“Chloe” von Atom Egoyan

Dreiecksbeziehungen funktionieren nicht

“Chloe” von Atom Egoyan

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Atom Egoyan ist vielen spätestens seit “Das süße Jenseits” (The Sweet Hereafter) ein Begriff. Nun legt er mit “Chloe” sein neustes Werk vor, von dem er selbst behauptet, es sei sein erster Hollywood-Film. Kann das gut kommen? Kann es, wenn auch mit einigen Abstrichen. Das Resultat ist ein spannender, ästhetisch bemerkenswerter Film mit Ecken und Kanten.

Atom Egoyan verfilmt hier keine neue Geschichte. Es ist eine Neuverfilmung des französischen Films “Nathalie” (Anne Fontaine, 2003). Man mag das bemängeln und dem Film vorwerfen, er sei ein weiteres unnötiges Remake. Die Diskussion ist müssig, denn man sollte einen Film für sich alleine bewerten. Egoyan verfilmt hier durchaus eine andere Geschichte, hat das Drehbuch selbst aber gar nicht geschrieben. Mit seiner Selbsteinschätzung, dass dies sein erster Hollywood-Film sei, hat er sicherlich zu weiten Teilen recht. Mit Ivan Reitman steht auch ein entsprechender Hollywood-Produzent hinter dem Film. Anders als Egoyans bisherige Filme spricht Chloe mehr die breite Masse an: Sicherlich kein Blockbuster, doch auch kein Nischenfilm.

Die etwas andere Dreiecksbeziehung

Gynäkologin Catherine (Jullianne Moore) und Musikprofessor David (Liam Neeson) sind bereits viele Jahre verheiratet, haben einen beinahe erwachsenen Sohn Michael (Max Thieriot) und führen ein ganz erfolgreiches Leben. Doch als die Überraschungsfeier für Davids Geburtstag ins Wasser fällt, weil er angeblich den Flug nach Toronto verpasst, schleicht sich Misstrauen in die Beziehung. Ausgehend von einem verräterischen SMS meint Catherine schliesslich, dass ihr Mann sie betrüge. Das häufige Flirten mit jüngeren Frauen bestätigt sie in dieser Vermutung immer mehr. Schliesslich wendet sie sich an das Callgirl Chloe, um ihren Mann in eine Falle zu locken und so die Bestätigung für ihre Vermutungen zu erhalten. Leicht zu erahnen, dass das Vorhaben schliesslich aus dem Ruder läuft und Chloe das Leben der ganzen Familie durcheinanderbringt.

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© Studio / Produzent

Klischees und was man daraus macht

Gerade mit dem Callgirl Chloe wird stark mit Klischees gearbeitet. Doch auch sonst erkennt man rasch das Muster hinter den Figuren: Die nicht mehr ganz so junge Ehefrau, die sich selbst nicht mehr als attraktiv wahrnimmt; der Ehemann, der sich keiner Schuld bewusst ist, und ihr Sohn, der lieber heute als morgen von Zuhause ausziehen würde. Doch die Hauptdarsteller schaffen es dank ihrer hervorragenden schauspielerischen Leistungen, sehr viel aus diesen Klischees herauszuholen. Leider täuscht dies nicht über einige Plotschwächen hinweg: So erscheint es doch etwas unglaubwürdig, dass Catherine ihren Mann nicht einfach zur Rede stellt, vor allem als die Dinge bereits einen eindeutigen Verlauf genommen haben. Die Ansätze zur Erklärung sind zwar erkennbar, doch zu schwach und gehen in der ganzen Aufregung verloren.

Egoyans Handschrift

Auch wenn Atom Egoyan das Drehbuch nicht geschrieben hat und sich der Film von seinen früheren Werken durchaus unterscheidet, ist seine Handschrift in Kamera und Bild klar zu erkennen. Seien es nun die szenischen Bilder der Stadt Toronto oder die Portraits der Schauspieler: Die Ästhetik ist unverkennbar. Insofern stimmt Egoyans Aussage, dass dies sein erster Mainstream-Film ist nur zum Teil. Wären mehr Mainstream-Filme wie Chloe, würden sich wohl so manche Kinogänger freuen. Umgekehrt braucht auch dieser Film sein Publikum und wird wohl nicht für alle zugänglich sein – Mainstream hin oder her.


Ab dem 13. Mai im Kino.

Originaltitel:  Chloe (Kanada, Frankreich, USA 2009)            
Regie: Atom Egoyan
Darsteller: Julianne Moore, Liam Neeson, Amanda Seyfried, Max Thieriot
Genre: Drama, Erotik, Thriller
Dauer: 96 Minuten
CH-Verleih: Frenetic Films

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