O’Neil Bürgi über seinen Dok-Film “Dancing With The Storms”

“Bei jedem Gewitter denke ich an meinen Film”

O’Neil Bürgi über seinen Dok-Film “Dancing With The Storms”

In seinem ersten fürs Kino gedrehte Film setzt sich O’Neil Bürgi mit Menschen auseinander, die in ihrer Freizeit Stürme jagen. nahaufnahmen.ch hat sich mit dem Thurgauer Filmemacher über seine Doku-Produktion unterhalten.

Von Stephan Sigg.

© O'Neil Bürgi
© O'Neil Bürgi

© O’Neil Bürgi

nahaufnahmen.ch: Das Thema Stürme wurde ja schon 1996 im Katastrophenfilm “Twister” mit eindrücklichen Aufnahmen auf die Kinoleinwände gebracht. Was waren deine Motive, dich dieser Thematik zu widmen?

O’Neil Bürgi: “Twister” hat bei mir tatsächlich die Neugierde am Thema geweckt. Damals hatte ich natürlich nicht gleich im Sinn, einen Film darüber zu machen. Aber vor ein paar Jahren habe ich im Fernsehen einen Beitrag über den Schweizer Sturmjäger Christian Matthys gesehen. Ich fand das spannend und wollte mehr über ihn und andere Schweizer Sturmjäger herausfinden. Viele wissen gar nicht, dass es auch in der Schweiz eine sehr engagierte Gruppe von Sturmjägern gibt.

Du hast die Sturmjäger begleitet und dich mit ihnen ins Auge von mehreren Stürmen begeben – kommt man das als Kameramann nicht ans psychische und physische Limit?

“Die Sturmjäger waren ja keine Anfänger, sie wissen, was sie machen. Deshalb habe ich ihnen auch ganz vertraut. Anstrengend war aber, dass man im Gegensatz zu anderen Produktionen nie wusste, was einem erwartet. Manchmal war ich stundenlang mit ihnen unterwegs und konnte kein verwendbares Material filmen, weil es einfach keinen Sturm gab. Aber  das macht eben gerade den Reiz aus: Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und weiss nie, wann die grosse Action losgeht – da war ich mit den Sturmjägern sozusagen im selben Boot.”

Auf der Suche nach dem krassesten Foto von einem Sturm – sind diese Sturmjäger nicht einfach verrückte Leute, die ihr Leben auf Spiel setzen?

Es gibt Menschen, die sind vernarrt in Fussball oder Musik, die Sturmjäger sind nun mal angefressen von Sturmphänomenen  – das ist alles Ansichtssache. Aber es ist ja nicht so, dass sie tollkühn ihr Leben riskieren. Sturmjäger arbeiten wie Wissenschaftler und sammeln meteorologische Daten, die akribisch ausgewertet werden. In den USA leistet die Arbeit der Sturmjäger schon lange einen wichtigen Beitrag für die Wettervorhersagen und die Veröffentlichungen von Sturmwarnungen.

Dann ist dein Film ein Plädoyer für mehr Akzeptanz von Sturmjägern?

Das wäre ein angenehmer Nebeneffekt. Mein erstes Ziel war es, eine Charakterstudie zu machen und die Leidenschaft und Motive der Sturmjäger näher zu porträtieren. Wie mein Film zeigt sind diese sehr vielseitig. “Dancing With The Storms” ist in dem Sinn nicht ein Action-Film, in dem möglichst krasse Bilder zu sehen sind. Es werden schon viele beeindruckende Naturaufnahmen gezeigt, aber im Zentrum steht trotzdem die Auseinandersetzung mit den Protagonisten.

Hat sich dein Bezug zu Sturm und Unwetter durch den Film verändert?

Bei jedem Gewitter muss ich sofort an die Dreharbeiten und meinen  Film denken. Das geht den Zusehern übrigens genauso, wie mir manche erzählt haben. Ich sehe mir die Gewitter nun aufmerksamer an. Durch den Film ist mir neu bewusst geworden, welche fantastische Light-Show Mutter Natur uns da beschert – und das total gratis.

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