Leo P. Ard: „Mein Vater, der Mörder“

Lebendige Leichen

Leo P. Ard: „Mein Vater, der Mörder“ (Krimi)

Wenn ein alter Mann im Hospiz verstirbt, ist das an sich keine grosse Überraschung. Doch die fremde DNA unter seinen Fingernägeln lässt Zweifel aufkommen: Ist er, der an Krebs im Endstadium litt, vielleicht doch keines natürlichen Todes gestorben? Aber: Warum sollte jemand einen Todgeweihten ermorden? Bei dem Versuch, die Wahrheit ans Licht zu bringen, stolpert Hauptkommissarin Sonja Kruse nicht nur über die Steine, die ihr die eigenen Kollegen in den Weg legen, sondern auch über Leichen. Und einige sind schon seit Jahrzehnten tot, gestorben in Vietnam.

Von Fee Anabelle Riebeling.

meinvaterdermörderDie Ermordung von Matthias Birchel gibt Rätsel auf. Die Ärzte hatten ihm noch eine Woche gegeben und nun das. Niemand kann sich vorstellen, warum es jemand so eilig gehabt haben könnte, ihn zum Schweigen zu bringen. Erst als Heide Rosenbaum, Birchels letzte Besucherin, bei der Polizei auftaucht, kommt langsam Licht ins Dunkel. Der jüngst unter mysteriösen Umständen ums Leben Gekommene war in der Fremdenlegion – wie Heides Bruder. Nur dass der nie wieder aus Vietnam zurückgekommen ist und seit gut fünfzig Jahren als vermisst gilt.

Parallelwelten

Jene Heide Rosenbaum ist es auch, die die Welt von Günther und Frank Berger ins Wanken bringt. Ihr Besuch an der Haustür beschert dem Älteren einen Herzinfarkt. Als Frank ihm frische Wäsche ins Krankenhaus bringen will, stösst er auf das Testament seines Vaters. Und darin auf eine Halbschwester: Ha Phuong. Gezeugt in Vietnam. Geschockt sucht er nach weiteren „Überraschungen“. Er findet: Einen Stapel Briefe, abgeschickt von einer gewissen Heide Rosenbaum – deren Bruder gemeinsam mit seinem Vater in Vietnam war.

Nach und nach erfahren sowohl Sonja Kruse als auch Frank Berger mehr. Stück für Stück arbeiten sie die Vergangenheit der ehemaligen Legionäre auf. Ebenso der Leser, denn Leo P. Ard, mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichneter Drehbuchschreiber und erfolgreicher Autor aus dem Ruhrgebiet, wechselt mit jedem Kapitel die Perspektive. Abwechselnd beschreibt er das Vorankommen Sonja Kruses, die auf eigene Faust direkt vor Ort ermittelt, und Frank Bergers, der aus heiterem Himmel um eine Schwester bereichert wurde und in Saigon auf Spurensuche geht. Dazwischen steht, was die Bochumer Legionäre im französischen Indochina-Krieg erlebten.

Zeitreisen

Leo P. Ard schafft den Sprung zwischen den Jahrzehnten. Er nimmt den Leser mit in die Vergangenheit. Und das äusserst überzeugend. Er hat seine Hausaufgaben gemacht und die Hintergründe gründlich recherchiert – in Büchern und am Schauplatz seines neusten Romans „Mein Vater, der Mörder“. Gepaart mit einer gut konstruierten, komplexen Geschichte und authentischen Charakteren ist ihm damit ein hoch spannender und informativer Krimi gelungen. Er hält sich fern von Klischees und hat sich für all seine Figuren lesenswerte Neben-Probleme ausgedacht.

Jürgen Pomorin alias Leo P. Ard gesteht seinen Figuren zu, zu fühlen, quer durch die ganze Gefühlspalette: Liebe. Freude. Hass. Angst. Das ist es auch, was das Niedergeschriebene so wirklich erscheinen lässt, die Geschehnisse in Vietnam ebenso wie die Suche nach der Wahrheit zwischen Bochum und Saigon im Hier und Jetzt. „Mein Vater, der Mörder“ ist reichhaltig, komplex und voller Überraschungen. Nicht immer sind diese postiv – aber so das ist auch im wahren Leben.


Titel: Mein Vater, der Mörder
Autor: Leo P. Ard
Verlag: Grafit
Seiten: 288
Richtpreis: CHF 15.50

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