“Gomorra” – von Matteo Garrone

Probleme lösen, die andere schaffen

“Gomorra – Eine Reise ins Herz der Mafia” von Matteo Garrone

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Kein Glamour, keine Ehre, kein Erbarmen. An ihrer Stelle herrschen Mord, Verrat und krumme Geschäfte. Garrone inszeniert “Gomorra” mit unerbittlicher Kälte und zeigt das wahre Gesicht der süditalienischen Mafia und ihre Herrschaft über die Provinzen von Neapel und Caserta.

Von Jekaterina Mazara.

Nach dem Bestseller von Roberto Saviano wird in diesem Film eine ebenso nüchterne und keineswegs beschönigende Studie der süditalienischen Mafia gezeigt. In Scampia, einem der trostlosen Vororte Neapels, herrschen Verbrecher. In den Ruinen, die sich Wohnhäuser nennen, leben Menschen der ärmsten sozialen Schichten. Hoffnung auf eine bessere Zukunft nähren nicht Politiker, sondern Verbrecher.

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© Studio / Produzent

Die etwas andere Gemeindeverwaltung

Die Camorra ist soziale Behörde, sie ist das Amt und das Gesetz. Fügen müssen sich dem alle, eine Chance gegen die Mafia hat keiner. Wer mitmacht und alles akzeptiert, hat die Möglichkeit auf ein geregeltes Einkommen und etwas Sicherheit. Die Angehörigen von getöteten Camorra-Mitgliedern werden von der Organisation versorgt. Wer jedoch die Seiten wechseln will, überlebt nicht lange. Der Film zeigt in fünf Episoden die Schicksale verschiedener Menschen, die in die Machenschaften der Mafia hineingeraten. Die Organisation muss einwandfrei funktionieren. Rekrutiert werden Mitglieder wie der 13-jährige Toto schon sehr früh. Wer sich nicht an die Regeln hält und versucht, seine eigenen Geschäfte voranzubringen, der wird sehr bald aus dem Verkehr gezogen, so wie zwei junge Männer, die mit gestohlenen Waffen eigene Pläne verwirklichen wollen.

Mit Müll zu europäischen Standards und globalem “Ruhm”

Die Darstellung der Geschäfte der Camorra trägt durchaus einen ironischen Unterton. So blickt ein Camorra-Mitglied auf Berge von toxischem Müll, die er in allen möglichen Erdlöchern der Landschaft vor ihm verstaut hat und bemerkt, er mache die Region um Neapel fit für den europäischen Markt. Der Film zeigt auch einen jungen Mann, der aus dem Geschäft der Mafia aussteigen will. Pasquale (Salvatore Cantalupo) ist ein junger Schneider, der als Schwarzarbeiter Kleider für grosse Mailänder Modehäuser anfertigt. Als er sich von der chinesischen Marken-Fälscher-Konkurrenz anwerben lässt, erfährt er jedoch, dass er in dieser Welt nicht einfach einen anderen Weg gehen kann. Die Chinesen werden von der Camorra ausgeschaltet, Pasquale kommt mit dem Leben davon, ist jedoch entmutigt und kraftlos. In einer bitter-ironischen Szene sieht man das “dreckige”, kleine Leben mit dem grossen, glamourösen verbunden als Pasquale in einer Bar vor einem Fernseher sitzt; er sieht Scarlett Johansson auf dem roten Teppich in einem seiner Kleider. Die Trostlosigkeit und Korruption der Camorra-Welt hängt auf eine grausame Weise mit dem “fitten” globalen Markt zusammen.

Der Autor des Buches musste nach Morddrohungen abtauchen, was für die Genauigkeit des Bildes, das in der Vorlage für diesen Film gezeichnet wird, spricht. Der Film nimmt Aussenstehende nicht minder gnadenlos und gewaltsam in die Wirklichkeit des organisierten Verbrechens mit.


Seit dem 13. März 2009 im Handel.

Originaltitel: Gomorra (Italien 2008)
Regie: Matteo Garrone
Genre: Drama
Darsteller: Salvatore Abruzzese, Simone Sacchettino, Salvatore Ruocco
Dauer: 135 Minuten
Bildformat: 16:9
Sprachen: Italienisch (Napoletanisch), Deutsch, Französisch
Untertitel: Italienisch, Deutsch, Französisch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Trailer, Interviews mit den Schauspielern
Vertrieb: Impuls

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