Pichet Klunchun Dance Company “Nijinski Slam“ | Theater Spekatakel Zürich, Landiwiese

Pichet Klunchun Dance Company “Nijinski Slam“ | Theater Spekatakel Zürich, Landiwiese

Bild|Copyright: Theater Spektakel, Zürich
Bild|Copyright: Theater Spektakel, Zürich

Der thailändische Tänzer und Choreograph Pichet Klunchun vermittelt nicht nur asiatischen Tanz in den Westen, er arbeitet auch mit Stoffen und Mythen der westlichen Welt. Vaslav Nijinsky ist ein solcher (Tanz-)Mythos, für den er eine Hommage ans diesjährige Theater Spektakel bringt.

Es weht eine kühle Brise vom See an diesem schönen Spätsommerabend. Dann und wann tuckert ein kleines Boot vorbei und das Schifftaxi holt die ersten müden Flaneure zurück in die Stadt. Eingehüllt in die warmen Wolldecken warten die Zuschauerinnen und Zuschauer auf den Rängen der Seebühne auf die ersten Bewegungen der Tänzer.

Pichet Klunchun und zwei Mitglieder seiner Truppe eröffnen den Abend mit einem Schattentanz. Sie tragen kunstvoll gearbeitete Scherenschnitte vor dem Licht vorbei, die im Schattenwurf den Künstler darstellen, um den es diesen Abend geht: Vaslav Nijinsky, der berühmte Tänzer des Ballet Russes und Choreograph. Es folgt in einem zweiten Medium eine foto-dokumentarische Einführung in das Finden des Stoffes für “Nijinksy Slam“: die Entdeckung dieser Abbildungen vor drei Jahren nahmen Pichet Klunchun sogleich gefangen. Vaslav Nijinski selber war um die vorletzte Jahrhundertwende vom Tanz einer siamesischen Truppe inspiriert worden und setzte sich in der Folge als tanzender siamesischer Prinz in Szene.

Die an diesem Abend projizierten Fotos Nijinksys scheinen durch die Bewegungen der real anwesenden Tänzer selbst in Bewegung zu geraten. Diese sind das dritte Medium, das den Nijinksy-Stoff aufnimmt. Unser Blicke schwenken von den Fotos zu den Tänzern hin und her: So hätte es aussehen können – und wir befinden uns in der Rolle des Tanzhistorikers und mitten in der Interpretation der Pichet Klunchun Dance Company. Eine Teil der Interpretation sind die berühmten Sprünge Nijinksys, die ihn gleichsam im Stillstand wähnten. Sie werden hier ganz eigenwillig umgesetzt: zwei Tänzer im Schneidersitz liefern sich ein Sprungduell und was dort die scheinbare Aufhebung der Gravitation andeutete, ist hier die Bewusstwerdung derselben.

Die Schlusssequenz wird durch Pichet Klunchun alleine gegeben. Im Kostüm Niijinksys scheint eine Verschmelzung der beiden Tänzer stattzufinden. Doch sie wird am Ende durch abstrakte Zeichen auf der Leinwand als schöne Illusion zerstört: “I am Pichet Klunchun“.

Besprechung der Aufführung am 31. August 2010, 21 Uhr.
Dauer der Aufführung: 60 Minuten.

Weiter Aufführungsdaten: 1. und 2. September 2010.


Im Netz
www.theaterspektakel.ch
www.pklifework.com

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