“A Serious Man” von Joel & Ethan Coen

Sinnsuche im Judentum und Jefferson Airplane

“A Serious Man” von Joel & Ethan Coen

A serious man 1

Einem Mann gerät das Leben aus den Fugen, alles wendet sich für ihn zum schlechten und das Publikum amüsiert sich prächtigst. Für ihr neuestes Werk bedienen sich die Gebrüder Coen der Erinnerung an ihre Kindheit in einer vorwiegend jüdischen Gemeinde in den 1960ern. Der Film bekommt dadurch einen sehr persönlichen Touch, ist aber trotzdem bitterböse.

Von Kevin Mc Loughlin.

Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg) ist ein Professor für Physik und lebt mit Frau und zwei Kindern in einer unauffälligen Vorortssiedlung – ein richtiger Durchschnittstyp also. Das ändert sich, als seine Frau Judith (Sari Lennick) ihm eines Abends eröffnet, dass sie die Scheidung möchte, da sie ihn für Sy Ablemann (Fred Melamed) verlassen will. Dies ist der Startschuss für einen veritablen Spiessrutenlauf für Larry. Ein südkoreanischer Student versucht ihn zu bestechen und droht für den Fall, dass Larry das Geld nicht annehme und den Bestechungsversuch melde, mit einer Verleumdungsklage. Die Leitung der Universität erhält Briefe, die ihn verunglimpfen und seine in Aussicht gestellte Festanstellung scheint auf einmal nicht mehr sicher zu sein. Sein Bruder Arthur (Richard Kind) lebt bei ihm auf der Couch und belagert den ganzen Tag lang das Badezimmer. Seine Tochter will ihre Nase operativ verschönern lassen und dass sein Sohn nicht viel anderes macht, als sich mit Gras zuzudröhnen, merkt er im ganzen Trubel nicht einmal.

Die drei Rabbis

So schlingert nun das Leben Larry Gropniks immer weiter in Richtung Desaster. Weil er sich nicht mehr selbst weiterzuhelfen vermag, wendet er sich an Gott – oder genauer gesagt an einen Rabbi. Da der eigentliche Rabbi nicht zugegen ist, wird Larry vom Juniorrabbi beraten, der etwas von Perspektiven und dem Parkplatz erzählt. So wendet sich denn Gropnik doch noch an den eigentlichen Rabbi, Rabbi Nachtner, der ihm nicht viel mehr bringt. Die einzige Hoffnung, die Larry noch bleibt, ist der alte und weise Rabbi Marshak, der jedoch keine Ratschläge mehr gibt und sich auf Gratulationen an Bar Mitzvah Absolventen beschränkt. Wenigstens gibt es noch die Bar Mitzvah von Larrys Sohn Danny (Aaron Wolff), auf die er sich freuen kann. An dem Fest, an dem alle so verzückt sind, dass sie nicht einmal merken, wie komplett zugedröhnt Danny ist, scheint sich alles wieder einzurenken und die Welt wieder etwas in Ordnung zu kommen.

© Ascot Elite
© Ascot Elite

Meisterlich dank No-Name Cast

Mit “A Serious Man” ist den Coens einmal mehr ein Meisterwerk gelungen, welches gekonnt Genres übergreift und eine Geschichte so erzählt, wie das nur die beiden Brüder können. Der Verzicht auf grosse Namen beim Cast und der subsequente Rückgriff auf Laien und unerfahrene Schauspieler mag für Fans der Coens ein kleiner Wehrmutstropfen sein, da die normalerweise mit ihren Filmen in Verbindung gebrachten Namen, wie Buscemi oder Turturro, vergebens gesucht werden – dem Film kommt dieser Entscheid aber äusserst gut zu stehen. Die schauspielerischen Leistungen sind durchs Band durch sehr gut und die unbekannten Gesichter sorgen auch dafür, dass die Schauspieler nicht mit früheren Rollen in Verbindung gebracht werden. Der Schauplatz in einer jüdischen Gemeinde und die daraus resultierenden Anspielungen sowie die Verwendung jiddischer Begriffe bieten eine zusätzliche Ebene der Unterhaltung, gerade für Personen, die mit den Gebräuchen nicht sonderlich vertraut sind und bei der ersten und letzten Szene, kann man die Handschrift der Coens so gut erkennen, wie sonst nur an wenigen Stellen in ihrem Oeuvre. Joel und Ethan Coen haben uns mit “A Serious Man” bereits im Januar einen starken Anwärter auf den Film des Jahres geliefert.


Seit dem 21. Januar 2010 im Kino.

Originaltitel: A Serious Man (USA/UK/FR 2009)

Regie: Joel & Ethan Coen

Darsteller: Michael Stuhlbarg, Sari Lennick
Genre:Drama, Komödie

Dauer: 105 Minuten

CH-Verleih: Ascot Elite

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