Jordi Galcerán “Die Grönholm-Methode” (Förnbacher Theater Company)

Die Grausamkeit in der Arbeitswelt

Jordi Galcerán “Die Grönholm-Methode”| Die Helmut Förnbacher Theater Company, Basel | 17.9.2009

Lothar Hohmann, Helmut Förnbacher, Kristina Nel, Andy Haueter - Foto|Copyright: Sandra Förnbacher
Lothar Hohmann, Helmut Förnbacher, Kristina Nel, Andy Haueter - Foto|Copyright: Sandra Förnbacher

Mit einer gelungenen, spannungsgeladenen und sehr dichten Inszenierung des hochaktuellen und brisanten Vier-Personen-Stücks des spanischen Autors Jordi Galcerán feiert die Förnbacher Theater Company ihre 2. Saisonpremiere.

Von Béla Riethausen.

Viel wird dieser Tage über die Manager geschrieben: Sie seien raffgierig, ohne Moral und Ethik und agierten vor allen Dingen verantwortungslos. Das Theaterstück des jungen spanischen Autors wechselt die Perspektive und zeigt eine Methode, die von einem schwedischen Psychologen Namens Grönholm entwickelt wurde, um die so gescholtenen Führungskräfte auszuwählen, indem sie in ziemlich lächerlichen Rollenspielen steigendem psychologischen Druck ausgesetzt werden.

Perfides Psychospiel
Vier Bewerber, eine Frau – in der Rolle als beherrschtes Karrierevamp grossartig: Kristina Nel – und drei Männer, um einen gut dotierten Managerposten eines multinationalen Konzerns, treffen in einer Art Assessment-Center aufeinander, welches sich sehr schnell zum perfiden Psychospiel entwickelt. Und es wird gleich klar: Man will nicht den Gutmenschen, sondern den “Wolf im Schafspelz”, nicht das “Schaf im Wolfspelz”. Denn schon die erste Aufgabe sät Misstrauen: Die vier Bewerber müssen herausfinden, wer von ihnen gar kein richtiger Bewerber ist, sondern ein Vertreter der Personalabteilung. Ein Spion, ein Agent in Undercovermission im Auftrag der Firma.

Selbst das Privatleben der Bewerber wird im Verlauf des Assessment-Centers nicht ausgespart. So kommt heraus, dass einer von ihnen Eheprobleme und Millionen in den Sand gesetzt hat – Helmut Förnbacher spielt dabei den jovialen, biederen, ganz umgänglich scheinenden Alexander von Aarburg hervorragend. Ein anderer will gar eine Geschlechtsumwandlung an sich vornehmen lassen – hier gerät das Spiel allerdings etwas an den Rand des Unrealistischen. Lothar Hohmann in der Rolle des Menschen, der im falschen Körper steckt, versteht es jedoch die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Sein Carl Brueckner ist als Medienmachtmensch mit weichem Kern sehr nuanciert gezeichnet.

Mit jeder gestellten Aufgabe wächst der Druck auf die Bewerber. Wer hält diesen Psychokrieg am längsten durch? Wer gibt auf? Wie weit ist jemand bereit zu gehen, um den begehrten Posten zu ergattern?

Beängstigende Komik
Unter der Regie von Helmut Förnbacher entwickelt sich dieses Psychospiel mit beängstigender Komik zu einem ausgemachten Psychokrieg. Die kammerspielartige Anlage der Inszenierung macht diesen Krieg umso beklemmender. Mit jeder gestellten Aufgabe wird nämlich das Spiel perfider und erniedrigender.

Es kann eben nur einen geben! Und alle vier Schauspieler meistern souverän die Finessen bei diesem Spiel im Spiel. Zum Schluss bleibt tatsächlich nur einer übrig – als Sieger, wie er glaubt und wie das Publikum meint. Doch da nimmt das Stück eine überraschende Wendung.

Die Menschenwürde bleibt bei allem auf der Strecke. So empfindet man am Ende sogar Mitleid mit dem allzu kaltschnäuzigen und coolen Fernando Porta, dem “Wolf im Schafspelz” – in dieser Rolle brillant: Andy Haueter.

Kein Wunder, dass dieses aktuelle Stück, das “von der Grausamkeit in der Arbeitswelt handelt”, wie es der Autor zusammenfasste, so viele Erfolge feiert. In der dichten Inszenierung von Helmut Förnbacher, die bis zum Schluss die Spannung bis zum überraschenden Ende steigern kann, wird es das in Basel. Ganz sicher!
Dauer: 150 Minuten (mit einer Pause)

Besprechung der Premiere am 17. September 2009.

Weitere Vorstellungen am 3., 9., 22. und 28. Oktober, jeweils ab 20.00 Uhr in der Helmut Förnbacher Theater Company am Badischen Bahnhof . Weitere Vorstellungen im November.

Besetzung
Helmut Förnbacher, Andy Haueter, Lothar Hohmann und Kristina Nel

Regie: Helmut Förnbacher

Im Netz
www.foernbacher.ch

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