“C’est la vie – So sind wir, so ist das Leben” von Rémi Bezancon

So wie es das Leben schreibt

“C’est la vie – So sind wir, so ist das Leben” von Rémi Bezancon

Cest la vie 1

Der Publikumsliebling “C’est la vie” aus Frankreich wurde mit drei Césars ausgezeichnet. Zurecht. Die Komödie von Rémi Bezancon ist wunderbar unterhaltsam, gleichermassen komisch und berührend. So wie das Leben.

Von Susanna Valentin.

Bezancon begleitet in seinem Film eine mittelständische Durchschnittsfamilie in fünf Episoden durch verschiedene Abschnitte ihres Lebens, auf solch feinfühlige Art und Weise, dass wohl eine breite Masse von Zuschauern sich und die eigene Familie mindestens in feinen Details wiedererkennt. Marie-Jeanne und Robert leben mit ihren drei Kindern Albert, Raphael und Fleur leben zusammen ein durchschnittliches Familienleben. Fünf unterschiedliche Personen, welche das Band der Familie aneinander bindet. Klar, dass diese Geschichte Höhen, Tiefen und einige Wendepunkte bereit hält.

Alltag einer Familie

Mit einem solchen beginnt die Erzählung denn auch: Albert, der Älteste, tauscht sein Zimmer im Elternhaus gegen eine kleine Absteige über der Wohnung seines Grossvaters. Damit läutet er eine neue Ära in der Familie ein. Raphi verspricht sich mehr Ruhe, Fleur spekuliert auf ein geräumigeres Zimmer, Vater Robert nimmt das Erwachsenwerden seines Sohnes gelassen, nur Mutter Marie-Jeanne sieht der Wende im Familienleben melancholisch entgegen. Fortan kommt es immer wieder zu Veränderungen. Raphael kommt nicht richtig damit zurecht, selbständiger werden zu müssen und Fleur durchlebt alle Aspekte der Pubertät.

Durch das Erwachsenwerden ihrer Kinder sieht sich auch Marie-Andre genötigt, ihrem Leben wieder mehr Individualität zuzusprechen und entschliesst sich, ihr Studium an der Universität wieder aufzunehmen. Ihr Mann Robert fährt weiterhin Taxi und streitet sich immer wieder mit seinem Vater, der sich mit Robert’s Söhnen besser zu verstehen scheint als mit seinem eigenen. Die fünf Menschen finden sich, verlieren sich und raufen sich immer wieder von neuem zusammen, weil sie all diese Erlebnisse zusammenhält. So ist das mit der Familie.

Einzigartiges Porträt

Rémi Bezancon hat mit “C’est la vie” einen ebenso witzigen als auch berührenden Film geschaffen. Dies deshalb, weil die gezeigte Handlung, das Porträt der Familie so alltäglich ist. Er beschreibt das Ganze jedoch auf solch einfühlsame und nachvollziehbare Weise, dass man in den Film eintauchen und all die emotionalen Momente sehr genau miterleben kann. Da der Film die Familiengemeinschaft über mehrere Dekaden hinweg porträtiert, macht sich das Gefühl breit, die Persönlichkeiten gut zu kennen. Man wird sozusagen mit ihnen älter.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Im Älterwerden lernen sich alle selbst und einander besser kennen, hadern mit neuen Situationen und finden immer wieder ihre neue Rolle in der Familie. Ebenso lebt der Film von den gemeinsamen Erlebnissen, keine besonderen, sind es doch solche, die jedem passieren können und doch eine starke Vertrautheit ausmachen. Bezancon arbeitet stark mit feinen Einschüben und Rückblenden, welche eben dieses Gefühl wunderbar heraufbeschwören. Zudem wird alles mit der Musik von David Bowie, Lou Reed und französischen Chansonniers untermalt: Eine Mischung, die aufgeht.

Schliesslich ist “C’est la vie” kein Film über eine einzigartige mittelständische Familie. Dennoch macht ihn die gekonnte Umsetzung von Rémi Bezancon einzigartig und absolut sehenswert.

Ausstattung

Im Bonusmateral finden sich Interviews mit den Protagonisten, ein Audiokommentar von Rémi Bezancon und Pio Marmai, sowie der offizielle Kinotrailer.


Seit dem 4. September 2009 im Handel.

Originaltitel: Le premier jour du reste de ta vie (Frankreich 2008)
Regie: Rémi Bezancon
Darsteller: Zabou Breitman, Jaques Gamblin, Déborah François
Dauer: 108 Minuten
Bildformat:2,35:1 (anamorph)
Sprachen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Audio: 5.1 Dolby Digital
Bonusmaterial: Trailer, Interviews, Audiokommentar
Vertrieb: Impuls

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Offizielle Deutsche Seite und Trailer

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