Andy Strauß: „Albträumer“

Der Wahnsinn kann schreiben

Andy Strauß: „Albträumer“ (Roman)

Er hat es schon wieder getan: Andy Strauß ist ein Künstler durch und durch. Ob live auf der Bühne, auf offener Strasse oder als Autor. Er spielt seine Rolle nicht nur, er lebt diese auch. Das macht ihn vielleicht zu einem anstrengenden Mitmenschen und unzuverlässigen Studenten. Aber seine schräge Andersartigkeit macht ihn auch zu einem besonderen Autoren. „Albträumer“ ist sein zweites Buch – und sein erster Roman. So sagt er zumindest.

Von Fee Anabelle Riebeling.

albträumerAndy Strauß, Slam Poet und Geschichtenschreiber aus dem ostfriesischen Leer im Landkreis Aurich, weiss zu begeistern, auch wenn man ihm das eine oder andere Mal nicht ganz folgen kann. Er nennt „Albträumer“ einen Roman, laut Definition „die Langform einer schriftlich fixierten Erzählung“. Tatsache ist: Lediglich das erste und das letzte Kapitel haben erkennbar miteinander zu tun. Sollten die 22 Episoden dazwischen ein Bindeglied darstellen, dann tun sie das ziemlich unauffällig.

Literarische Turnübung

Doch das stört nicht. Im Gegenteil: Gerade das macht den Charme des Straußschen Schreibstils aus. Er schreibt nieder, was ihm durch den Kopf geht. Und das ist viel und abenteuerlich, für Aussenstehende durchaus schwierig nachzuvollziehen. Aber genau das macht Spass zu lesen. Denn obwohl auf den ersten Blick jede Menge Nonsens auf den 176 Seiten steht, wird das Gehirn des Lesers merklich strapaziert. So kommt jedes Kapitel einer Turnübung gleich: Wenn man es geschafft hat, ist man zwar kaputt, aber voller Endorphine.

Andy Strauß liebt, was er tut. Das Schreiben ist mehr lustvolle Ausübung eines Hobbys als tatsächliche Arbeit für ihn. Das spürt man, denn er lässt seine Leser daran teilhaben. Er, der als Teilzeit-Strassenkünstler gerne auch mal Deutschlands Denkmäler mit verbalen Ergüssen bedenkt, schwingt sich wie ein lendenbeschürzter Tarzan an seiner Liane mittels wagenmutigen Sprachgebrauchs von Zeile zu Zeile und bringt jede Menge schwarzen Humor unters Volk. Und bleiben wir bei diesem Bild: Strauß’ Themen sind auffälliger als jegliches Urwaldgeschrei.

Aussergewöhnlich ungewöhnlich

Heisst es für gewöhnlich, Männer seien weniger gesprächig als Frauen, beweist Andy Strauß abermals das Gegenteil. Mit seiner Wortgewandtheit, gepaart mit einer ordentlichen Portion Kreativität, gnadenloser Phantasie und Mut, zeigt er mit „Albträumer“ ein weiteres Mal, dass er mit einer gehörigen Portion Talent gesegnet ist. Das zu lesen erfordert Konzentration – wird aber auch belohnt.


Titel: Albträumer
Autor: Andy Strauß
Verlag: Ubooks Seiten 176
Richtpreis: CHF 15.90

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