“Nibelungenfieber” von Astrid Ule und Eric T. Hansen

Glaube versetzt Berge – und Nibelungenschätze

“Nibelungenfieber” von Astrid Ule und Eric T. Hansen

Über Nacht hat sich das unscheinbare Dörfchen Loch durch einen spektakulären Schatzfund in eine Touristenmetropole verwandelt. Den Einwohnern ist dies sofort klar, jetzt gilt es nur noch, die Aussenwelt davon zu überzeugen.

Von Stefanie Feineis.

nibelungenfieberAls im kleinbürgerlichen, auf vielen Landkarten schlichtweg vergessenen Dörfchen mit dem bezeichnenden Namen Loch nach einem schweren Unwetter eine goldene Kette gefunden wird, ist den Einwohnern sofort klar, was dies bedeutet: In der Nähe ihres Dorfes muss sich der sagenhafte Nibelungenschatz befinden. Schliesslich wurde dieser laut alten Schriften vor 1 600 Jahren bei „Lôche in den Rîn“ versenkt. Während der erfreute Bürgermeister sofort ein neues Ortsschild in Auftrag gibt und ein spektakuläres Festspiel zu planen beginnt, um Touristen aus aller Welt anzulocken, zweifelt man vor allem in der berühmten Nachbarstadt Worms am Verstand der Dorfbewohner und an der Existenz des Schatzes.

Andererorts…
Während die Einwohner von Loch ganz aus dem Häuschen sind, hat der erfolglose Schriftsteller Steve Gunderson andere Probleme: die Inspiration für seinen Roman will sich nicht so recht einstellen, und seine Freundin Carla ist es leid, alle Rechungen alleine zu bezahlen. Auf ihr Anraten betätigt er sich widerwillig als Journalist und schickt einen Artikel über die Stadt Krefeld an die New York Times, der auch prompt gedruckt wird – allerdings nur, da Steve mit einem etablierten Journalisten gleichen Namens verwechselt wird.

Folgen einer Verwechslung
Dennoch hat die Veröffentlichung des Artikel ungeahnte Folgen: Nur wenige Tage später erhält Steve das verlockende Angebot des Bürgermeisters von Loch, einen Artikel über die Festspielbemühungen und den Weg des unbekannten Dorfes zur Touristenmetropole und Nibelungenstadt zu schreiben. Steve erklärt sich einverstanden, und wird als berühmter amerikanischer Journalist empfangen und verwöhnt. Nur allzu bald kommt die Wahrheit ans Licht, aber weder Steve noch die inzwischen von aller Welt verlachten Locher geben so einfach auf. Schliesslich gilt es, ein nie dagewesenes Festspiel vorzubereiten und nebenbei noch den Schatz der Nibelungen zu finden. Doch existiert dieser wirklich?

Satire auf einen nationalen Mythos
Das Autorenduo präsentiert in ihrem ersten gemeinsamen Werk eine ungewöhnliche und erfrischende Satire mit vielen Wendungen und Pointen, die sich unmöglich in der Kürze dieses Artikels zusammenfassen lassen. Kleinbürgertum und grossstädtische Arroganz, Politiker und Dorfbewohner, Journalisten und Theaterregisseure, niemand ist in dieser Satire sicher vor Spott und Hohn, vor allem jedoch nicht der grosse deutsche Mythos der Nibelungen.

Neben neuen fundamentalen Erkenntnissen zum Einfluss der Nibelungen auf das moderne Leben ist hier vor allem kurzweilige Unterhaltung garantiert.

Scherz
462 Seiten, ca. CHF 26.90


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