„Ich hab das Gefühl, da gibt es noch vieles zu entdecken“

„Ich hab das Gefühl, da gibt es noch vieles zu entdecken“

www.maxherre.com
www.maxherre.com


Max Herre Interview, 5.12. 2009

Es war der Tag nach dem ersten von zwei Zürcher Konzerten, als sich nahaufnahmen.ch mit Max Herre im Novotel zum Interview traf. Max war zuerst noch unauffindbar und seine Tourmanagerin wirkte zunehmend ungeduldiger, nach einigen Minuten tauchte er aber doch noch auf. Mit der ihm eigenen sympathischen Art nahm er sich Zeit für ein ausführliches Gespräch über seine musikalische Entwicklung, sein neues Album und die Minarett – Initiative.


nahaufnahmen.ch: Wie siehst du deine Entwicklung seit “Quadratur des Kreises”?

Max Herre: Ich glaub man kann Dinge immer anders machen, aber man macht sie wie man sie macht, es geht auch weniger darum was man gemacht hat, als darum was man noch vor hat zu tun. Es ist für mich immer spannender zu fragen, was als nächstes passiert, als die Frage zu stellen, was passiert ist. Das kann man sowieso nicht ändern. Für mich beginnt Max Herre als Musiker auch nicht 1997 mit “Quadratur des Kreises”, es gab auch einen Weg dahin, eine Entwicklung, ich habe angefangen mit 14,15 Musik zu machen, auch Freundeskreis 1997 war eine Momentaufnahme, von was ich eben damals in einer bestimmten Konstellationen mit Leuten gemacht und gefühlt hab und es wurde eben bekannt und darum wird man daran gemessen. Es war `ne tolle Zeit und es ist immer noch `ne tolle Zeit und es ist für mich auch keine andere Zeit oder ein anderes Leben, sondern es ist das gleiche Leben an `nem anderen Punkt. Ich seh das als eine stetige Entwicklung, wo Dinge passieren, Dinge dazukommen, wo man eben schöpft aus Erfahrungen, die man gemacht hat und neue Wege betritt.


nahaufnahmen.ch: Seit deinem Album “Max Herre” sind 5 Jahre vergangen, was hast du in dieser Zeit alles gemacht? War dein neues Album ein stetiger Prozess, der sich in dieser Zeit entwickelt hat?

Max Herre: Ich hab erstmal das Album von Joy gemacht (Joy Denalane, Anm. d. Red), das eigentlich als eigenes Album zu betrachten ist, was die Intensität mit der ich daran gearbeitet habe angeht, ich habe geschrieben und produziert und da kann man nicht nebenher noch Sachen machen. Insofern war das ziemlich nahtlos, ich habe live gespielt bis 2005 und dann fing ich an mit Joy und für Joy zu schreiben an ihrem Album. Ende 2005 sind wir schon für 3 Monate nach Philadelphia gegangen um das Album aufzunehmen. Es ging bis 2006 bis wir das dann abgemischt hatten, dann ist sie auf Tour und dann ab 2007 haben wir kurz zusammen mit Freundeskreis so ein Revival gemacht. Zu dieser Zeit habe ich angefangen wieder eigene Sachen zu machen. Ab 2008 habe ich dann intensiv an dem neuen Album angefangen zu arbeiten.


nahaufnahmen.ch: Dein Schritt weg von Rap in Richtung Singer/Songwriter-Stil, hat das mit dem Älterwerden zu tun oder wurde Rap mit der Zeit einfach langweilig?

Max Herre: (lacht) Keine Ahnung, die Leute fragen mich immer, ich denke aber nicht in Genres, ich habe nie in Genres gedacht. Letztlich glaube ich, dass wir auch alle Kinder unserer Zeit sind. Als ich 19, 20 war, davor habe ich in einer Band Soul und Reggae gespielt, wurde einfach immer mehr Rap gehört. Die Musik wurde einfach immer toller, zwingender und besser. Dann kamen plötzlich A Tribe Called Quest und De La Soul und Brand Nubian und Bands, die einfach auch einen musikalischen Ansatz hatten. Aus England kam die ganze Acid-Jazz-Bewegung mit Urban Species und Galliano, die auch Band-Sound gemacht haben, gesungen und gerappt haben. Und das ist eigentlich wie ich in den Rap reingekommen bin, auch über den Band-Sound, über gesungene Sachen. Dann habe ich immer mehr Rap integriert, weil das einfach die Musik der Stunde war. Für Leute, die Black Music mochten und ein urbanes Lebensgefühl hatten, war das einfach das Ding der Stunde. Wie es für mich 10 Jahre vorher irgendwie Bob Marley und Reggae-Sachen waren. Ich hab mich immer als Musiker definiert, natürlich als HipHop-Musiker zu Rapzeiten, aber das Musiker sein war das Interessante daran. Musik ist eben nichts starres, nichts statisches. Musik entwickelt sich, atmet und tauscht sich aus. Deshalb wäre die Konservierung eines bestimmten Stils eine unnatürliche Herangehensweise für mich, das passiert natürlich oft, da es ein Konzept ist, das funktioniert. Und die Leute mögen Konzepte, die funktionieren. Sowohl Hörer, als auch die Leute, die es machen, weil es ihnen eine gewisse Sicherheit gibt und auch einen gewissen Erfolg garantiert. Das war für mich nie der Weg und auch für niemanden, der bei Freundeskreis dabei war. Das sind Leute, die machen nach wie vor mit dem gleichen  Enthusiasmus Musik und Kunst, aber (unterbricht)…es gibt da einen Spruch, den ich neulich gelesen habe: “Perfektion ist ein bewegliches Ziel“. Ich glaube, dass Verwirklichung ein bewegliches Ziel ist. Das Ziel verschiebt sich mit den Dingen, die man gemacht und erlebt hat und mit den Ideen, die einem das Leben gibt. Insofern, bezogen auf das Rapding, gibt es für mich da keinen Bruch, sondern nur eine Entwicklung. Aber natürlich kann man, wenn man die letzten 10 Jahre nimmt, sagen, dass ich mich vor allem als Songwriter und Produzent und weniger als MC definiert habe. Aber das ist das, was einfach immer mehr Platz eingenommen und nun seinen Höhepunkt gefunden hat mit diesem Album, das halt ein reines Gesangsalbum geworden ist.


nahaufnahmen.ch: Es gab also kein Schlüsselerlebnis, wo du dir gesagt hast: „Schluss mit Rap, ich nehme jetzt die Gitarre!“?

Max Herre: Ich habe mit 11 angefangen Gitarre zu spielen. Und es war einfach so, dass ich nie besonders gut war. Ich hatte mit 15 `ne Band, wo ich Gitarre gespielt und gesungen hab und dann kam ein Gitarrist, der einfach besser war und dann habe ich nur noch gesungen. Dann stand die Gitarre 20 Jahre in der Ecke und ich hab nur ab und zu mal drauf gespielt und hab sie irgendwie letztes Jahr wieder entdeckt und gesagt: „Ok, ich will dem Instrument noch etwas abgewinnen für mich und meine Entwicklung. Ich will gern Songs darauf schreiben.“ Ich finde es total spannend, es hält mich frisch und jung und ich merk das einfach, diese Tournee jetzt, dass habe ich so noch nie gemacht, gesungen und Gitarre gespielt. Man stellt alles zur Disposition was man kann. Als MC oder Bandleader von `ner Band die Rap macht und ein bisschen Reggae konnte ich mich auch mal verlassen auf das, was ich kann. Das gab es jetzt weniger. Klar, es gibt immer noch Mechanismen, die funktionieren. Auf der Bühne zu stehen ist wie Skifahren, aber wirklich Bandsound zu machen, in der Art und Weise, ist etwas Neues für mich und ich hab das Gefühl, da gibt es noch viel zu entdecken.


nahaufnahmen.ch: Ist das ein bisschen so was wie ein neuer Trend in Deutschland?

Max Herre: Keine Ahnung, ihr redet ja immer über Dennis (Dennis Lisk, Anm. d. Red.) und Sam (Samy Deluxe, Anm.d. Red.), oder was weiss ich, ich kann das so nicht sagen. Ich glaube, die kommen schon aus einer anderen Ecke, Sam ist als Graffitiartist zur Musik gekommen, ich bin als Musiker zu Rap gekommen, bei Dennis weiss ich es zu wenig.


nahaufnahmen.ch: Ihr tauscht euch also nicht gross untereinander aus?

Max Herre: Nee, ich hab jetzt zwar für Sam ein Ding produziert für seine letzte Platte und wir kennen uns natürlich von früher, auch die Beginner klar, aber es ist nicht so, dass wir musikalisch zusammen zu tun haben. Mit Clüsen (Clueso, Anm. d. Red.) hab ich zu tun. Ihn kenne ich seit über 10 Jahren, als er mit Demos zu Four Music kam, auch was ähnliches gemacht hat wie Freundeskreis, auch inspiriert war dadurch und einfach kohärent seine Karriere entwickelt hat und sich deshalb vielleicht auch früher schon von diesem Rapding verabschiedet hat. Ich finde…(unterbricht), ja ich kanns gar nicht sagen, ich will da…weiss ich auch nicht (bricht wieder ab). Ich habe gerade ein Ding aufgenommen für Roberto, da habe ich auf Englisch gerappt mit italienischem Akzent (lacht), es ist also immer noch da….

nahaufnahmen.ch: Apropos Englisch, reizt dich das nicht, mal eine Platte auf Englisch aufzunehmen?


Max Herre: Nun, Joy`s letzte Platte ist ein englischsprachiges Album. Ok, ich hab da nicht selbst gesungen, aber ich habe sie aufgenommen. Was natürlich toll dran war, ist, dass man plötzlich auf der ganzen Welt spielt. Ich war mit ihr in New York, Tokyo, London, Stockholm und Paris. Plötzlich spielst du vor Leuten, die irgendwie andere Sachen feiern, die du auch feierst, das ist noch mal eine andere Form der Bestätigung. Auch wenn sich das nicht gleich exponential in den Verkaufszahlen zeigt, die schiere Breite macht es einfach interessant. Klar, die Welt ist gross, es ist gibt viele tolle Orte. Ich mein, ich spiel gern in Osnabrück (beginnt zu lachen) und in…


nahaufnahmen.ch: Zürich?

Max Herre: (lacht) Zürich, mit Wien, Hamburg, Berlin sind sozusagen die Metropolen die man spielt, dann hat man so ein bisschen das Gefühl, man ist auf Welttournee. Das andere ist auch okay, aber klar, es ist toll auf einem Festival in Holland zu spielen…aber insofern, ich glaub nicht, dass ich das tragen kann ein komplettes Album auf Englisch, denn dafür geht es in meiner Musik zu sehr auch um…ja um Authenzität. Rappen könnte ich zum Beispiel nicht auf Englisch, nee, für mich ist meine Sprache auch ein integraler Bestand meiner Musik. Ich denke, es wär schwierig. Ich hab auf der letzten Platte 2,3 Songs, einen auf italienisch und einen auf Englisch mit Sekou. Das funktioniert auch und macht auch Spass, aber um wirklich meine Geschichte zu transportieren, ist es für mich momentan noch wichtig mich in meiner Sprache auszudrücken.


nahaufnahmen.ch: Du hast gesagt: „Mir wurde klar, dass ich das, was ich zu erzählen habe, am besten mit Gesang und Gitarre ausdrücken kann.“ Wir hatten im Sommer mit Dennis Lisk ein Interview, in dem er sagte, er könne gewisse Themen und Gefühle mit Rap nicht mehr ausdrücken. Ist das bei Dir ähnlich?

Max Herre: Ja, das ist natürlich so. Rap ist ein Ding, das wenig Zweifel zulässt. Man stellt sich vorne hin und macht `ne Ansage. Ich bin der und der und das ist, was es is`…nenn mir mal einen wirklich selbstkritischen Rapsong. Ich kenn irgendwie Beck „I`m a loser“ und sonst kenn ich keinen. Die Lovesongs, die es gibt, sind meistens Geschichten, „ich hab sie da und da getroffen, und dann ist das passiert…“ wie A.N.N.A. Und ich wollte keine Geschichten erzählen, ich wollte über Gefühle sprechen, ohne die Geschichte erzählen zu müssen. Ich wollte die Geschichte explizit nicht erzählen, weil es meine Geschichte ist und weil sie einfach `ne private Geschichte ist. Und ich wollte was machen, das persönlich ist und intim, ohne aber privat zu sein. Das heisst, ich rede über Emotionen und ich rede über die Gefühle hinter der Geschichte. Und das kann man natürlich in der Poesie, in Liedtexten besser als im Rap. Rap ist einfach narrativ und erzählt Geschichten von A nach Z. Und das macht Lyrik nicht. Lyrik sucht `ne Metapher, sucht ein Bild und die Geschichte ist sozusagen fast austauschbar. Die Geschichte ist die Geschichte jedes Hörers, der sich angesprochen fühlt, lässt wahnsinnig Platz für die eigene Interpretation. Und trotzdem ist es was, das wahnsinnig echt und nah und gefühlvoll ist.


nahaufnahmen.ch: Deine Texte scheinen sehr persönlich zu sein. Trotzdem findet man sich aber als Hörer darin wieder.

Max Herre: Das denke ich auch. Ein Song wie „Blick nach vorn“ oder „Scherben“ ist trotzdem was, was einfach für jeden passt zu einem bestimmten Zeitpunkt im Leben. Und das ist letztlich auch das, was mich interessiert. Trotzdem kannst du diese Grenze ziehen zwischen dem Persönlichen und dem Privaten. Das ist natürlich für jemanden wie mich, der in der Öffentlichkeit ist, der verheiratet war mit einer Frau, die in der Öffentlichkeit ist, ein probates Mittel, um mir selbst irgendwie trotzdem Luft zu machen, mir Dinge von der Seele zu schreiben, ohne die Leute irgendwie auf meine Bettkante zu setzen.


nahaufnahmen.ch: Man hat Dich früher oft in eine politische Ecke gedrängt. Hat Dich das damals gestört?

Max Herre: Das hat mich schon gestört, ja. Wir haben uns nie als politische Band verstanden. Wir waren einfach Musiker, die alle Bereiche ihres Lebens in die Musik einfliessen lassen und  Politik ist eben eine. Für mich gibt es diese Grenze zwischen privat und politisch nicht. Ich denke am Ende ist alles politisch. Politik ist nichts anderes, als ein Blick auf den Menschen neben dir. Und das Interesse am Menschen neben dir. Man darf auch den ganzen Kontext nicht vergessen, das ganze Rapding war frisch und man hatte sich zu positionieren in dieser Popwelt. Und das hatte schon was politisches und „Guerillero-haftes“. Wir machen alles anders, wir machen das nicht und das nicht und das nicht, wir sind kein Pop-Act, wir sind ein HipHop-Act mit allem was dazugehört: Eigenständigkeit, den eigenen Weg gehen, bestimmte Formate nicht bedienen. Ich glaube das, gepaart mit noch ein, zwei politischen Songs und noch einem Outfit, wie es damals alle getragen haben, irgendwie M65 Armee Parka Jacken. Ich mein die Fugees haben „Fu-gee-la“ gedreht und sind irgendwie von der Polizei weggerannt. Das war auch die Zeit, weißt du, die Neunzigerjahre, wo sich viele Rapbands auch so in dieser „Guerillero-Mode“ präsentiert haben, weil es eben etwas Rebellisches hatte. Die Musik war rebellisch und HipHop war rebellisch, weil HipHop die ganze Industrie auf den Kopf gestellt hat, weil plötzlich junge Leute kamen und gesagt haben: „Für uns gelten nicht die Regeln, wie sie für eure Popacts gelten. Ihr kommt nicht zu uns ins Studio, ihr kriegt unser Band nicht vorher zu hören, ihr redet uns nicht ins Artwork, wir spielen auch keine Playback-Shows und wir geben kein Interview mit der Bravo.“ Das war in dieser Welt, in dieser Musikwelt irgendwie ein Rebellentum, das sich gepaart mit ein, zwei politischen Statements natürlich potenziert hat. Und plötzlich wurde da was gemacht, und dann kommt ein Typ mit Vollbart und langen Haaren und dann bist du halt irgendwie der Che. Also, das ging schnell und das bekam so eine Dynamik, dass ich plötzlich mit 25 dreimal am Tag Anfragen gekriegt habe, ob ich zu irgendeinem tagespolitischen Thema nicht ein Statement parat hätte. Das ist ein Stiefel, den kann sich keiner anziehen, der irgendwie einfach Musik machen will und mit seinen Jungs hängt, der zwar auch ein bestimmtes politisches Bewusstsein hat, aber der eigentlich Musiker ist. Wir haben uns nicht an Victor Jara orientiert oder Ton, Steine, Scherben sondern an Bob Marley, Curtis Mayfield und Stevie (Stevie Wonder, Anm. d. Red.) und Nas. Das war es eigentlich, was wir machen wollten. Für mich ist „One love“ von Nas ein politischer Song. Er schreibt einen Brief an einen Typ, der im Knast sitzt und erzählt ihm von „draussen“. Das ist ein politischer Song für mich, weil er einen Zustand, eine Gesellschaft spiegelt.


nahaufnahmen.ch: Apropos politische Statements, könntest Du was zur Minarett-Initiative sagen? (Eine Frage, die eigentlich als Spass gedacht war, verleitet Max dann doch zu einer ausführlichen Antwort)

Max Herre: Ja, ich kann natürlich etwas sagen, es ist ein hochinteressantes Thema. Letztes Mal, als ich hier war, war es Polanski, dieses Mal ist es das Minarett. Na ja, ihr schiesst halt Eigentore gerade, muss man sagen. Aber ihr wisst ja, wie das ist, die Gefahr am Populismus ist die Polemik, die dahinter steckt. Eine direkte Demokratie, wie ihr das seid, mit Referenden, was ja eine grosse demokratische Errungenschaft ist, birgt doch auch die Gefahr, dass sie dem Populismus unterliegt. Das ist in der Schweiz auch nicht anders, wie in anderen Ländern, dass die Massenmedien von bestimmten Interessengruppen und Menschen kontrolliert werden und dass damit eine Gesellschaft auch manipulierbar wird. Wir reden über ein Land, das genau vier Minarette hat und nicht 700 und es wären auch nicht 700 geworden. Für mich ist es einfach die Frage, was das Verständnis einer Demokratie ist und die Schweiz ist die älteste Demokratie, die es gibt. Das wichtigste Element einer Demokratie sind bestimme Bürger- und Menschenrechte, Meinungs- und Religionsfreiheit. Das ist die Grundlage für jede Demokratie und man kann Toleranz von Menschen nur einfordern, wenn man bereit ist tolerant zu sein und einfach eine Gesellschaft zu schaffen, die diese Toleranz gewährleistet, dieses Recht jedes einzelnen. Insofern – und das ist auch das Eigentor -­ wettert man gegen Parallelgesellschaften und was weiss ich. Aber man schafft sie genau dadurch, dass man bestimmte Dinge tabuisiert und stigmatisiert und letztlich ins Abseits drängt. An den Rand der Gesellschaft, anstatt in die Mitte, um eine transparente, offene Gesellschaft zu schaffen. Da liegt eigentlich die grosse Tragik. Die Grundlage für all diese Ressentiments ist immer die Unwissenheit. Und ich glaube es gibt kaum etwas worüber die Menschen so wenig wissen, wie über den Islam. Ich glaube, die Schweiz tut sich damit keinen Gefallen, weil sie so letztlich noch stärker eine Parallelgesellschaft schafft, weil sie eine Frustration schafft, die neue Probleme mit sich bringen wird.


nahaufnahmen.ch: Lass uns für die letzte Frage zur Musik zurückkommen. Wie geht’s weiter mit Max Herre?

Max Herre: Es gibt im Frühling noch mal eine Tour, wahrscheinlich auch mit den Festivals. Es gibt da ein paar Sachen, die in der Pipeline sind. Auch für andere. Nächstes Jahr ist erstmal wieder Joy dran mit ihrem neuen Album und dann will ich relativ schnell auch wieder weitermachen.


nahaufnahmen.ch: Wird das wieder im Singer/Songwriter-Stil? Max Herre mit Gitarre?

Max Herre: (lacht) Also ich bin auf jeden Fall dabei. Die Gitarre auch. Wie gesagt, Musik ist so ein breites Feld, es gibt so viele Zutaten, die mich interessieren, die mich immer interessiert haben. Ich kann nicht sagen, dass das letzte Album ein homogenes Album war. Da war von Reggae über Singer/Songwriter bis Rock, HipHop, Soulsachen.  Da war alles da. Ich habe mich bei diesem Album entschieden, es ein bisschen einzugrenzen und wirklich ein homogenes Album zu machen. Und das gefällt mir eigentlich auch, ein Album zu machen, das eine Richtung verfolgt. Welche Richtung das genau sein wird…elektronisch wird’s nicht werden. Das kann ich schon mal ausschliessen.


nahaufnahmen.ch: Max Herre, vielen Dank für das Gespräch.
















Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.