„Das Spezielle liegt im Detail“

„Das Spezielle liegt im Detail“

Bild: Brigitte Fässler
Bild: Brigitte Fässler

Interview Len Sander 17.5.2010

Sie haben eben die wunderbare EP „Organik“ aufgenommen, ein kleines Schmuckstück mit vier Songs, das den sphärischen, detailverliebten Sound von Len Sander bestens wiedergibt. Ein Sound, wie geschaffen für lange und laue Sommernächte auf Dachterassen, an Seeufern oder am Meer. Ihre kleine „Tour de Suisse“ steht mit dem Konzert im Hive vom nächsten Donnerstag vor dem Abschluss und gibt der Band Zeit sich für weitere Grosstaten im Übungskeller zu verschanzen. nahaufnahmen.ch traf sich mit dem Multiinstrumentalisten Simon um über die Tour, ihre EP und den geheimnisumwobenen Bandnamen Len Sander zu diskutieren.


nahaufnahmen.ch: Was zieht ihr nach den ersten beiden Konzerten in Frauenfeld und Bern für ein Fazit? Wie war es für euch nach vielen, vielen Stunden im Übungskeller die Songs nun live zu präsentieren?

Len Sander: Wir haben uns wirklich verdammt lange, praktisch ein Jahr, auf diese Konzerte vorbereitet. Wir wussten schon von Anfang an, dass es eine Herausforderung sein wird, da wir nicht die grossen Bühnensauen sind, eine Live-Show aber immer auch ein gewisses unterhaltendes Element haben muss. Eine Show halt, bei der man nicht einfach seine Musik „spielen“ kann, so wie das im Übungskeller der Fall ist. Es ist auf der Bühne einfach anders als im Proberaum, wir waren uns auch nicht sicher ob die Songs überhaupt bühnentauglich sind. Kommt das gut an? Springt der Funken zum Publikum? Doch wir waren positiv überrascht, das Publikum hat unsere Musik gut aufgenommen. Es kamen jeweils viel mehr Leute zu den Konzerten, als wir uns dachten oder erhofften. Man merkt mit der Zeit wie es auf gewisse Songs reagiert, wie es mitgeht wenn ein Song abgeht. Andererseits gab es Songs wo wir dachten, dass sie voll abgehen, aber die Reaktion des Publikums dann eher verhalten war. Daran müssen wir noch ein wenig feilen, an der Dramaturgie der Show, wie wir es aufbauen, wann die eher langsameren Songs kommen und wann die Songs, die mehr abgehen. Das Publikum akzeptiert uns jedoch so wie wir sind, sie wissen, dass man sich bei uns auch mal zurücklehnen und einem Solo oder einem Soundkonstrukt zuhören kann, wo das Spezielle halt in den Details liegt.

nahaufnahmen.ch: Ihr habt kürzlich die EP „Organik“ mit 4 Songs im Studio aufgenommen, wie geht’s nun weiter? Bleibt ein „ganzes“ Album immer noch das Ziel?

Len Sander: Nun, wir standen vor der Frage, ob wir ins Studio gehen, Geld investieren und ein Album aufnehmen sollen. Doch wir entschieden uns für eine erste Konzertreihe und parallel für die EP. Das Aufnehmen der EP hat viel Spass gemacht und wir haben so unseren Sound gefunden. Theoretisch könnten wir uns vorstellen im Halbjahrestakt weitere EPs gratis ins Netz zu stellen. Dies wäre ein Konzept, das uns eigentlich gefällt, denn in der Schweiz lässt sich mit Albumverkäufen nur schwer Geld verdienen, ausser man ist international bekannt oder ist besonders massentauglich. Andererseits, reizt es uns natürlich schon auch mit der ganzen Band in ein grosses Studio und ein ein ganzes Album mit 12 Songs zu produzieren.

nahaufnahmen.ch: Wie entstehen bei Len Sander neue Songs? Ihr seid ja zu sechst, gibt es da eine treibende kreative Kraft, oder entstehen die Songs gemeinsam?

Len Sander: Früher kam jemand mit einer Idee in die Probe und dann wurde dies gespielt und zusammen zu einem Song entwickelt. . Das war jedoch zum Teil ziemlich mühsam, vor allem wenn zu viele Ideen aufeinandertreffen. Dann wird es kompliziert, man fragt sich in welche Richtung man gehen soll. Deshalb braucht es einen Chef, jemanden der entscheidet wie es gemacht wird. Und dies ist derjenige der die ursprüngliche Idee hatte. Mittlerweile zeichnet sich ab, dass wir bereits mit vorgefertigten Songs kommen und diese dann unter der Leitung des Initianten umgesetzt werden.

nahaufnahmen.ch: Gibt es dabei auch Reibungen unter euch, wenn gewisse Ideen auf Zustimmung oder Ablehnung bei bestimmten Bandmitgliedern treffen?

Len Sander: Natürlich, das gibt es sehr oft. Wenn ein Song verdammt gut ist, finden es meistens auch alle verdammt gut. Es gibt aber auch viele Ideen, die nicht allen gleich gut gefallen. Dann ist aber klar, dass der mit der Idee entscheidet in welche Richtung es gehen soll. Es ist sein Song, seine Idee und sein Konzept und es ist frustrierend, wenn die Band dann etwas anderes daraus machen will. Aber klar, es gibt Reibungen, das ist auch normal, da muss man halt auch mal zurückstecken. Wir können ja auch nicht tagelang darüber diskutieren. Deshalb ist man manchmal froh, wenn derjenige mit der Songidee, die Richtung vorgibt und sagt: „Wir machen das jetzt so.“

nahaufnahmen.ch: Ihr arbeitet und/oder studiert ja nebenbei alle noch. Habt ihr euch je vorgestellt wie es wäre, wenn ihr euch alle vollzeitlich der Musik widmen könntet? Ist dies ein Ziel, auf das ihr hinarbeiten wollt?

Len Sander: Mittelfristig werden wir so weitermachen wie bisher. Alle werden ihre Ausbildungen abschliessen und haben nebenbei andere Tätigkeiten und Projekte am Laufen. Dies wird bis zu einem gewissen Grad wohl auch immer so bleiben. Die Option, dass wir mehr Musik machen werden, ist sicher offen und eigentlich auch das Ziel. Wenn wir am Sounden sind, dann tun wir das so als gäbe es nur ein Ziel, alles andere würde uns nicht weiterbringen (lacht).

nahaufnahmen.ch: Viele Leute fragen sich ja, was Len Sander eigentlich bedeutet? Wer ist dieser Len Sander? Oder was ist Len Sander? Wird dieses Geheimnis je gelüftet?

Len Sander: Das ist ein Mythos, ein Geheimnis, ein Fantasiename, der niemals gelüftet werden wird (lacht). Nein, wir wollten einfach etwas, dass nichts Spezifisches aussagt. Ein Name, der nicht schon im Vornherein verrät, was für eine Musik wir machen oder woher wir kommen. Es sollte etwas Neutrales sein, wo sich verschiedenste Musikstile dahinter verbergen können. Wir haben ja auch lange nach unserem Stil, nach unserem Sound gesucht. Die Bandbreite ist nach vor gross, doch ich habe das Gefühl, dass wir mit unserer Tour nun so richtig unseren Sound gefunden haben – den Len Sander Sound.

Die EP „Organik“ gibt es als gratis Download auf der Website:

www.lensander.com

Len Sander Live im Hive, Zürich, 20.5.2010, 22:00

http://www.hiveclub.ch/programm/programmdetails/index.html?id=19852

Tickets:

www.starticket.ch

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