Die Beatles – mit Salz und Pfeffer

Die Beatles – mit Salz und Pfeffer

Die Platten der Fab Four im digitalen Neuanstrich

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Wer ist eigentlich „Sergeant Pepper“? Im Frühjahr 1967 aßen Paul McCartney und Road-Manager Mal Evans in einem Flugzeug zu Mittag. Evans fragte, was denn das S und das P auf den Tütchen bedeuten sollen – McCartneys Antwort „salt and pepper“ fiel so undeutlich aus, dass ein „Sergeant Pepper“ draus wurde. Die Worte ließen den Pilzkopf nicht mehr los und fanden ihren Weg in die beste Platte aller Zeiten: Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band.

Beste Platte? Das Rolling Stone Magazine kürte 2003 die 500 besten Alben der Musikgeschichte: die Beatles kamen viermal in die Top Ten; Sgt. Pepper belegte den ersten Platz. Superlative sind ja so eine Sache, doch das achte Album der Fab Four ist ein musikalischer Meilenstein: Es ist eines der ersten Konzeptalben, bei dem sich die einzelnen Titel thematisch aufeinander beziehen und es eine Reprise zum Opener gibt. Es ist die erste Platte, bei der die Songtexte auf die Hülle der LP gedruckt wurden, und es ist die Geburt der psychodelischen Musik – mit Liedern wie „A Day in the Life“ und „Lucy in the Sky with Diamonds“, zu dem das LSD-Gerücht gehört wie Asterix zu Obelix. Und mit Texten wie „with our love – we could save the world“ läutete die Platte den Soundtrack des „Summer of Love“ ein.

Bevor das Werk am 1. Juni 1967 erscheinen konnte, saßen die Pilzköpfe 129 Tage im Studio und loteten die Grenzen der damaligen Technik aus. Neben dem 40-köpfigen Orchester, das auf der Platte mitgespielt hat, revolutionierte die Aufnahme-Technik die Musik: Während andere Bands noch mit den klassischen vier Tonspuren arbeiteten, führten die Beatles mit der „bouncing-down“-Technik eine Vielzahl von Spuren zusammen: Das musikalische Ergebnis des Vierspur-Geräts wurde einfach zu einer einzelnen Tonspur zusammengeschnitten, die dann wiederum als eine von drei Tonspuren auf einer weiteren Vierspur Verwendung fand.

Live funktionierte das alles natürlich nicht. Sollte es auch nicht. Denn nachdem die Liverpooler jahrelang vor Fans gespielt hatten, die mehr von ihrem eigenen Kreischen als von der Musik hörten, entschlossen sie sich für ein reines Studio-Album. Neben allen handwerklichen Finessen sind es natürlich vor allem die Melodien und Texte, die den Kultstatus begründen. Zeilen wie: „I used to get mad at my school / The teachers that taught me weren’t cool“ aus dem Evergreen „Getting Better“ stellten die verkrusteten Werte einer ganzen Generation in Frage.

Die enorme Bedeutung von Sgt. Pepper macht das Album zum perfekten Testobjekt für die jüngst veröffentlichten Beatles-Remastered-Boxen: Am 09.09.09 war „B-Day“ in Großbritannien: Menschen standen stundenlang Schlange vor den Läden, um den Verkäufern die digital überarbeiteten Beatles-Scheiben aus den Händen zu reißen – Bilder, die man eigentlich aus den Zeiten der Beatlemania und der Vinyl-Platten kennt. Über 200 Songs aus 13 Studio-Alben haben einen neuen Anstrich bekommen: Das bedeutet vier Jahre Arbeit für ein halbes Dutzend Ton-Ingenieure und Aufatmen beim britischen Musik-Konzern EMI, der seit längerem rote Zahlen schreibt. Die neue Edition ist also gut fürs Geschäft, aber auch gut fürs Ohr. Denn die Musik ist klarer, die Stimmen sind deutlicher zu erkennen und Störgeräusche sowie unsaubere Schnitte wurden entfernt. Die beiden noch lebenden Pilzköpfe, Paul McCartney und Ringo Starr, waren kurioserweise nicht am Remastering beteiligt. Doch kein geringerer als Geoff Emerick arbeitete an der Neuauflage mit. Emerick war bereits bei den Original-Aufnahmen von 1967 dabei und erinnert sich: „Die Beatles bestanden darauf, dass alles auf Sgt. Pepper anders sein müsse.“

Ansonsten gingen die Ingenieure sehr zurückhaltend vor, um das „Beatles-Feeling“ nicht zu stören. So verwundert es nicht, dass die Neuauflage kein Hexenwerk ist: Die Unterschiede sind zwar auch für den Laien hörbar, doch sie fallen nicht zu stark ins Gewicht. Besitzer der CD-Erstausgaben von 1987 und 1988 müssen sich also nicht gleich in Unkosten stürzen. Der größte Vorteil liegt in der angeglichenen Lautstärke: alle Songs sind nun gleichlaut.

Der eigentliche Clou ist die Mono-Box, denn so mischten die Beatles ihre Platten in den 60-Jahren ab. Die Mono-Version ist wuchtiger und kompakter als die Stereo-Version, bei der man die Feinheiten besser raushört. Die Bässe und Drums kommen bei der Mono-Edition voll zur Geltung. Bei den Stereo-Aufnahmen wiederum, die damals nach den Sessions in nur ein bis zwei Tagen abgemischt wurden, kommt das Raumgefühl zum Tragen. Beatles-Fans müssen sich also schweren Herzens entscheiden zwischen der kräftigen Dampflok- und der verspielteren Modelleisenbahn-Variante.

Optisch machen die neuen CDs einiges her: Das alte Design der LPs wurde haargenau übernommen und erfreut jedes Sammlerherz. Doch während die Stereo-Aufnahmen auch einzeln zu kaufen sind, ist die Mono-Edition nur in der Sammlerbox erhältlich. Die angeblich auf 10.000 Stück limitierte Box ist schon jetzt größtenteils ausverkauft: EMI schweigt über die tatsächlichen Auflagenzahlen, hat aber Nachschub angekündigt. Mono hin, Stereo her: Die Boxen beweisen einmal mehr, dass die Beatles das Salz (und der Pfeffer) in der Suppe der Musikgeschichte sind.

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