigen Höhepunkte erreicht, wird man eher vom Gefühl beschlichen, hier wird mehr gefüllt als gefühlt, doch dann gewinnt die Inszenierung an Fahrt, bis zum erlösenden Happyend, der Doppelhochzeit. Das ist aber nur ein kleiner Wermutstropfen, denn er wird zu Gunsten einer feinfühligen Inszenierung aufgegeben, die die heimlichen und verborgenen Seelenregungen des Menschen in den Vordergrund stellt.

Hier hat die Komödie ihren Zivilisationsprozess durchlaufen. Und das ist eine Wohltat.


Besprechung der Aufführung am 15. September 2009.

Weitere Vorstellungen am 29. Oktober, 7. November, 12. November, 15. November und am 21. November jeweils ab 20.00 Uhr in der Förnbacher Theater Company im Badischen Bahnhof (am Sonntag, 15. November, bereits ab 18.00 Uhr).  Weitere Aufführungen im Dezember

Dauer: 150 Minuten (mit einer Pause)

Besetzung
Anja Becher, Andy Haueter, Lothar Hohmann, Tanja Horisberger, David Köhne und Matthias Zelazko

Regie: Verena Buss


Im Netz
www.foernbacher.ch


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