“This Is Love” von Matthias Glasner

Was fehlt: Liebe.

“This Is Love” von Matthias Glasner

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Die Einsamkeit und was sie mit Menschen macht, die (fehlende) Liebe und wo man sie sucht, ob und wie man sie findet und verliert – zähe Brocken, furios und psychologisch anspruchsvoll verfilmt mit grandiosen Hauptdarstellern und hirnzerfräsender Szenerie.

Von Annika Janssen.

Bevor Maggies Mann vor 16 Jahren verschwand, sagte er nicht mal, er wolle eben Zigaretten holen gehen. Er sagte gar nichts und war von  einem Tag auf den anderen einfach weg. Seitdem ist die Kommissarin, die unterwegs im auf den Verlust folgenden Tal der Tränen auch ihre Tochter mehr oder weniger verlor, immer knapp neben der Überholspur unterwegs. Gelegenheitsliebhaber, meist Saufkumpanen, lange und einsame Abende und vor allem ein Vollrausch nach dem anderen füllen die Leere.

Dann tritt Chris in ihr Leben, ein stoisch schweigender Verdächtiger, den sie mehrere Tage am Stück in beengender Umgebung und Atmosphäre vernimmt. Chris werden die Entführung eines vietnamesischen Mädchens sowie ein Mord vorgeworfen. Ursprünglich fungierte Chris gemeinsam mit seinem Freund Holger nur als Schlepper für die Kinderprostituierte Jenjira, die nach Europa gebracht und dort an Adoptiveltern verkauft werden sollte – die Beziehung der beiden lief jedoch aus dem Ruder. Im Laufe des Verhörmarathons entwickeln Maggie und Chris eine merkwürdige Beziehung, die beiden emotionale Höchstleistungen abverlangt.

Filmisches Psychogramm

Dass Matthias Glasner psychologisch tiefgründige und anspruchsvolle, in Puzzleform arrangierte Filme liegen, hat er schon mit „Der freie Wille“ bewiesen. Mit „This Is Love“ tut er es erneut: der Film ist eine Herausforderung, er ist anspruchsvoll, geht in die Tiefe und an Grenzen, sowohl was die Psychologie seiner Figuren angeht als auch die teils angedeutet pädophilen oder nach Suizidgefahr riechenden Szenen.

In verschachtelten, aber dennoch schlüssig arrangierten Bildern zeigt Glasner mit beklemmender Eindringlichkeit die Leere und Dunkelheit in den Köpfen und Herzen seiner Protagonisten; zeigt zarte Anflüge von Liebesbedürfnis und Hingabe, um dann wieder kalte Distanz und emotionale Abgestumpftheit entgegenzustellen.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Corinna Harfouch als seelisch gebrochene Schnapsdrossel und verzweifelte Mutter spielt sich die Seele aus dem Leib und auch Jens Albinus als apathischer Mörder gibt dem Film seine besondere Note. In den Nebenrollen glänzen Jürgen Vogel und Lisa Nguyen; das restliche Ensemble wirkt gegen dieses Quartett eher blass.

Kameraführung und Musik verstärken die von verstecktem Leid und Beklemmung geprägte Atmosphäre; die vergleichsweise spärlich gehaltenen Dialoge tun ihr übriges. „This Is Love“ ist ein Film mit einigen Längen, dem ein paar weniger stille Momente gut getan hätten; er ist anspruchsvoll und fordert die Geduld und Auffassungsgabe des Zuschauers.

Sehenswert ist er ohne Frage, nur einlassen muss man sich darauf. Dann entfaltet sich ein hervorragend umgesetztes Psychodrama aus deutschen Landen, das zurecht in der Auswahl des Filmfestivals in San Sebastian dabei war.

Ausstattung

Als Nachschlag zum Hauptfilm gibt es noch 40 Minuten lang geschnittene Szenen mit Audiokommentar des Regisseurs zu sehen, ebenfalls ein Interview mit Glasner, sowie die eher verzichtbare Fotogalerie und der Trailer. Nicht bombastisch, aber sehenswert.


Seit dem 20. Mai 2010 im Handel.

Originaltitel:    This Is Love (Deutschland 2010)    
Regie: Matthias Glasner
Darsteller: Corinna Harfouch, Jens Albinus, Lisa Nguyen, Jürgen Vogel
Genre: Drama
Dauer: 106 Minuten
Bildformat: 2.35:1
Sprachen: Deutsch
Untertitel: Englisch
Audio: Stereo DD
Bonusmaterial: geschnittene Szenen, Audiokommentar, Interview mit dem Regisseur, Fotogalerie, Trailer
Vertrieb: Impuls

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