“Alles wird gut” von Angelina Maccarone

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“Alles wird gut” von Angelina Maccarone

Es braucht nicht immer einen auf Zelluloid gebannten Aufmarsch der Moralapostel, um gesellschaftspolitische Denkanstösse in Filme zu packen. Dies beweist Angelina Maccarone mit dieser 1998 entstandenen TV-Produktion  über die Lebenswelten und -realitäten dreier afrodeutscher lesbischer Frauen.

Von Annika Janssen.

ALLESWIRDGUT_dvd.inddNabou und Katja sind frisch getrennt. Während Technojüngerin Katja schnell wieder neuen Liebschaften frönt, verbringt Nabou ihre Tage frustriert und Schokolade essend in der Badewanne dümpelnd. Als sie jedoch eines Tages feststellt, dass die Nachbarin der Ex-Freundin, Kim, eine Haushaltshilfe sucht, rafft sie sich wieder auf und übernimmt den Job. Während Nabou in geheimer Mission und stets nach oben zur Verflossenen lauschend versucht, das Chaos in den Griff zu bekommen, ist Karrierefrau Kim eher wenig angetan von ihrer neuen Gehilfin. Zu ungeschickt und unkonzentriert geht Nabou zu Werke; zu anspruchsvoll und gestresst ist Kim. Dementsprechend oft kommt es zwischen den beiden Frauen zu Reibereien – und irgendwo zwischen all dem Herzschmerz, Gezanke und Gezicke beider Frauen (denn auch Kim ist in eine nicht ganz definierbare Beziehungskiste mit einem Kollegen verwickelt) kommt es, wie es kommen muss: beiden Frauen wird klar, dass sich das, was sie wirklich wollen, eigentlich direkt vor ihrer Nase befindet.

Homosexueller Biedermeier

„Alles wird gut“ ist aus dem Jahr 1998, und das merkt man dem erst jetzt auf DVD neuaufgelegten Werk auch an: Frisuren, Klamotten, Sprache und Verhalten der Charaktere, filmische Mittel – alles riecht nach Neunzigern. Was an und für sich gar nicht schlimm ist, denn der Nachfolger des ersten Maccarone-Films „Kommt Mausi raus?“ hat durchaus Tempo, Witz und gelegentlich sehr geistreiche Dialoge, durchmischt mit gesellschaftskritischen Denkanstössen zu bieten. Letztere weniger mit Fokus auf der Homosexualität der Hauptfiguren, sondern auf ihrer Hautfarbe.

Dennoch schafft es der Film nicht, als kluge gesellschaftskritische Komödie restlos zu überzeugen; zu konservativ und vorhersehbar ist die Handlung (natürlich wird am Ende alles gut!), zu aufgesetzt wirken manche Szenen und Dialoge und zu wenig engagiert und emotional sind die Darstellerinnen über weite Strecken des Filmes.

Letztendlich wirkt der Film zwar – nicht nur mit Blick auf die Darstellung der Lebensrealität von Afrodeutschen und Homosexuellen in Deutschland 1998 – authentisch und gut durchdacht, jedoch fehlt es schlussendlich an genug Biss, Abwechslung und vor allem Spannung und Spritzigkeit in der Story, um wirklich herauszustechen und in die Liste der wirklich sehenswerten „Special Interest“-Produktionen zu gelangen.  Selbst für seine Zielgruppe ist der Film wegen der eher mässigen Unterhaltsamkeit dann doch nicht uneingeschränkt empfehlenswert. Solide, aber gewiss nicht überragend.

Ausstattung

Es gibt auf der DVD noch den Kinotrailer und einen Bericht über die Premiere bei der L-Filmnacht in Berlin zu sehen.


Seit dem 27. April 2010 im Handel.

Originaltitel: Alles wird gut (Deutschland 1998)    
Regie: Angelina Maccarone
Darsteller: Kati Stüdemann, Chantal De Freitas, Isabella Parkinson, Pierre Sanoussi-Bliss
Genre: Komödie, Romanze
Dauer: 88 Minuten
Bildformat: 16:9
Sprachen: Deutsch
Untertitel: –
Audio: Dolby Digital
Bonusmaterial: Kinotrailer,  Premiere bei der L-Filmnacht
Vertrieb: Praesens

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