„Nur ein Sommer“ von Tamara Staudt

Auf ’ner schönen, grünen Wiese

„Nur ein Sommer“ von Tamara Staudt

Nur ein Sommer 1

Grossstadt-Deutsche trifft Schweizer Bauer im Postkartenpanorama der Berge. Zwischen Hartkäse, Kuhmist und diversen Weinflaschen entspinnt sich eine zunächst kleine, dafür im Endeffekt umso grössere Liebesgeschichte – zartschmelzend und luftig wie Schweizer Schokolade, erzählt in schönen Bildern.

Von Annika Janssen.

Eva, waschechte Berliner Blondine mit Kodderschnauze, ist 35 und hat die Nase voll von der Arbeitslosigkeit. Umschulungen, diverse kurzfristige Jobs, zahllose Gänge zum Arbeitsamt und viele, viele Vorstellungsgespräche haben leider nichts gebracht. Dann aber wird ihr überraschend eine Saisonarbeit in dem Beruf vermittelt, den sie eigentlich mal gelernt hatte: Eva ist Melkerin. Und fährt aus der grossen, grauen Stadt für einen Sommer ins steinige Grün der Schweizer Berge, um dort gemeinsam mit dem Senner Daniel drei Monate lang zu erledigen, was anfällt: nicht nur Kühe sollen gemolken, sondern auch Käse will gemacht und Ställe wollen ausgemistet werden. Nach anfänglichem Beschnuppern kommen sich Daniel und Eva in der Einsamkeit der Berghütte nicht nur menschlich immer näher – dumm nur, dass Evas Freund aus Berlin sie – Überraschung! – spontan besuchen kommt und auch Mehmet, der Gehilfe des Bauern von nebenan, ein Auge auf die hübsche Blonde aus Dütschland geworfen hat.

Gucken, gut fühlen, vergessen

…und natürlich kriegen sie sich doch. Die Story von „Nur ein Sommer“ ist trotz einer kleinen eingestreuten Kurve gegen Ende so geradlinig und vorhersehbar wie eine Autobahn. Originell ist anders, und auch der Spannungsbogen könnte durchaus weiter ausfallen, plätschert der Film doch über weite Strecken dahin wie ein – ja, das muss jetzt sein – Gebirgsbach. Wer eine rasante, mit Irrungen und Wirrungen gespickte Liebesgeschichte mit natürlich spektakulärem Happy End erwartet, wird hier leider enttäuscht. Der Film ist vielmehr wie ein netter Unterhaltungsroman, der unbeirrt auf sein Ende zustrebt, das nach zehn Seiten schon bekannt ist.

Aber: was den Film auszeichnet, sind zum einen die von Tamara Staudt wunderschön eingefangenen kleinen Eigenarten der Schweizer Bergbauern und zumindest ansatzweise die kleinen Problemchen der Deutschen und Schweizer untereinander (hier hätte aber noch wesentlich mehr Potential für gepfefferte Dialoge und Szenen dringesteckt!); ausserdem das Postkartenpanorama der Schweizer Berglandschaft und ihrer ruhigen Beschaulichkeit. Die Lebenswelt der „da oben“ wird sehr gut in Szene gesetzt.

Nur ein Sommer 2
© Studio / Produzent

Die Dialoge und die Leistung der Darsteller sind alles in allem akzeptabel bis gut; Meisterleistungen werden hier weder schauspielerisch noch rhetorisch abgeliefert, aber das braucht „Nur ein Sommer“ auch nicht. Der Film ist eine leichte, in der Machart erfrischende Unterhaltung für den berühmten schönen Abend, ob alleine oder mit mehreren. Mundart-Kenntnisse sind von Vorteil, denn der Dialekt der Käsebauern ist zumindest teilweise schwer zu verstehen.

Fazit: kein Pflichtprogramm, für Freunde romantischer, ruhiger Liebeskomödien ohne viel Drama und Tiefgang und für Freunde des Schweizer Films im Allgemeinen aber durchaus geeignet. Der Publikumspreis, den der Film beim Festival des Deutschen Films 2008 abräumte, geht jedenfalls in Ordnung.

Ausstattung

Als Bonus gibt’s lediglich ein ‚Making Of‘ und Trailer. Lau bis sehr lau.


Seit dem 12. September 2009 im Handel.

Originaltitel: Nur ein Sommer (Schweiz/Deutschland 2008)
Regie: Tamara Staudt
Darsteller: Anna Loos, Stefan Gubser u.a.
Genre: Komödie, Romanze
Dauer: 93 Minuten
Bildformat: 16:9
Sprachen: Schweizerdeutsch/Mundart/Deutsch
Untertitel: –
Audio: Dolby Digital
Bonusmaterial: Trailer, Making Of
Vertrieb: Praesens Film AG

Im Netz
Trailer
Offizielle Seite zum Film


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