“Dunkelblaufastschwarz” von Daniel Arévalo

Vom Suchen und Finden der Liebe

“Dunkelblaufastschwarz” von Daniel Arévalo

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Drei Geschichten um scheiternde Liebe verspinnt der spanische Regisseur Daniel Arévalo in seinem tragischkomischen Film “azul oscuro casi negro”. Im Zentrum steht der junge Hauswart Jorge, der von seinem Bruder um etwas eher ungewöhnliches gebeten wird: dessen Freundin zu schwängern. Eine feinfühlige, mal pessimistische, mal erheiternde Geschichte entwickelt sich, die nicht mitreisst, aber doch berührt.

Von Lukas Hunziker.

Trotz abgeschlossenem Studium hat es Jorge schwer, eine Stelle zu finden. Da seine Mutter tot und sein Vater pflegebedürftig ist, hat er sein ganzes Studium als Pförtner und Hauswart gearbeitet, was als Berufserfahrung nicht wirklich anerkannt wird. Während Jorge vom einen Vorstellungsgespräch zu nächsten eilt, lernt sein Bruder Antonio, der im Gefängnis sitzt, dort die bildhübsche Paula kennen, die ihn bittet, sie zu schwängern, damit sie in die Mutter-Kind-Abteilung versetzt wird. Doch bald stellt sich heraus, dass Antonio zeugungsunfähig ist. Da er sich inzwischen jedoch heftig in Paula verliebt hat und sie nicht an einen anderen Insassen verlieren will, bittet Antonio Jorge, mit Paula einen Begegnungstermin auszumachen und mit ihr zu schlafen. Jorge jedoch zögert, denn er hat sich soeben mit seiner Jugendfreundin Natalia neu angefreundet und will diese nicht betrügen. Doch auf Antonios und Paulas wiederholtes Drängen willigt er ein. Und es kommt, wie es kommen muss.

Wie der Vater, so der Sohn

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© Studio / Produzent

Den eher tristen Beziehungskisten der beiden Brüder wird eine dritte gegenüber gestellt, welche dem Film die nötige humoristische Auflockerung beifügen. Auf dem Dach von Jorges Haus beobachtet Jorges Freund Israel nämlich mit dem Fernrohr, wie sich in der Massagepraxis gegenüber Männer von einem Masseur mit Hand und Mund befriedigen lassen. Als er eines Tages auch seinen Vater dort sieht, ist er entsetzt, und beginnt diesen zu erpressen. Als er sich, um seinen Vater daran zu hindern den Masseur erneut zu besuchen, selbst auf den Massagetisch legt, realisiert er jedoch, dass er dem Wichsbonus eigentlich selbst gar nicht abgeneigt ist, und so beginnt für Israel die Suche nach Beweisen, ob er denn nun schwul ist. Israels Geschichte ist losgelöst von jener der zwei Brüder, und vermag dem Film die Schwere zu nehmen. Doch auch Jorges und Antonios Geschichte vermag immer wieder mit komischen Szenen zu erheitern, besonders, nachdem Antonio entlassen wird und bei Jorge und dem dementen Vater einzieht. Auch das Ende ist hoffnungsvoll, wenn auch nicht für alle.

Berührend in den Liebesszenen

“Dunkelblaufastschwarz” als schwere Kost zu bezeichnen ginge also zu weit, obwohl der Film ernste Themen behandelt: die Schwierigkeit für junge Menschen aus armen Verhältnissen eine Arbeit zu finden, der Gewaltalltag im Gefängnis, das Umgehen mit pflegebedürftigen Eltern. Im Zentrum steht aber die Liebe und ihre Grenzen. Für Liebeszenen (und Sexszenen) hat Daniel Arévalo jedoch ein gutes Händchen, und so wirken die Figuren und ihre Konflikte authentisch, nehmen einem immer wieder voll und ganz ein. Jorge mag man unzugänglich finden, und nicht selten fällt es schwer, seine Probleme so wirklich zu verstehen, berühren tut einen seine Geschichte trotzdem. Der Vergleich von Arévalo mit Almodóvar, welchen die DVD-Hülle ohne Angaben zitiert, mag etwas übertrieben sein, dass der Regisseur einem Platz unter den grossen Namen des Spanischen Films verdient hat, daran lässt der Film keine Zweifel.

Ausstattung

Die DVD ist mit einer Hand voll Trailern ausgestattet. Schlimm ist dies nicht – der Film spricht für sich und ist nicht als Grossproduktion angelegt, so dass das Fehlen eines ‘Making of’ verständlich ist. Das eine oder andere Interview wäre trotzdem nett gewesen.


Seit dem 18. Januar 2008 im Handel.

Originaltitel: Azul Oscuro Casi Negro (Spanien 2006)            
Regie: Daniel Arévalo
Darsteller: Quim Gutiérrez, Marta Etura, Antonio de la Torre, Héctor Colomé, Raúl Arévalo
Genre: Drama
Dauer: 100 Minuten
Bildformat: 16:9 anamorph
Sprachen: Deutsch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Französisch (nicht ausblendbar)
Audio: Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0
Bonusmaterial: Trailer
Vertrieb: Max Vision

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Spanischer Trailer
Offizielle Seite

Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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