Georg Friedrich Händel „Alexanderfest“ | Theater Basel, Römisches Theater Augusta Raurica

Macht und Ohnmacht der Musik

Georg Friedrich Händel „Alexanderfest“ | Theater Basel, Römisches Theater Augusta Raurica

augustaraurica

Georg Friedrich Händel feiert mit seiner Ode „Alexander’s Feast or The Power of Musick“ (1736) Cäcilia, die Schutzheilige der Musik. Und das Theater Basel den gelungenen Einstieg in die Saison 2010-2011. An frischer Luft.

Wir schreiben das Jahr 330 v.Chr. Alexander der Grosse schmeisst ein Festmahl. Soeben hat er Persepolis erobert. Während des grossen Saufens und Fressens will die Hetäre Thaïs Alexander überreden, die unterlegene Stadt gnadenlos zu schleifen. Macht und Ohnmacht der Musik zeigen sich in dem Ringen um Alexander, das zwischen Thaïs auf der einen und dem Sänger Timotheus sowie der Heiligen Cäcilia auf der anderen Seite entbrennt.

Die Bühne
Im Vergleich zur letztjährigen Open-Air-Saisoneröffnung („Carmina Burana“) in Augst hat sich der Bau des Theaters verändert. Man sitzt nun auf den Sitzreihen, die letztes Mal Bestandteil der Bühne waren. Von hier aus sieht man die Bühne, die gegen hinten von einem mehrstöckigen Riegelbau begrenzt wird. Der Grossteil der basel sinfonietta sitzt im Erdgeschoss, einzelne Musiker auf höheren Etagen. Die Bühne an sich besteht aus Holzbrettern, zwischen denen einiger Abstand ist, was schöne Licht-, Wasser- und Dampfeffekte ermöglicht.

Kriegerische Aspekte
Jäh und überraschend bricht nach einer kleinen musikalischen Hanswurstiade zwischen Pianoman und Orchester die Handlung herein. Genauer gesagt landet sie wie eine Leuchtrakete mit dem Fallschirm und hechtet von hinten durch die Wand des Riegelbaus. Schleppt einen Fallschirm hinter sich her, kämpft sich mit letzter Kraft auf die Bühne. Es ist der Schauspieler Nick Monu, der die kriegerischen Aspekte des Abends repräsentiert. Darauf wird noch zu kommen sein.

Pyromanische Einlage
Der Sopranistin Agata Wilewska, Mezzosopranistin Solenn’ Lavanant-Linke, dem Tenor Rolf Romei, Bass Andrew Murphy und Countertenor Alex Potter steht der aus den Basler Madrigalisten und der ludus vocalis gebildete Chor gegenüber. Sie haben ein beachtliches Laufpensum zu absolvieren. Der Spektakelcharakter findet Ausdruck in einem Feuerwerk. Plötzlich wummert und flammt es nur so. Mit dieser überraschenden Einlage ist der Grenzbereich der Veranstaltung benannt. Das spektakelt schon sehr! Natürlich hat so eine pyromanische Einlage grossen Reiz. Jedoch verstört spätestens der aus dem Off eingeblendete Kriegslärm dann doch zu sehr – zumal es keine Übertitel gibt, die es einem ermöglichen, der Handlung bis hierher besser zu folgen.

Ironische Brechung, präventiv
Ein bisschen länglich wird das Ganze gegen Ende, vor dem letzten Choreinsatz, als die Darsteller zu Gesangseinlagen kommen. Das dürfte als präventive ironische Brechung vor dem letzten Auftritt des Chors gedacht sein. Wenn schon, würde man sich eine solche Einlage jedoch als finale Abrundung nach dem letzten Choreinsatz wünschen. Gar nicht geht der Scheinwerfer, der so unglücklich justiert ist, dass zumindest an der Aufführung vom 21.8. der linke Flügel der Zuschauer so geblendet wird, dass man die Sonnenbrille aufsetzen muss. Natürlich sind da noch die Karten, die beim Eingang abgegeben wurden, sie zeigen das Gesicht der Sopranistin und können als Augenschutz verwendet werden. Leider schmilzt so die Aufführung auf zwei winzige Pünktchen, was bei einem solchen Spektakel nicht der Sinn der Sache sein kann.

Saisoneröffnungstradition?
Dennoch ein gelungener, spektakulärer Abend, der die Vorfreude auf kommende Saison erhöht. Auch ein schöner Wink in Richtung des Landkantons, von wegen Aufstockung der Subventionen fürs Basler Theater. Vor allem freut es einen, das restlos ausverkaufte Halbrund zu sehen, die bunte Durchmischung des Publikums (alle Altersstufen, bunt durcheinander gewürfelt), von denen einige hoffentlich neugierig werden auf andere kommende Basler Produktionen.

Die herrliche Musik, die römische Anlage, der Wind, der durch die Baumkronen weht: Man hofft, dass sich hier eine Saisoneröffnungstradition herausbildet.

Besprechung der Aufführung vom 21.8.2010.
Die letzte Aufführung fand am 25.8.2010 statt.


Besetzung: Sopran Agata Wilewska; Mezzosopran Solenn’ Lavanant-Linke; Tenor Rolf Romei; Bass Andrew Murphy; Countertenor Alex Potter; Schauspieler Nick Monu; Tänzerin Catherine Habasque; Harfenistin Arianna Camani; Basler Madrigalisten; basel sinfonietta; ludus vocalis; Statisterie des Theater Basel.


Musikalische Leitung Giuliano Betta
Inszenierung und Bühnenbild Georges Delnon
Kostüme Marie-Thérèse Jossen
Licht Guido Hölzer
Chor Henryk Polus
Einstudierung Basler Madrigalisten Fritz Näf
Dramaturgie Ute Vollmar
Korrepetition Rolando Garza
Produktionsleitung Petra Barcal
Regieassistenz Ulrike Jühe
Bühnenbildassistenz Vera Locher
Jarmila Widorwski
Valentin Köhler
Kostümassistenz Ladina Bosshard
Regiehospitanz Benjamin David
Inspizienz Thomas Kolbe
Beleuchtungsinspizienz Tim Jentzen

Dauer ca. 120 Minuten. Keine Pause.


Im Netz
www.theater-basel.ch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.