NIFFF 2010 – Donnerstag

Geister, Ritter, Zauberer

NIFFF 2010 – Donnerstag

eclipse

Das Donnerstagsprogramm hätte abwechslungsreicher kaum sein können: auf das bemerkenswerte Science Fiction Drama “Transfer” (welches wir in einer längeren Einzelbesprechung würdigen) folgte das übernatürliche irische Drama “The Eclipse”, dessen Schwächen der taoistische Zauberer Woochi aber gleich wieder gut machte. Als Bettmümpfeli gab es schliesslich Vierteilungen und andere blutige Ketzerhinrichtungen in Christopher Smiths “Black Death”.

Von Lukas Hunziker.

Die keltische Mythologie kennt zahlreiche Fabel- und Geisterwesen und Irland bleibt bis heute ein Ort, wo sich trotz des strengen Katholizismus der Glaube an das Übernatürliche gehalten hat. Entsprechend gross waren die Erwartungen an den irischen Geisterfilm “The Eclipse” von Conor McPherson, einem erfolgreichen irischen Dramatiker, der damit bereits zum dritten Mal eines seiner Drehbücher selbst verfilmte.

Michael Farr hat vor zwei Jahren seine Frau verloren und lebt als alleinerziehender Vater mit seinen zwei Kindern im  irischen Küstenstädtchen Cobh. Am dort stattfindenden Literaturfestival ist er als Fahrer für die nicht ortskundigen Autorinnen und Autoren tätig; in diesem Jahr sind dies der arrogante amerikanische Bestsellerautor Nicolas Holden (herrlich verachtenswert gespielt von Aidan Quinn) sowie Lena Morelle, Autorin des Geisterromans “The Eclipse”. Mit ihr freundet sich Michael während dem Festival an und erzählt ihr schliesslich, dass er in der ersten Nacht des Festivals den Geist seines Schwiegervaters in seinem Haus gesehen habe, obwohl dieser eigentlich n0ch lebe…

Genauso wenig wie Lena Morelles Roman im Film ist dieser selbst eine wirkliche Spukgeschichte, im Gegenteil, die wenigen Begegnungen mit Geistern sind, mit einer Ausnahme, genau jene Szenen, die am schlechtesten gelungen sind. Man erschrickt bei allen, allerdings nicht unerwartet, denn Kamera und Musik tun ihr Bestes, die wenigen Schockmomente nur allzu offensichtlich anzukündigen. Dazu kommt, dass die sehr aggressiv inszenierten Geisterbegegnungen nicht wirklich zum sonst sehr feinfühligen Drama passen. Die Beziehungen zwischen Michael, Lena und Nicolas gäben eigentlich genug für einen abendfüllenden Film her, und die satirische Darstellung des arroganten und erfolgsverwöhnten Bestsellerautors sorgen für genug comic relief. Mit den Gruselmomenten vereint “The Eclipse” dann aber definitiv ein Genre zu viel, gerade weil diese so absehbar und im Stil amerikanischen Teeniehorros inszeniert sind. Ein sehenswerter Film, aber kein Anwärter auf den Jurypreis des Festivals.

Zaubern einmal unverkrampft

Das südkoreanische Kino war am NIFFF dieses Jahr sowohl im internationalen wie auch im asiatischen Wettbewerb mit je einem durchaus sehenswerten Film vertreten. Nachdem schon das Goredrama “Bedevilled” am Dienstag zu überzeugen vermochte, begeisterte am Donnerstag “Woochi”, eine Fantasykomödie um einen Zauberer, der ins Seoul des 21. Jahrhundert gerufen wird, um Goblins zu bekämpfen. In Südkorea hatte “Woochi” sogar “Avatar” die Stirn geboten: obwohl er gleichzeitig wie dieser in die dortigen Kinos kam, sicherte er sich über 30% aller verkauften Tickets am Startwochenende.

Asiatische Komödien funktioieren für ein westliches Publikum nicht immer, vor allem wenn die Komik vor allem sprachlich ist und über Untertitel nur unbefriedigend wiedergegeben werden kann. Auch “Woochi” wäre wohl noch lustiger, wenn man des Koreanischen mächtig wäre, doch die Untertitel funktionieren erstaunlich gut und die Komik in der Handlung und Körpersprache tut das Übrige. Tatsächlich ist der Film so amüsant, dass es einen nur wenig stört, dass man bereits nach den ersten zehn Minuten der Geschichte kaum mehr folgen kann.

Woochi 1

Im Grunde geht es um eine Zauberflöte, mit welcher ein Erzgott einstmals die Goblins in ein unterirdisches Gefängnis sperrte. Die Goblins werden jedoch freigelassen, worauf es gilt, die Flöte wiederzufinden, um die Goblins erneut einzusperren. Hier – das heisst im Korea anfangs des 16. Jahrhunderts – kommt Woochi ins Spiel, ein ungehorsamer junger Zauberer, der lieber magische Streiche spielt als sich nützlich zu machen. Trotzdem macht er sich auf, die Goblins zu bekämpfen, wird dann aber von drei Göttern für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat, in eine Papierrolle verbannt. 500 Jahre später, im Jahr 2009, finden die Goblins erneut auf die Erde zurück, und die drei Götter, die als Menschen auf der Erde leben, sehen sich gezwungen Woochi zu rufen, damit dieser die Goblins zu bekämpft. Dafür müssen sie aber erst die Papierrolle finden, in welche Woochis Helfer und Pferd (der aber eigentlich ein Hund ist) verbannt wurde, da dieser die Talismanne hat, die Woochi für seine grösseren Zauber benötigt.

Die Geschichte wird, vor allem wenn es auf den Schluss zugeht, noch eine Runde komplexer und unverständlicher, doch dies ist für den Genuss des Films wie gesagt sekundär. “Woochi” nimmt sich  zum Glück nicht besonders ernst, und setzt mehr auf gelungenen Klamauk, Martial Arts, amüsante Special Effects und Zeitreisekomik als auf eine packende Story. Aber auch die liebenswerten und überzeichneten Charaktere tragen dazu bei, dass es einem reichlich egal ist, wenn man je länger je weniger durchblickt, was genau auf der Leinwand abgeht. Trotz seiner 135 Minuten ist “Woochi” ein kurzweiliger,  amüsanter Fantasyfilm, und seine Hauptfigur ein herrliches Gegenstück zum überernsten und verkrampften Harry Potter.

Auf zur Hexenjagd!

Vom magischen Südkorea ins pestversuchte England des 14. Jahrhunderts, wo der junge Mönch Osmund seine Liebe zu einer Frau mit seiner Liebe zu Gott unter einen Hut zu bringen versucht. Kurz nachdem er Gott um ein Zeichen bittet, ihm eine Aufgabe im Leben zu geben, besucht ein Ritter des Erzbischofs, Ulric, das Kloster und bittet um einen Führer in ein nahe gelegenes Sumpfgebiet, in welchem das einzige Dorf der Region steht, in welchem die Pest noch keine Opfer gefordert hat. Osmund meldet sich sofort als Führer und begleitet den kleinen Rittertrupp Ulrics in den Sumpf. Auf dem Weg erfährt er das wahre Ziel der Mission: Im besagten Dorf treibt ein Totenbeschwörer sein Unwesen und soll auf Befehl des Bischofs gestoppt werden.

black death

Christopher Smith hat sich mit “Creep”, “Severance” und “Triangle” einen Namen in der britischen Horrorszene gemacht. “Black Death” hingegen ist nicht wirklich ein Horrorfilm, sondern eher ein historischer Thriller mit einer gehörigen Portion Religionskritik. Die düstere, stimmige Atmosphäre lässt lange auf ein fantastisch-grusliges Finale der Extraklasse hoffen, doch diese Erwartungen werden herb enttäuscht. Am Schluss des Films fragt man sich, warum Smiths Film überhaupt in einem Wettbewerb für fantastische Filme spielen kann, denn alles Übernatürliche wird im Film schlussendlich rational erklärt.

Im Originalskript habe es noch eine übernatürliche Erklärung für die Ereignisse gegeben, erklärte der Regisseur anschliessend an den Film den Zuschauern am NIFFF. Als er als Regisseur an Bord gekommen sei, habe er jedoch darauf bestanden, diese zu streichen. Ohne die erste Drehbuchfassung gelesen zu haben, fällt es schwer, diese Entscheidung zu beurteilen. Tatsache bleibt, dass der Film durch die Entzauberung des Übernatürlichen einiges an Reiz und Stimmung verliert. Was bleibt ist eine solide inszenierte, aber doch recht banale Story um religiöse Verblendung und Fanatismus, gewürzt mit ein bisschen Gore. Nicht schlecht – aber kein Wettbewerbsfilm.


Im Netz
Trailer zu “Eclipse”
Trailer zu “Woochi”
Trailer zu “Black Death”

Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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