“Shutter Island” von Martin Scorsese

Dem Wahnsinn auf der Spur

“Shutter Island” von Martin Scorsese

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Für “Shutter Island” engagierte Martin Scorsese bereits zum vierten Mal Leonardo die Caprio, den Star seiner 2000er Filme. In dem mysteriösen Thriller begibt sich dieser als US Marshall Teddy Daniels in eine Hochsicherheitspsychiatrie, um eine geflohene Patientin zu finden. Der scheinbar einfache Auftrag zwingt den Kriegsveteranen jedoch bald, sich mit dem dunkelsten Kapitel seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Von Lukas Hunziker.

Shutter Island ist eine kleine (übrigens fiktive) Insel vor Küste Bostons, auf welcher sich eine psychiatrische Anstalt für psychisch gestörte Kriminelle befindet. Hierhin werden die beiden US Marshalls Teddy Daniels und Chuck Aule geschickt, um das mysteriöse Verschwinden einer Patientin namens Rachel Solando zu untersuchen. Die dreifache Mutter und Mörderin ihrer Kinder ist spurlos aus ihrer Zelle verschwunden, ohne auch nur die geringste Spur zu hinterlassen. Während den Ermittlungen stellt sich jedoch heraus, dass Teddy nicht zufällig mit diesem Auftrag betraut wurde, sondern darum bat, ihn übernehmen zu dürfen. In der psychiatrischen Anstalt befindet sich laut Teddys Informationen nämlich auch Andrew Laeddis, welcher den frühen Tod von Teddys Frau zu verantworten hat. Teddys Quelle, ein ehemaliger Patient auf Shutter Island, will diesen hier gesehen haben und hat Teddy zudem Anlass zur Vermutung gegeben, dass auf der Insel Experimente ähnlich jenen in den deutschen Konzentrationslagern des 2. Weltkriegs durchgeführt werden.

Zu spannende falsche Fährten (Vorsicht: Spoiler)

Mit “Shutter Island” wurde nach “Mystic River” und “Gone, Baby, Gone” bereits der dritte Roman des amerikanischen Thrillerautors Dennis Lehane hochkarätig verfilmt. Die Handlung ist in den 50er Jahren angesiedelt und geprägt vom Horror der Konzentrationslager und der Angst vor einem Atomkrieg. Die Anstalt Shutter Island erinnert den Kriegsveteranen Teddy, welcher bei der Befreiung von Dachau dabei war, sofort an das Konzentrationslager. Seine Angst, Amerika könnte sich je solcher Verbrechen gegen die Menschheit schuldig machen, sitzt tief – und ist nicht ganz unbegründet; die CIA lernte, wie wir heute wissen, so einiges von den Nazis, vor allem was Folter betraf. Auch Versuchen an Menschen war sie nicht abgeneigt und experimentierte in den 50er und 60er Jahren wiederholt mit Bewusstseinsdrogen, welche bei den Testpersonen oft irreparable Schäden nach sich zogen.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Die CIA-Verschwörungstheorien stellen sich jedoch bald als Hirngespinste heraus und der Film bewegt sich von einer politischen auf eine persönliche Ebene. Diese ist zwar packend und der Twist am Schluss sein Geld durchaus wert, doch die falschen Fährten, welchen Teddy auf der Insel folgt, sind dummerweise so spannend, dass man regelrecht enttäuscht ist, wenn sie sich gegen Ende als “falsch” entpuppen. Ebenfalls nur schwer macht man den Wechsel auf die emotionalen Ebene mit, auf welcher die Story endet. Leonardo di Caprio spielt seine komplexe Rolle zwar einwandfrei, schafft es aber auch nicht ganz, Teddy als sympathische und tragische Figur darzustellen.

Allerdings muss gesagt sein, dass diese Kritik Motzen auf hohem Niveau ist. “Shutter Island” mag nicht Scorseses bester Film sein, ist als düster inszenierter Thriller mit vielen Twist aber doch sehr gut gelungen. Hervorragend besetzt mit Ben Kingsley als Anstaltsleiter, Emily Mortimer und Patricia Clarkson als Rachel Solando, Mark Ruffalo als Chuck und Michelle Williams als Teddy verstorbene Frau, fesselt einen der Film ans Sofa und wird kaum je langweilig. Ob er einen Platz im Gestell der Lieblingsfilme bekommt, hängt aber davon ab, ob man den Twist am Schluss mitmacht.

Ausstattung

Wenig, aber sehenswert: Die DVD enthält zwei kurze Dokumentationen, eine zur Entstehung des Films und eine zu geschichtlichen Aspekten der Psychiatrie, welche im Film Erwähnung finden. Darsteller, Regisseur, Crew und Buchautor kommen alle zu Wort, wodurch ein knapp skizziertes, aber doch umfassendes Bild über die Hintergründe der Handlung und des Films entsteht.


Seit dem 2. August 2010 im Handel.

Originaltitel: Shutter Island (USA 2010)            
Regie: Martin Scorsese
Darsteller: Leonardo di Caprio, Ben Kingsley, Mark Ruffalo, Emily Mortimer, Patricia Clarkson, Max von Sydow, Michelle Williams
Genre: Thriller
Dauer: 138 Minuten
Bildformat: 2.35:1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Dokumentationen “Behind the Shutters”, “Into the Lighthouse”
Vertrieb: Warner

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Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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