Beachtenswerte Entwicklung einer jungen Band

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www.foals.co.uk
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Foals – Total Life Forever

Die Foals (deutsch: Fohlen) aus Oxford bringen rechtzeitig zum Sommer ihr zweites Album „Total Life Forever“ auf den Markt. Die Messlatte wurde mit ihrem grandiosen Debüt „Antidotes“ hoch gesetzt, doch scheinen die Jungs mit ihrem Zweitling bereits in eine höhere Liga aufgestiegen zu sein. Statt auf der alten Erfolgswelle zu reiten beweisen sie Mut zur Weiterentwicklung und liefern uns mit „Total Life Forever“ ein ideales Album für sommerliche Abende.

Im Jahre 2008 tauchten die 5 Briten mit ihrem Debütalbum „Antidotes“ quasi aus dem Nichts auf und überzeugten die Kritiker unisono. Ihr frischer Mix aus Math-Rock, Pop und Dance gehörte sicherlich zu den grössten musikalischen Entdeckungen des Jahres. Die Platte hatte es wahrlich in sich und wurde nicht nur bei jedem Fest unter Freunden zum grossen Renner, sondern erwies sich zudem als überaus clubtauglich. Bereits beim Debüt-Album war also zu erkennen, dass in den jungen Briten ein gewaltiges Potential steckt und dass es sich hierbei definitiv um keine Eintagsfliege handeln kann.


„Total Life Forever“ heisst nun der zweite Schlag der Foals. Bereits im Vorfeld wurde das Album gross angekündigt und zugleich auch das Schmankerl „Spanish Sahara“ präsentiert. Schon beim ersten Hören merkte man, dass sich im Sound der Briten etwas Massgebliches verändert hat. „Total Life Forever“ wird kein zweites „Antidotes“, soviel kann vorweg genommen werden. Die abrupten Tempowechsel und überraschenden Wendungen, prägende Elemente des Vorgängers, suchte man im Vorab-Song vergebens. Vielmehr wich das organisierte Chaos einer emotionalen, sich langsam aufbauenden Melodie, welche sich nach einem kurzen Ausbruch wieder im Nichts auflösen soll. Mit grosser Spannung konnte also Album Nummer 2 erwartet werden, wobei beim ersten Durchgang die eingefleischte  Antidotes-Anhängerschaft wohl die treibenden Gitarren und die typischen Breaks vermissen wird. Auf die theoretische Auseinandersetzung wurde bei „Total Life Forever“ nach eigenen Angaben bewusst weniger Augenmerk gerichtet. Die Songs kommen leichtfüssiger und damit auch eingängiger daher, eine Prise Pop ist definitiv auszumachen. Auch wird Sänger Yannis Philippakis’ Stimme viel bewusster eingesetzt und verleiht dem Sound dadurch mehr Melodie und Gefühl. Ganz allgemein scheinen die Jungs den Fuss ein wenig vom Gaspedal genommen zu haben und so lässt einem der sphärische Sound stellenweise gar an die minimalistischen, bis auf die Knochen reduzierten Songstrukturen der Newcomer von The XX erinnern. Doch haben die jungen Fohlen das rocken keineswegs verlernt. Zwischen träumerischen Abschnitten tauchen stets auch wieder die typischen Breaks, abrupte Tempowechsel und allerlei Elektrogezirpe auf, welche einem unweigerlich zum mitwippen veranlassen. Die Briten haben ihre alten Schemata und Muster bewusst durchbrochen und sich in eine neue Dimension bewegt.  Keine andere Band scheint so viele verschiedene Genres aufzusaugen und daraus einen derart eigenständigen Sound zu schaffen. Mit ihrem Zweitling „Total Life Forever“ haben Foals bereits jetzt ein musikalisches Highlight im 2010 geliefert, wenn nicht sogar die beachtenswerteste Entwicklung im doch recht zähen Einheitsbrei der britischen Indieszene hingelegt.

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