“Aussenseiter Häuser“ am Theater am Gleis, Winterthur (Interview)

Tief aus dem Inneren

“Aussenseiter Häuser“ am Theater am Gleis, Winterthur (Interview)

Bild|Copyright: Rahel Klauser
Bild|Copyright: Rahel Klauser

Florian Toberer gibt mit “Aussenseiter Häuser” in Winterthur sein Debüt. Und spielt auch gleich selber mit. Entstanden ist ein eindrückliches, beklemmendes Maskentheater, das mit ausdrucksstarken Schauspielern und passender Musik überzeugt. Florian Toberer erklärt, wie das Stück entstanden und was zentral dabei ist.

Von Rahel Klauser.

Woher kam die Inspiration für Aussenseiter Häuser?
Die Inspiration dafür stammt von meiner Ausbildung. Ich war ein Jahr in Zürich an der comart und danach zwei Jahre in Brüssel an der “École Internationale de Théâtre Lassaad“, wo sehr viel mit Masken gearbeitet wird. Lassaad Saidi arbeitet mit der Pädagogik Jacques Lecoqs, mit dem er mehr als 10 Jahre intensiv zusammengearbeitet hat. Ich selber schätze diese Arbeit sehr, Masken ermöglichen ein “Reinschlüpfen“ in etwas. Das ermöglicht einen anderen Ausdruck als das Spielen mit dem eigenen Gesicht.

Ihr habt versucht, die Schweizer Holzmaskentradition auf die Bühne zu bringen. Wie kamst Du darauf?
Ich wollte etwas Eigenes machen. Es war mir ein Anliegen, die Holzmasken ins Theater zu bringen, deshalb haben wir recherchiert, was es um diese herum alles gibt:  Das Zentrale daran ist die Tradition, es handelt sich nicht in erster Linie um Kunst. Das Wofür ist entscheidend und sehr existentiell.

Bild|Copyright: Florian Toberer
Bild|Copyright: Florian Toberer

Und wie entstand schlussendlich das Stück?
Der Hauptinput dafür kam von mir. Wir haben uns drei Wochen ins Wallis zurückgezogen, eine sehr intensive Zeit. Dort haben wir die Figuren erarbeitet und sehr viel physisch gearbeitet. Vieles ist nach und nach dazu entstanden. Von der Idee bis zur Aufführung ist ein Jahr vergangen.

Du spielst selber eine kleine Rolle, als Pfarrer. War das von Anfang an geplant?
Ja, ich wollte von Anfang an auch selber spielen. Eigentlich ist es die Geschichte der drei anderen, von Aussenseiter Häuser, dem Gemeindepräsidenten und Moni, seine Tochter. In meiner Rolle als Pfarrer bin ich im Stück gewissermassen der “Kontrolleur“, die moralische Instanz. Das passt auch zu meiner sonstigen Rolle in diesem Theater.

Verfolgst Du mit dem Theater eine zentrale Aussage?
Es ging uns nicht darum, ein Ritual nachzuspielen, sondern darum, die Umstände, unter denen die alten Holzmasken entstanden sind, mit unseren eigenen Masken zu konfrontieren. Die Sprache entsteht aus dem Körper. Die Schauspieler haben ihren eigenen Zugang zur Figur. Durch die Maske können sie fast nichts sehen. Relevant sind deshalb die Zustände, die jeweiligen Stimmungen. So kann je nachdem auch wieder etwas anderes entstehen.

Verrätst Du uns etwas? Wir haben alle über das rote Holzschwein gerätselt – was hat es damit auf sich?
Lacht. Das Schwein steht stellvertretend für ein Ritual. Es symbolisiert Ursprung, Urtum. Die Sau ist Häuser‘s Ding, er stellt sie auf, so, wie andere in die Kirche gehen. Sie ist gewissermassen sein Heiligtum.

Wird es ein weiteres Theaterstück von Florian Toberer geben?
Schmunzelt. Ich möchte sehr gerne weiterarbeiten, es macht mir grossen Spass. Ich bekam tolle Unterstützung für mein erstes Projekt, auch vom Theater am Gleis. Ideen für ein weiteres Stück gibt es bereits…

Weitere Vorstellungen am 5. und 11. November (Gasthaus Höllgrotte, Muotathal und Loesaal, Chur)
Dauer: 60 Minuten

Maskentheater mit: Florian Butsch, Martina Kunz, Philippe Schuler und Florian Toberer
Leitung: Florian Toberer
Musik: Michel Barengo

Im Netz
www.theateramgleis.ch
info.haeuser(at)gmx.ch

Ein Gedanke zu „“Aussenseiter Häuser“ am Theater am Gleis, Winterthur (Interview)

  • 04.11.2009 um 14:34
    Permalink

    Schon lange habe ich kein so modernes, für mich beinahe avantgardistisches Theater gesehen, das so nachhaltend zu diskutieren, sich freuen, zu hinterfragen, zu staunen gibt………….als Erstlingswerk ein starkes Stück……..

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