Die Schönheit des Schmerzes

Die Schönheit des Schmerzes

Bild:www.sony.com
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Sophie Zelmani | I’m the Rain

Mit ihrem achten Studioalbum „I’m the rain“ liefert die 38-jährige Schwedin wiederum den perfekten Soundtrack für die blauen Stunden zwischen Sonnenuntergang und nächtlicher Dunkelheit: Fragile, poetische und intime Lieder von auserlesener Schönheit, irgendwo zwischen Country und Folk und vor allem jenseits jeglicher musikalischer Modeströmungen angesiedelt.

Von Christoph Aebi

„Sophie Zelmani spielt immer wieder die gleiche Platte ein, nur besser“, schrieb vor sieben Jahren ein schwedischer Journalist in seiner Rezension zum Album „Love Affair“. Was damals galt, gilt auch heute noch: Grosse musikalische Veränderungen sind nicht die Stärke von Sophie und ihrem langjährigen Produzenten und Gitarristen Lars Halapi. Seit dem 1995 erschienenen Debutalbum ist Halapi für das musikalische Gewand von Sophies Liedern verantwortlich. Die erfolgreiche Zusammenarbeit vergleicht die Sängerin mit einer langen und geglückten Ehe. Wie in einer langjährigen Beziehung stellt sich auch beim Anhören des neusten Werks „I’m the rain“ augenblicklich eine gewisse Vertrautheit ein.

Alles an Sophies neuem Album ist von auserlesener Schönheit. Dies fängt bereits beim Coverbild der jungen, talentierten Fotografin Severus Tenenbaum mit den auf Zelmanis Rücken projizierten Textfragmenten und dem raffinierten Spiel von Licht und Schatten an. Diese zwei gegensätzlichen Pole prägen auch die poetischen und oft rätselhaften Texte der neusten Songkollektion, wobei nachdenkliche, stellenweise tieftraurige Reflexionen über die Liebe, Beziehungen und Abschied klar überwiegen. So wird in „The Years“ einer längst vergangenen Liebe nachgetrauert; „Our Man“ soll eine Person erreichen, die nicht mehr auf Erden weilt („How make a song reach the sky/how make your song reach the sky/here comes someone beautiful from below/it ain’t easy to watch him go“).

Wurde das letzte Album „The Ocean and Me“ unter Live-Bedingungen mit der ganzen Band eingespielt, begannen Sophie und Produzent/Gitarrist Lars Halapi die Arbeit an „Im the rain“ ganz allein. Nachdem Toningenieur Pontus Olsson, welcher alle vorhergehenden Alben Sophies abgemischt hatte, im Mai letzten Jahres verstarb, wurde gar ein aus reinen Demo-Versionen bestehendes Album in Betracht gezogen. Schlussendlich reiste aber trotzdem der Rest der Band bestehend aus dem Drummer Peter Korhonen, dem Bassisten Thomas Axelsson und dem neuen Keyboarder Rickard Nilsson ins Studio, um einige Songs mit ihren Beiträgen zu veredeln. „Interior Design“, eine Art Meditation über das ideale Traumhaus, geriet zu einer lyrischen und musikalischen Improvisation, bei welchem vor der Aufnahme nur zwei Akkorde und einige Schlüsselsätze bekannt waren und der Band allein die Tonart vorgegeben wurde. In „Ready“ schwingt sich die sanfte, ab und an fast nur gehauchte oder geflüsterte Stimme Zelmanis in ungeahnte Höhen, während die Band allmählich zu einem Crescendo ansetzt.

Der grösste Teil der Songs ist jedoch sparsam instrumentiert und oft nur von einer akustischen Gitarre begleitet, welche Sophies Stimme (wie beispielsweise in „Always long for May“) regelrecht umgarnt. Die glasklare, allen Schnickschnack aussparende Produktion Halapis führt diesmal noch stärker als bei den vorhergehenden Alben dazu, dass das Gefühl entsteht, Sophie sitze mit ihrer Gitarre im selben Raum und singe ganz allein für den Zuhörer. Somit ist „I’m the rain“ wohl Sophies musikalisch intimstes Album und doch ungemein kraftvoll. Wenn sie in „The Song of the Night“ nach allzu kurzen 39 Minuten „this must be the last song for you“ singt, darf nur gehofft werden, dass mit dem „you“ nicht das Publikum gemeint ist.

Label: Sony Music

Konzerte:

26. März 2010             Bern, Bierhübeli

27. März 2010            Zürich, Härterei

Im Netz:

http://www.zelmani.com

http://www.zelmani.se

http://www.severustenenbaum.com

Das nahaufnahmen.ch – Interview mit Sophie Zelmani:

https://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/24/interview-mit-sophie-zelmani/



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