„Stadt der Verlierer“ von Daniel Depp

Mehr als nur ein Krimi

„Stadt der Verlierer“ von Daniel Depp

David Spandau, ein Ex-Stuntman, der aus Altersgründen den gefährlichen Job an den Nagel gehängt hat, verdient seine Brötchen nun als Privatdetektiv. Sein neuster Auftrag lautet Bobby Dye, einen aufstrebenden Hollywood-Schauspieler mit ausgewachsenen Star-Allüren und Süchten, zu beschützen, nachdem dieser wiederholt Morddrohungen von der Mafia  bekommen hat. Doch der Auftrag gestaltet sich anders, als zunächst gedacht und endet schliesslich mit drei statt nur einem Toten.

Von Fee Anabelle Riebeling.

stadtderverliererDebütautor Daniel Depp ist mit “Stadt der Verlierer” ein grosser Wurf gelungen. Statt vielen seiner Schriftstellerkollegen zu folgen und den prominentesten Stadtteil Los Angeles weiter zu glorifizieren, gewährt er seinen Lesern einen Blick hinter die Kulissen und präsentiert vor allem die schmutzige Seite der Fassadenstadt. So lässt er seinen Protagonisten David Spandau, Ende dreissig, Ex-Stuntman und von seinem aktuellen Fall überforderter Privatdetektiv, exzentrische Schauspieler, kinobesessene Mafiabosse und emotionale Mörder treffen.

Überraschend

Was zunächst nach einem simplen Krimi mit Whiskey trinkendem und Trenchcoat und Schlapphut tragendem Protagonisten tönt, entpuppt sich als intelligente und detaillierte Skizze über die Reichen, Schönen und schön Operierten, die Skurrilen und die Strippenzieher hinter den schimmernden Kulissen der Stadt der Engel. Mit der unerwarteten Komplexität von “Die Stadt der Verlierer” und der sympathischen Coolness Spandaus erinnert Daniel Depps Debüt an die Werke von niemand Geringerem als Dashiell Hammett, Autor von Detektivgeschichten in guter, alter, amerikanischer «hard-boiled» Tradition.

Unaufgeregt und irgendwie unamerikanisch führt Depp auf 317 Seiten die dunkle Seite der Filmwelt vor – ohne es darauf anzulegen. Es handelt sich nicht um eine Abrechnung mit der Branche, sondern vielmehr um einen Insider-Bericht, verquickt mit intelligenter Fiktion und gespickt mit einer Vielzahl skurril-lakonischer Dialoge. Man mag der Geschichte umso mehr Glauben schenken, als dass das reale Bröckeln der Glitzerfassaden immer häufiger auch in den hiesigen Medien gemeldet wird. Die Tode Michael Jacksons und Brittany Murphys sind nur zwei Beispiele für das tatsächliche, hässliche Gesicht der Stadt der Engel.

Familienbande

“Stadt der Verlierer” ist ein herrlich böser Roman aus und über Hollywood – aus der Feder eines Kenners der berühmten Glitzerwelt: Johnny Depps grossem Bruder Daniel Depp. Dem Älteren nun vorzuwerfen, Profit aus der überaus erfolgreichen Filmkarriere seines Bruders schlagen zu wollen, wäre vollkommen falsch. Daniel Depp hat sich als Drehbuchautor bereits selbst einen Namen erarbeitet und war für «The Brace», bei dem der Jüngere wiederum Regie führte, sogar für die Goldene Palme nominiert.

Und man kann Johnny Depp nur zustimmen, wenn er in “USA Today” schwärmt “Was für ein Buch! Ich bin wahnsinnig stolz auf meinen Bruder!”. Was zunächst als PR-Hilfe missverstanden werden könnte, wird hinterher auch das Fazit der Leser sein. Und die können sich bald schon wieder freuen, denn der Autor arbeitet bereits an einer Fortsetzung der David-Spandau-Reihe.

C. Bertelsmann Verlag,
320 Seiten, ca. CHF 34,90

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.