“The Lucky Ones” von Neil Burger

“No, thank YOU!”

“The Lucky Ones” von Neil Burger

The lucky ones 1

Drei Soldaten kehren aus dem Irak zurück und fahren einmal quer durch die USA. Ob die Heimkehrer Glückspilze oder Pechvögel sind, ob es sich hier um ein Drama oder um eine Komödie handelt, ob es um Amerika oder den Irakkrieg geht, bleibt dabei offen.

Von Sandra Despont.

Die gleichzeitig verruchte und unschuldige, schüchterne und draufgängerische Colee (souverän gespielt von Rachel McAdams), Familienvater Fred Cheaver (Tim Robbins) und T.K. (Michael Peña), ein junger Mann aus einer Soldatenfamilie mit einem eher…ehm…intimen Problem, müssen nach einem Stromausfall (der übrigens zur Überraschung der drei nicht durch eine neuerliche terroristische Attacke auf die USA verursacht wurde) ihren Weg von New York nach Las Vegas im Auto zurücklegen. Dabei müssen sie sich auch den Problemen stellen, die überhaupt nichts damit zu tun haben, dass sie alle soeben knapp mit dem Leben davongekommen sind.

Von einem Plumpsklo gerettet
“The Lucky Ones” ist ein Roadmovie, in dem es mehr um die Befindlichkeit Amerikas als um den Irakkrieg geht. Dank der formelhaften Dankesgeste gegenüber den Kriegsheimkehrern bleibt der Krieg aber immer präsent. Kaum eine Begegnung der Soldaten mit den Daheimgebliebenen kommt aus, ohne dass diese sich mit den Worten “No, thank YOU” für etwas bedanken, von dem die wenigsten eine Ahnung haben. Auch als Zuschauer bekommt man nur eine vage Ahnung davon, was die drei Soldaten im Irak erlebt haben. Tatsache ist, dass sie zu den Glückspilzen gehören, weil sie alle einigermassen heil zurückgekehrt sind. Colee Dunn hat zwar eine Kugel ins Bein abgekriegt, T.K. wurde von einem Shrapnell in der Nähe seines besten Stücks getroffen, das nun den Dienst zumindest vorübergehend verweigert, und Fred Cheaver hatte das Glück, dass ihm ein herunterfallendes Plumpsklo drei Rückenwirbel kaputtgemacht und ihm damit einen Heimaturlaub für die Ewigkeit beschert hat, kurz bevor seine gesamte Einheit fast vollständig aufgerieben wurde.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Doch obwohl ihnen eifrig gedankt wird, obwohl sie dank ihrer Tätigkeit in der Armee ein Mietauto bekommen und zur Geburtstagsparty eines schwerreichen Mannes eingeladen werden, sind die drei keine Sonntagskinder. Fred Cheavers Familie hat sich in dessen Abwesenheit grundlegend verändert, T.K.s Verlobte wird über das schlaffe Stück Penis ihres Freundes wenig begeistert sein und Colee hat erst einmal die Mission, die Gitarre ihres gefallenen Freundes zu dessen Familie zu bringen. So begeben sie sich auf die Reise durch Amerika. Ihre Reise sollte sie bloss nach Hause führen. Doch bald sind die Ziele ganz andere: Fred braucht 20’000 Dollar für das College seines Sohnes und einen Grund zum Weiterleben nach dem Zerbrechen seiner Ehe, Colee sucht verzweifelt nach einer Familie und Geborgenheit und T.K., tja, T.K.s gestählter Führerpersönlichkeit scheint mit zu erschlaffen, je länger das Körperteil, von dem offenbar seine Beziehung abhängt, sich nicht von der Vertikalen wegbewegt.

Hoffnungsschimmer mit Hollywoodlack
“The Lucky Ones” ist eigentlich eine gelungene Mischung von Drama und Komödie. Irakkrieg einmal anders oder eher: ein Film mit dem Krieg im Hintergrund, bei dem kein weinerlicher Ton angeschlagen wird. Das bringt aber auch die Gefahr der Verharmlosung mit sich. Der Krieg scheint etwas zu sein, das sich auch für die drei Heimkehrer weit, weit weg abspielt, das sich vergessen lässt, sobald man heimischen Boden betreten hat. Es gibt zwar einige Hinweise, dass dem nicht so ist, doch obwohl man durchaus bereit ist, an die Fähigkeit zum Glück der Soldaten zu glauben, nimmt man die Leichtigkeit dieser Charaktere doch nicht so ohne Weiteres hin. Es bleibt der Eindruck, dass sich “The Lucky Ones” an der Oberfläche bewegt und dabei das Eintauchen in die darunter liegenden Tiefen nur gerade so und nur wegen der Überfrachtung mit drei menschlichen Schicksalen, die jedes für sich einen Film wert wären, verhindern kann. Für die US-Amerikaner mag dieser betont komödiantische Film eine Erleichterung sein, ein Hoffnungsschimmer, der die Wirklichkeit nicht vollständig negiert, sie aber doch mit ein bisschen Hollywoodlack überzieht, wo eigentlich das nackte Grausen herrschen könnte. “The Lucky Ones” ist so gesehen sicherlich eine Bereicherung im Panorama der (Anti-)(Iraks-) Kriegsfilme. Trotzdem bleibt das Gefühl zurück, dass uns Neil Burger etwas vorenthält und dass er den drei eigenständigen Figuren in diesen 108 Minuten nicht ganz gerecht werden kann.

Nach dem Genitiv sterben nun alle Fälle
Die Extras sind nicht der Rede wert. “Hinter den Kulissen” ist zwar leidlich informativ, steht aber ziemlich allein auf weiter Flur. Immerhin erfährt man, wie mühsam Szenen im Autoinnern zu drehen sind (und davon gibt es in Roadmovies zwangsweise reichlich), wie in “The Lucky Ones” das Problem gelöst wurde, dass kein Mensch gleichzeitig vernünftig Autofahren und gut schauspielern kann, und wo der Regisseur in einem 5-plätzigen Wagen voller Kameras versteckt wird, sollte er denn darauf bestehen, seinen Schauspielern Regieanweisungen zu geben (und Neil Burger bestand darauf).

Als Abschluss soll hier noch eine längst fällige, und durchaus verallgemeinerbare Schelte für die Gestalter der DVD-Covers stehen. Allzu oft sind die Covertexte hanebüchen bis fahrlässig und daran, dass man diese offenbar als Schreibübungen für 6.-Klässler missbraucht und dann ohne Überprüfung auf DVDs druckt, die dann zum Teil millionenfach in den Handel kommen, hat man sich fast schon gewöhnt. Dass sich niemand, wirklich niemand die Covers der DVDs genauer ansieht, bevor man sie massenhaft in den Umlauf bringt, ist auch die einzige Erklärung dafür, dass wir auf der deutschen Version des Covers von “The Lucky Ones” “From the Director of The Illusionist” als “Von der Regisseur von The Illusionist” übersetzt finden. Tja, deutsche Sprache schwere Sprache. Trotzdem irgendwie schade. Und wem der Fehler nicht ins Auge gesprungen ist und wem sich nicht der Magen zusammengezogen hat, der darf sich wohl getrost zum DVD-Cover-Gestalter berufen fühlen. Viel Spass dabei.


Seit dem 17. September 2009 im Handel.

Originaltitel: The Lucky Ones (USA 2008)Regie: Neil Burger
Darsteller: Rachel McAdams, Tim Robbins, Michael Peña
Genre: Komödie, Drama
Dauer: 108 Minuten
Bildformat: 16:9
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Audio: Dolby Digital
Bonusmaterial: Hinter den Kulissen
Vertrieb: Impuls

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