“Sherlock Holmes” von Guy Ritchie

Gestatten: Holmes, Sherlock Holmes. Allerdings der neue.

“Sherlock Holmes” von Guy Ritchie

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Man könnte nun etwas über Reboots erzählen, jene Filme, die altbekannte Serien und Franchisen aufnehmen und neu verwursteln. Man könnte jammern, wie schlimm es ist, dass die liebgewordenen alten Helden plötzlich auf neu getrimmt und für die MTV-Generation umgezogen werden. Man könnte, ja man könnte vieles – man könnte aber auch einfach nur sagen, dass Guy Ritchies Neuauflage zu Englands Hausschnüffler Sherlock Holmes richtig gut geworden ist.

Von Alexander Sigrist.

“Sherlock Holmes” von Guy Ritchie, prominent besetzt mit Robert Downey Jr. (grandios!) und Jude Law (grandios weil Gegenpunkt zu Downey), ist richtig gut geworden. Punktum. Warum? Nun, ehrlich gesagt, nicht wegen der Story. Die ist schnell erzählt, schlägt zwar schon den einen oder anderen Hacken, holt aber keine Katze hinter dem Ofen hervor.

Es geht um den englischen Schnüffler, der den bösen Lord Blackwood einbuchtet – dieser wird dann auch fachgerecht gehängt, verschwindet jedoch wenig später aus seinem Grab. Und dann fangen plötzlich Leute an zu sterben. Klar, ein Fall für Sherlock Holmes. Und seinen Getreuen Watson, der allerdings nicht ganz so getreu und freiwillig bei der Sache dabei ist. Ehrlich gesagt: die Story bietet nicht sonderlich viel. Eine Krimi-Story halt, jedoch ohne wirkliche Überraschungen und Tiefgang. Wer Holmes seinen schwersten Fall lösen sehen will, der ist fehl am Platz und muss wahrscheinlich auf Teil 2 oder 3 warten.

Aber: “Sherlock Holmes” ist richtig gut geworden. Und das liegt einerseits, oder vielleicht vor allem, an den Schauspielern. Robert Downey Jr. ist grandios, verkörpert er den Detektiv fern von Pfeifen- und Geigenromantik als draufgängerischen Schläger mit einem Hang zum Alkohol und zur Psychose. Und dann ist da Jude Law als Gegenstück zu Holmes: ein Saubermann, oder halt einer, der seine wilde Zeit hinter sich lassen und häuslich werden will – ganz zum Missfallen von Holmes natürlich. Und “Sherlock Holmes” ist so gut geworden, weil die Chemie zwischen den beiden stimmt: wann immer die beiden zusammen sind, gibt es gute Dialoge, witzige Szenen, ja, man möchte meinen, man ist in einem Buddy-Movie der alten Schule. So bietet der Film fernab von der dünnen Story eine Geschichte zwischen zwei Männern, die sich einfach nicht ohne einander können, was im Grunde genommen viel unterhaltsamer ist, als die eigentliche Story.

Aber das ist noch nicht alles…

Nein, “Sherlock Holmes” ist auch richtig gut geworden, weil Guy Ritchie auf dem Regie-Stuhl sitzt und nicht das Gefühl hat, einen typischen Ritchie-Film abliefern zu müssen. Viel eher macht er einen Sommer-Abend-Popcorn-Film, eine gelungene Gradwanderung zwischen Action und Komödie, Spass und Schauwert. Inszenatorisch gibt er sich wild, im Rahmen des Machbaren: da gibt es eine Zeitlupe, dort eine tolle Kameraeinstellung, da eine interessante Idee – “Sherlock Holmes” ist kein visuelles Experiment, sieht aber nicht aus wie der typische Blockbuster. Dass Ritchie diesen eigenen Stil in der Produktion durchboxen konnte, muss ihm angerechnet werden: so ist “Sherlock Holmes” ein Film, der seine Handschrift trägt und trotzdem das Mainstream-Kino bedient.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Dies gilt im Übrigen auch für die Musik. Denn “Sherlock Holmes” ist richtig gut geworden, weil Hans Zimmer die Musik geschrieben hat und sich fernab seiner üblichen Pömpösität bewegt. So hört man, wieder für das Mainstream-Kino untypische, folkische Klänge, die zu Recht mit einer Oscar-Nomination bedacht wurden: Hans Zimmer zeigt endlich wieder, dass er ein grossartiger Komponist ist und mehr als nur Tätätätäeräte-Melodien aus dem Hut zaubern kann.

Und schliesslich ist “Sherlock Holmes” richtig gut geworden, weil er Ecken und Kanten besitzt und nicht perfekt ist. Oder anders gesagt: “Sherlock Holmes” ist zwar ein Event-Movie, aber kein glattgebügeltes. Nicht alle visuellen Element sind perfekt, die Zeitlupen mögen bisweilen übertrieben und überbrutal sein und auch an der Neuinterpretation des alten Detektives wird nicht jeder Gefallen finden – wer allerdings ein schön anzusehendes Filmchen sehen möchte, welches gut besetzt ist, gute Action und einfach Unterhaltung bietet, dem sei eines gesagt: kaufen gehen. Sofort.

Austattung

Die DVD wird in zwei Version auf den Markt geworfen: einmal als mager ausgestatte Amaray (Trailer und Making of) und einmal als Steelcase mit einer Bonus DVD, die gut 45 Minuten an unterschiedlichen Featuretten bietet.


Seit dem 28. Mai 2010 im Handel.

Originaltitel: Sherlock Holmes (Deutschland, USA 2009)
Regie: Guy Ritchie
Darsteller: Robert Downey Jr., Jude Law, Rachel McAdams, Mark Strong, Kelly Reilly
Genre: Action-Komödie
Dauer: 123 Minuten
Bildformat: 1,78:1 (16:9 anamorph)
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Trailer, Making of. Steelcase zusätzlich mit Bonus DVD mit 45 Minuten an Featuretten
CH-Verleih: Warner

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Offizielle Seite

Ein Gedanke zu „“Sherlock Holmes” von Guy Ritchie

  • 06.07.2010 um 12:15
    Permalink

    Von einer Neuinterpretation zu sprechen ist ein Fehler, den viele Medien machen. Man müsste eigentlich fairerweise sagen, dass dieser Holmes der literarischen Vorlage gerechter wird als die Basil Rathbone Filme und andere bekannte Holmes-Serien. Ein Gentleman war Holmes in den Geschichten von Arthur Conan Doyle nur selten, das chaotische, oft arrogante und drogenabhängige Genie, welches er für Watson war, wurde nie wirklich radikal genug auf die Leinwand gebracht. Hier jedoch ist er, der Holmes, der einem nicht geheuer ist, mit dem es sich nur schwierig lebt. Es ist nicht auszuschliessen, dass Doyle sich über Richies Sherlock Holmes wohl am meisten gefreut hätte.

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