“Tot und Begraben” von Gary Sherman

Tot und ausgegraben

“Tot und Begraben” von Gary Sherman

 

“Tot und Begraben”: in Deutschland jahrelang auf dem Index! Verboten in Norwegen! Verboten in Finnland! Höchste Freigaben in England, den USA, Australien! Ein Splatterfest? Tausende Leichen? Untote? Zombies? Blut? Gallonen an Blut? Ein schockierendes Filmchen aus den Achtzigern? – Keine Panik, alles halb so wild. Aber eigentlich gar nicht mal so schlecht.

Von Alexander Sigrist.

Dead and BuriedEin kleines, behagliches, ja geradezu gemütliches Küstendorf an der amerikanischen Ostküste: der lokale Sheriff schaut nach dem Rechten, trinkt seinen Kaffee, isst Donuts – ja, so perfekt könnte das Leben sein. Bis mit einem Mal grausige Unfälle passieren: ein Mann verbrennt in seinem Auto, ein Landstreicher wird durchlöchert, eine Familie verschwindet – dem Sheriff Daniel Gillis ist klar: da muss mehr dahinter stecken. Bei seinen Recherchen stösst er auf eine Verschwörung, die das ganze Dorf durchzieht – und gräbt dabei Leichen aus, die besser unter der Erde geblieben wären.

Für Fans von Horror der härteren Gangart, hat “Tot und Begraben” eine beachtliche Geschichte im Gepäck: in Deutschland wurde der Film auf den Index gesetzt, in England wurde er als “Nasty Video” geahndet, ja sogar im augenscheinlich so liberalen Finnland und Norwegen war der Film verboten. “War” ist jedoch das operative Wort an dieser Stelle: mittlerweile ist der Film in all diesen Ländern wieder frei erhältlich und hat in Deutschland gar eine unbescholtene FSK 16 Freigabe bei der Neuprüfung erhalten. Beschaut man sich den Film, so bleibt wahrlich nicht viel, was “Saw”-Abgestumpfte vom Hocker hauen könnte: zwar sind die Ideen in der Theorie durchaus grausig (Spritze im Auge, Mensch im Feuer, Säure im Gesicht), die Durchführung jedoch in allen Ehren ergraut (ah, Latex-Puppe, ah, Animatronic, ah, Feuerfilter vor der Linse). Von der Gewalt her eignet sich Shermans “Tot und Begraben” allenfalls noch als Geschichtsstunde. Wer gerne wissen will, wie denn Stan Winston (ja, der Puppetmaster) in den Achtzigern noch Effekte gemacht hat, ist mit “Tot und Begraben” durchaus gut bedient.

 

Abseits der ergrauten Gewalt
Zum Glück jedoch haben die Macher nicht nur auf Gewalt gesetzt: die Story hinter den Effekten vermag nämlich durchaus zu fesseln. Zwar zitiert “Tot und Begraben” alle Untiefen des Horrorgenres der Achtziger (verrückter Wissenschaftler, Untote, Dorf-Horror, unbedarfte Fremdlinge), erzählt aber trotzdem eine interessante Geschichte, deren Schlusspointe zum Schreien (wegen Furcht) gut ist – ja beinahe vermisst man die gute alte Zeit, in denen Horrorfilme es noch gewagt haben, eine verrückte Schlusswendung zu konstruieren, anstatt im Fahrtwasser bekannter Vorbilder zu schwimmen. Ein Meisterwerk ist die Geschichte zwar nicht, dafür gibt es zu viele Logiklöcher im Leichengewand, sie spannt aber auch heute noch und ist ein gutes Beispiel dafür, wie Gewalt und Spannung in einander greifen können.

Dem zu Gute kommt, dass Sherman ein gutes Gespür für einen spannende Inszenierung hat: vor allem der Mord an der Familie im Landhaus ist ein Lehrstück dafür, wie man mit wenigen Mitteln wie huschenden Menschen, Schatten und Geräuschen, einen brillanten Aufbau erschaffen kann – davon können sich auch viele gegenwärtige Horrorfilme noch eine dicke Scheibe abschneiden!

Unter dem Strich ist “Tot und Begraben” ein schönes Beispiel für den frühen modernen Horrorfilm, der Gewalt und Spannung kombiniert. Klar, wer den Gewaltüberkill erwartet, wird enttäuscht und auch dem, der eine unglaublich gescheite Story haben möchte, ergeht es nicht anders. Trotzdem ist “Tot und Begraben” ein mehr als solides Horrorfilmchen mit einem bitterbösen Schlusswitz – wer die guten alten Horrortage vermisst, sollte unbedingt zugreifen.

Austattung

Leider nichts Gescheites: ausser zwei Originaltrailern (sehr witzig!) und Trailern zu anderen Filmen hat die DVD nichts zu bieten. Dabei hätten wir doch so gerne Stan Winston über die Schulter geschaut!


Seit dem 27. November 2009 im Handel.

Originaltitel: Dead and Buried (USA 1981)
Regie: Gary Sherman
Darsteller: James Farentino, Melody Anderson, Jack Albertson, Dannis Redfield, Nancy Locke
Genre: Horror
Dauer: 90 Minuten
Bildformat: 1,78:1 (16:9 anamorph)
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Trailer
CH-Verleih: Max Vision


 

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