“Schwarze Nacht” von Andreas Roman

Allein im Dunklen

“Schwarze Nacht” von Andreas Roman

Angst vor der Dunkelheit kennt jedes Kind. Mit zunehmenden Alter sollte man jedoch in der Lage sein, diese zu überwinden. Was aber passiert, wenn nicht?

Von Stefanie Feineis.

schwarzenachtDavid lebt nach Aussen hin ein völlig normales Leben. Er hat einen Job und eine kleine Wohnung, die er mit seiner Katze teilt. Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch auf, dass der unscheinbare Mann oft übernächtigt und blass wirkt. Kein Wunder, denn bei Parties ist er stets der letzte und oft ist er bis in die Morgenstunden unterwegs. Wenn er einmal die Nacht zu Hause verbringt, lädt er entweder Freunde ein oder bestellt sich eine Prostituierte.

Die Nacht als Feind
Nach dieser Kurzbeschreibung könnte man die Hauptfigur nun für einen “wilden Partylöwen” und exzentrischen Lebemann halten. Aber weit gefehlt. Weder machen ihm diese Feiern Spass, noch bezahlt er die käuflichen Damen für Liebesdienste. David möchte nachts einfach nicht alleine sein, denn er hat seit seiner Kindheit Panik im Dunkeln. Der frühe Tod seiner Eltern und die distanzierte Beziehung zu seiner einzigen Schwester verschlimmern die Situation zusätzlich.

Ungewöhnliche Therapie
So verbringt David seine Nächste mit Feiern, Trinken, Computerspielen oder in Internetchats mit anderen Schlaflosen. Ihm wird dabei jedoch immer klarer, wie stark seine Angst den Alltag beeinflusst und wie sehr er sich nach Schlaf und Normalität sehnt. Eine der Damen, die David für ihre nächtliche Gesellschaft bezahlt, gibt ihm schliesslich die Telefonnummer eines Therapeuten. Entschlossen, seine Angst ein für alle mal zu überwinden, bucht David nach zahllosen Therapiegesprächen eine einsame Hütte in den schwedischen Wäldern, um dort nur mit seiner Katze einige Nächte zu verbringen. Bald jedoch muss er begreifen, dass man gewisse Dinge nicht so einfach besiegen kann…

Das Spiel mit den Urängsten
Gekonnt spielt der Autor in seinem ersten Roman, der ihm bereits den Titel “schwedischer Stephen King” einbrachte, mit den Urängsten seiner Leser. Seine fast schon klaustrophische Erzählweise lässt einen nicht mehr los und man leidet mit der Hauptfigur, bis einem schliesslich mit Entsetzen klar wird, dass die Dunkelheit nicht der wirkliche Feind sein kann. Zu keinem Zeitpunkt wirken Davids panische Ängste übertrieben und seine Wahnvorstellungen sind oft realer, als es dem Leser lieb ist. Einziger Wermutstropfen ist das Ende. Ab einem bestimmten Punkt wird der Ausgang ziemlich vorhersehbar, der eigentliche Schluss wirkt etwas knapp und lässt zudem manche Frage offen.

Andreas Roman ist ein düsterer, atemberaubender Erstlingsroman gelungen, der gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit berührt und verunsichert. Lesen auf eigene Gefahr!

Heyne
284 Seiten, ca. CHF 14.90

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