Back to the Future

Back to the Future

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Filewile | Blueskywell

Es wurde in letzter Zeit schon viel über das neue Filewile- Album gesagt und geschrieben. Trotzdem sollte auch eine Rezension bei nahaufnahmen.ch nicht fehlen. Denn zweifellos ist „Blueskywell“ eines der besten Schweizer Alben der letzten Jahre.

Nachdem Filewile auf ihrem ersten Album „Nassau Massage“ vor allem mit Laptop und zu zweit operiert haben, sind für das neue Album viele analoge Instrumente wie Farfisa- Orgel, Space- Drum und der Bassist Mago Flück und die Sängerin Joy Frempong dazugekommen. Somit ist Filewile nicht mehr nur ein Duo, bestehend aus den beiden Produzenten Dustbowl alias Andreas Ryser und Dejot alias Daniel Jakob und zwei Laptops, sondern eine veritable Band. Das hört man dem neuen Album auch an. Ein ansehnlicher Gerätepark zieht unter der vierköpfigen Führung von Filewile in die Schlacht gegen die helvetischen Klangverschmutzung à la „die grössten Schweizer Hits“. Da gurgelt und piepst die Farfisa- Orgel – Paradebeispiel ist dafür der Song „King Of The World“ – , da scheppert die Space- Drum, da wabbert der Bass, da pfeifen und zischen die Synthesizer und darüber zieht Joy Frempong alle Register ihrer vielseitigen Stimme. Doch nicht nur die Instrumente, sondern auch bzw. vor allem der Sound von Filewile ist vielseitig. In „Iron Lady“, bei der der Rapier RQM mittut, wird in bester Dub- Manier getoastet, dann groovt in „Bug“ ein funky Hip- Hop- Beat vor sich hin. Manchmal walkt und swingt der Bass wie in „Kick The Spacedrum“ und manchmal („Sombrero Or Die“ und „One Space Town“) wummert er wie in der Disco. Es piepst wie in einem 8bit- Computerspiel („Radio Tower“) oder langsame Melodiebögen erinnern z. B. in „Codeine“ (auch mit RQM) an die melancholische Trip- Hop- Stimmung von Portishead und Co.

Doch trotz aller Vielseitigkeit hört man deutlich Filewiles Herkunft heraus. Die Platte atmet den Geist von Hip- Hop und Dub, wie ihn zum Beispiel die Berliner Untergroundhelden Jahcoozi produzieren. Deren Produzent Robot Koch hat dann auch tatsächlich den Filewile Song „Number One Kid“ remixt. 14 Songperlen haben es insgesamt auf das Album geschafft. Entstanden sind die meisten auf ihrer Mexiko- Tour Ende 2007. Gut gereift und live erprobt wurden sie dann im Studio fertig gestellt und aufgenommen. Und man merkt den Songs an, dass sie nicht nur für die CD komponiert wurden, sondern dass ein längerer Entstehungsprozess dahintersteckt. Denn was alle 14 Tracks ausmacht, ist eine grosse Portion Neugierde und Humor bei der Bearbeitung und Realisierung all ihrer Klänge, Beats, Samples und Effekten. Das sind keine Kopfgeburten, da wurde live ausprobiert und gesucht.

Das Album wurde grösstenteils mit analogen Instrumenten, Sampler und Effektgeräten aufgenommen und bearbeitet, und dann noch mit Bandmaschine und analogem Mastering veredelt, und doch ist es elektronische Musik und tönt extrem futuristisch.Den Track „Robibot“ finde ich charakteristisch für den Filewile- Sound. Joy Frempong näselt ihre abgedrehte Rhymes über ein gemütlich groovende Basslinie und einem hüpfendem Schagzeugbeat. Dazu fiept, rauscht und zirpt es aus allen möglichen Synthesizer und Klangerzeugern. Dazwischen läuft der Bass plötzlich los und Joy Frempong singt mit effektbeladener Kopfstimme obskure Melodienphrasen. Ein sehr witziges Lied, das trotzdem nicht komödiantisch oder blöd wirkt und sehr tanzbar ist. Denn trotz cheesy Sounds und skurrilen Vocals merkt man, dass die Musiker ihre Musik, auch wenn sie Spass daran haben, ernst nehmen. Insgesamt ein sehr tolles Album, dass Spass macht, tanzbar, interessant zum Hören ist und auch – textlich sowie musikalisch – ernste und melancholische Seiten hat. Es verkörpert die Musik des 21. Jahrhundert. Sehr zukunftsgerichtet, und trotzdem keineswegs avantgardistisch. Vergangene und alte Ideen, Sounds und Instrumente werden aufgenommen und neu bearbeitet und eingesetzt. Eben: Back to the Future!

Label: Mouthwatering Records

Im Netz:

http://www.filewile.com/

CD:

itunes

cede.ch

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