“Die Entführung der Pelham 123” von Tony Scott

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“Die Entführung der U-Bahn Pelham 123” von Tony Scott

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Mit Remakes ist es wie mit Fortsetzungen: Kann funktionieren, kann aber auch gewaltig in die Hose gehen. Tony Scott versucht sich, mit freundlicher Unterstützung echter Hollywoodgrößen, an einer Wiederaufbereitung von Joseph Sargents “Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123”.

Von Annika Janssen.

New York am frühen Nachmittag: Es ist alles wie immer, vor allem unter der Erde, wo sich das weltberühmte U-Bahnetz der Metropole unter der Stadt entlang zieht. Gut gefüllte Bahnsteige, hektische Menschenmassen aus aller Herren Länder, für Grossstadtverhältnisse eher mässig gefüllte Bahnen. Die Rush Hour ist vorbei, der Feierabendverkehr hat noch nicht begonnen. Mit der Ruhe ist es jedoch vorbei, als eine Viererbande Krimineller eine U-Bahn, die Pelham 123, kapert und mit der Leitstelle, namentlich mit Fahrdienstleiter Walter Garber, Kontakt aufnimmt. Ryder, der Kopf der Gruppe, fordert zehn Millionen Dollar Lösegeld für seine Geiseln, und das innerhalb einer Stunde. Jede Minute Verspätung bedeutet einen Toten mehr im Waggon.

Garber, ein auf den ersten Blick unbescholtener, durchschnittlicher Angestellter der Stadt New York, hat nun die mehr oder weniger ehrenvolle Aufgabe, mit dem durchgeknallten Ryder über die Funkanlage im Gespräch zu bleiben, während die Minuten dahinrasen. Andere Gesprächspartner lehnt Ryder dankend ab – Garber ist seine Zielperson. Warum, das zeigt sich erst im Lauf der Stunde, in welcher der Wettlauf der Behörden und Garbers selbst gegen die Zeit an Fahrt aufnimmt.

Psychospiel im Beichtstuhl

Entführer Ryder bezeichnet in einer Szene des Films die Fahrerkabine, von der aus er mit Garber Kontakt hält, als einem Beichtstuhl ähnlich. Damit hat er gar nicht so unrecht. Von diesem “Beichtstuhl” aus entspinnt sich das in den vordergründig als Actionthriller erscheinenden Film eingebettete Kammerspiel, ein Psycho- und Rededuell zwischen Otto Normalverbraucher Walter Garber und dem moralisch-selbstgerecht agierenden, frustrierten New Yorker Ryder, der Macht, Geld und Prestige für sich gewinnen will – koste es, was es wolle, gegebenenfalls auch Menschenleben.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Ryder, der eiskalte Prediger der Selbstgerechtigkeit, wird sehr authentisch und spannungsgeladen verkörpert von John Travolta; Denzel Washington als besonnener und unbescholtener kleiner Beamter steht ihm in der Darstellung in nichts nach. Die beiden Schwergewichte Hollywoods, beide schon eine Weile im Geschäft, schultern den Film quasi im Alleingang und machen, abgesehen von ein paar funkensprühenden Actionszenen in und um die New Yorker U-Bahntunnel, das Remake erst sehenswert und spannend.

Dieser ist sehr gut in Szene gesetzt, wenn auch sämtliche Nebenfiguren denkbar blass wirken und die Szenen im U-Bahnabteil noch eine Prise mehr Adrenalin hätten vertragen können. Ein dynamischer Schnitt und eine schnelle Kameraführung mit diversen Ausflügen in die lange Einstellung, wenn Ryder und Garber miteinander parlieren, erzeugen zwar schon einiges an Intensität und Action, trotzdem fehlt in manchen Szenen noch die Extraportion Saft, um “Die Entführung der U-Bahn Pelham 123” zu einem Kracher allererster Güteklasse zu machen.

Trotzdem: sehenswert, mit gutem Derhbuch und gut gewählter Starbesetzung, ausserdem eine zeitgemässe Darstellung der Stadt New York. Viel mehr kann man von einem Remake auch eigentlich nicht verlangen.

Ausstattung

Die Bonus-Ecke ist reich gefüllt mit sehenswertem Material: Drehbuchautor, Regisseur und Produzent kommentieren, ein ‘Making of’ ist zu bewundern, es gibt einen Ausflug in das U-Bahn-System New Yorks und noch eine Sequenz über das Marketing für den Film. Gute Arbeit.


Seit dem 25. Februar 2010 im Handel.

Originaltitel: The Taking Of Pelham 123 (USA 2009)
Regie: Tony Scott
Darsteller: John Travolta, Denzel Washington, James Gandolfini, John Turtorro
Genre: Action/Thriller
Dauer: 102 Minuten
Bildformat: 16:9 Widescreen
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Audio: Dolby Digital
Bonusmaterial: Kommentare von Produzent, Drehbuchautor, Regisseur; Making Of, New Yorker U-Bahnsystem, Charakterstilisierung, Marketingreportage
Vertrieb: Impuls

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