YES WE CAN! Protestsongs im Jahre 2010

YES WE CAN! Protestsongs im Jahre 2010

Bild: sony.com
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John Legend & The Roots „Wake up!“ VÖ: 17.09.2010

Was rauskommt wenn John Legend und The Roots während gut zwei Jahren in verschiedenen Sessions elf Songs aufnehmen? Ein richtig gutes Album. „A blend of soul, hip hop, funk, gospel and reggae…“ wie John Legend es treffender nicht hätte formulieren können.

Eine Welle der Hoffnung schwappte 2008 durch die USA. Barack Obamas Siegeszug in Richtung Weisses Haus war in vollem Gange und eine junge, neue Generation wurde politisch aktiv. Beseelt von Obamas Hope & Change–Message setzte sich John Legend mit The Roots ins Studio und nahm ein Album mit Coverversionen von alten sozialkritischen Soul- und Funksongs der 1960er und 70er Jahre auf. Verantwortlich für die Auswahl der Songs war Roots Drummer Amir ?uestlove Thompson, ein veritabler Experte für schwarze Musikgeschichte. Mehr als 70’000 Platten hat der Mann zu Hause stehen und somit ein äusserst tiefgründiges Reservoir an alten Soul- und Funkperlen.

„Under the radar“

John Legend und The Roots. Bild: sony.com
John Legend und The Roots. Bild: sony.com

Dabei wählte ?uestlove bewusst auch Songs von weniger berühmten Künstlern wie Mike James Kirkland, Baby Huey and the Babysitters oder Ernie Hines aus. Songs, die es von der Aussagekraft her jedoch spielend mit den berühmteren Hymnen eines Curtis Mayfield oder Marvin Gaye aufnehmen können, dabei aber immer „unter dem Radar“ des Mainstreams geblieben sind. Das Zusammenspiel zwischen Legends Gesang und der funkigen Energie der Band ist in seinen besten Momenten fantastisch. Legend singt dabei, und dies kommt dem Album zugute, etwas rauer als auf seinen eigenen Hochglanz R’n’B Produktionen. Auf Songs wie „Hard times“ oder „Little Ghetto Boy“ von Johnny Hathaway wo sich Legends Vocals mit den Raps von Roots-Frontmann Black Thoughts abwechseln, hat das Album seine stärksten Phasen. Ein Ausflug in die Welt des Reggae mit „Humanity (Love the way it should be)“ von Prince Lincoln Thomas and the Royal Rasses bietet eine willkommene musikalische Abwechslung und unterstreicht einmal mehr die Vielseitigkeit, welche sich The Roots in mehr als 20 Jahren erspielt haben. Dass die zentralen gesellschaftskritischen Themen in den Songs der 60er und 70er Jahren (Bürgerrechtsbewegung, Vietnamkrieg, schwarze Armut und Verwahrlosung in den Ghettos) heute immer noch aktuell erscheinen, spricht nicht für Amerika, verleiht dem Album aber die gewünschte Aktualität. Bill Withers Antikriegs-Song „I can’t write left Handed“ ist vor dem Hintergrund der Kriege in Irak und in Afghanistan zeitlos. Neben der Reise durch die schwarze Musikgeschichte ist die Zeitlosigkeit wohl der interessanteste Aspekt des Albums. Elf Songs, allesamt vor 30, 40 Jahren aufgenommen, alle mit  einer klaren Protestmessage zu sozialen Phänomen der damaligen Zeit, können im Jahre 2010 mühelos gehört und auf die heutigen Probleme übertragen werden. Ohne eine Zeile der Texte abzuändern. Dabei sind Legend und The Roots dezent mit den Originalen umgegangen, haben sie stilsicher ins 21. Jahrhundert geführt und dennoch den soulig-funkigen Kern beibehalten. Dies ist ihnen nicht hoch genug anzurechnen.

Im Netz:

http://wakeup.johnlegend.com/



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