“The Box” von Richard Kelly

Raus aus der Box, rein in die Tonne?

“The Box” von Richard Kelly

Box 1

Der Richard Kelly wieder. Ja, der Regisseur, der mit “Donnie Darko” einen Insider-Hit gelandet hat, einen Mystery-Film halt, der durch seine düstere Atmosphäre und eine spannende Story zu überzeugen wusste. Und ja, der Regisseur, der mit dem kaum zugänglichen, überfrachteten “Southland Tales” in Cannes ausgebuht wurde. Ja, dieser Regisseur meldet sich mit seinem dritten Film zurück und orientiert sich grösstenteils wieder an seinem Erstling – trotzdem ist “The Box” nur ein halbgares Vergnügen.

Von Alexander Sigrist.

Virginia, in den siebziger Jahren: der kleinen Familie Lewis fehlt es an Geld. Mutter Norma wurde eben das Kindergeld gestrichen und Vater Arthur wurde nicht von der NASA zur Weiterbildung zum Astronauten zugelassen. Da scheint es wie ein Wink des Schicksals, als ein entstellter Fremder vor ihrer Haustüre auftaucht und ihnen ein einfaches Experiment anbietet: sie kriegen eine kleine Box mit einem roten Knopf – wenn sie den Knopf innerhalb von 24 Stunden drücken, dann kriegen sie eine Million Dollar, steuerfrei, bar auf die Hand. Allerdings stirbt dann auch irgendwo ein ihnen unbekannter Mensch.

“The Box” basiert auf der Kurzgeschichte “Button, Button” von Richard Mattheson, was einen Richard Kelly-Fan überraschen mag: ja, Kelly adaptiert hier, anstatt wie bei seinen vorherigen Filmen alles selber aus dem Boden zu stampfen. Aber Kelly wäre wohl nicht Kelly, wenn er in der Kurzgeschichte nicht genug Raum gesehen hätte für seine eigenen Ideen. So ist die Story der Kurzgeschichte bereits nach kurzer Laufzeit abgehakt, der Knopf – und wer das nicht schon von Anfang gewusst hat, hat geschlafen – wird gedrückt und Kelly widmet sich dem, was ihn zu interessieren scheint: den Konsequenzen, egal ob jene nun sozialer, metaphysischer, persönlicher oder welcher Natur auch immer sind.

Die Box: so voll und doch ziemlich leer
Man merkt schon: “The Box” ist trotz des langsamen Tempos und der eigentlich simplen Story ordentlich überladen. Genau wie in “Southland Tales” will Kelly einfach viel zu viel: da geht es um Moral, um den Wert des Lebens und dann geht es auch noch um einen übermächtig-unheimlichen Fremden mit übernatürlichen Kräften, um Experimente, Wassersäulen, Zeit-Raum-Verschiebungen, Altruismus, Liebe, Verschwörungstheorien, Nasenbluten und wer-weiss-was-noch. Durch seine pop-kulturellen Anspruch konnte “Southland Tales” seine Abundanz an Ideen durchaus rechtfertigen. In “The Box” wirkt das alles jedoch nur noch wie ein bunt gemischtes Potpourri, das dort, wo etwas erklärt wird, enttäuschend seicht ist (Achtung Spoiler: Aliens? Also bitteschön! Sind wir schon wieder bei “Signs” gelandet?), und dort wo nichts erklärt wird einfach nur noch arbiträr wirkt und, schlimmer noch, sein bestes Bildwerk und die besten Ideen gleich bei “Donnie Darko” kopiert.

Box 2

Das ist insofern schade, als Kelly durchaus einige interessante Ideen hat: kann man es moralisch vertreten, für eine Million Dollar einen Unbekannten zu töten? Was, wenn alles um uns herum eine Verschwörung ist? Was, wenn alles um uns herum eine Inszenierung ist? Allerdings fehlt Kelly schlichtweg die Brillanz, auch nur einen dieser guten Ansätze zu einem interessanten Schluss zu bringen. So zuckt man gegen Ende nur mit den Schultern, verlässt das Kino und denkt nicht weiter darüber nach – tragisch für einen Film, der eigentlich den Anspruch hat, durchaus sozialkritisch zu sein.

Wenigstens ist alles ordentlich inszeniert: die Spezialeffekte sind okay, manche Bilder sind toll, die Schauspieler machen ihre Sache ordentlich und die Verlegung der Story in die siebziger Jahre fasziniert durchaus. Wer mit einem halbpatzigen Mystery-Thriller, dessen gute Ansätze nicht einmal andeutungsweise genutzt werden, leben kann, kann sich “The Box” ruhig ansehen. Alle anderen hoffen, dass Richard Kelly mit seinem nächsten Film zu alter Stärke finden wird.


Ab dem 14. Januar 2009 im Kino.

Originaltitel: The Box (USA 2009)
Regie: Richard Kelly
Darsteller: Cameron Diaz, Frank Langella, James Marsden, Holmes Osborn, James Rebhorn
Genre: Mysterie-Thriller
Dauer: 115 Minuten
CH-Verleih: Ascot Elite


Im Netz
Trailer
Offizielle Seite

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.