Andrew Morton: „Angelina Jolie“

Tiefe Einblicke

Andrew Morton: „Angelina Jolie“ (Biografie)

Diese Augen, diese Lippen, diese Ausstrahlung. Eine wie sie gibt es nur einmal. Kein Wunder, dass Angelina Jolie für viele die schönste Frau der Welt ist. Auch Star-Biograf Andrew Morton mag so denken. Er, der schon tausende Seiten über Madonna oder zuletzt über Tom Cruise geschrieben hat. In „Angelina Jolie“ konzentriert er sich allein auf den Werdegang der US-amerikanischen Mimin und zeichnet so ein Bild, das ihr vielleicht sogar gerecht wird. Denn die „Tomb Raider“-Darstellerin ist viel mehr als nur schön.

Von Fee Anabelle Riebeling.

angelinajolieIn seiner 512 Seiten starken Angelina-Biografie bringt Morton eigentlich nichts Neues ans Tageslicht: Jolies schwierige Kindheit, ihre von Drogenkonsum geprägte Jugend und ihre sadomasochistischen Sexualpräferenzen – von all dem haben selbst ausschliesslich seriöse Zeitungen konsumierende Leser schon einmal gehört, sei es beim Coiffeur, im Wartezimmer eines Artzes oder im Café, vom Nachbartisch herüber schallend. Doch das stört nicht. Denn Morton überspielt diese kleine Schwäche gekonnt und konzentriert sich daauf, die psychologischen Hintergründe zu klären. Wie kam es dazu, wie entwickelte sie sich weiter? Das sind die Fragen, denen Morton nachgeht.

Auf der Suche nach Berührungspunkten

Seine Recherche setzt dort an, wo es ihm sinnvoll erscheint. In diesem Fall: bei Angelina Jolies Grosseltern. Denn eins bedingt das andere. Nur wer die Charaktere der Familienmitglieder und Wegbegleiter kennt und über die gemeinsamen Berührungspunkte Bescheid weiss, kann nachvollziehen, warum Angelina Jolie auf eine bestimmte Weise reagierte – warum sie sich von den einen Menschen trennte, sich aber von den anderen nie abwandte und so zu der Person wurde, die wir heute kennen: eine grossartige Schauspielerin, eine liebevoll-chaotische Mutter und eine energische Unterstützerin der Ärmsten.

Ein dicht-gewebtes Bild

Trotz vieler bekannter Details ist „Angelina Jolie“ keine reine Doppelung des in den weltweiten Boulevard- und Yellow Press-Blättern mehrfach Abgehandelten. Sich über eine lange Dauer dem Leben einer einzigen Person widmend, hat Andrew Morton die US-Amerikanerin von einer besonderen Seite kennen gelernt. Obwohl viele seiner Schilderungen nur aus zweiter Hand sind, ergeben die vielen Aussagen von Angelinas Wegbegleitern ein dichtes gewebtes, umfassendes Bild. Obwohl oft als impulsiv bezeichnet, bricht sie nicht alles übers Knie, sondern geht ihren Weg in wohlüberlegten Schritten – deutlich beeinflusst von ihrer Vergangenheit, die trotz eines berühmten Vaters ganz anders als ihr heutiges Jet Set-Leben war.

Gelungenes Erfolgsrezept

„Angelina Jolie“ liest sich gut. Spannend aufgebaut und nicht bloss spröde schildernd, komprimiert Andrew Morton Artikel aus mehr als zehn Jahren intensiver (Boulevard-)Medien-Berichterstattung. Ein simples Rezept für einen Erfolg. Morton belässt es jedoch nicht dabei und würzt das Zusammengetragene mit Kommentaren einiger Psychologen, die einzelne Aktionen Jolies aus ihrer Sicht beleuchten. Abgeschmeckt wird das morton’sche Erfolgsrezept mit raren Einblicken von bisher im Hintergrund verweilenden Wegbereitern.

Nicht für jeden ein Muss. Für die, die sich darauf einlassen, ein Genuss.

Titel: Angelina Jolie
Autor: Andrew Morton
Übersetzer: Barbara Reitz, Bernhard Jendricke und Thomas Bertram
Verlag: Droemer
Seiten: 512
Richtpreis: CHF 30.50

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