“Bad Lieutenant” von Werner Herzog

Erschiess ihn nochmal – seine Seele tanzt immer noch!

“Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen” von Werner Herzog

bad lieutenant 1

Irgendwann sollte man aufhören zu kritisieren. Weil es irgendwann einfach mal reichen sollte zu sagen: Der Film ist gut. Er wird euch vielleicht nicht unbedingt gefallen, aber er ist gut. Doch das ist nicht das Thema hier. Nein, das Thema ist erstens Werner Herzogs “Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen” und zweitens der Versuch eine Kritik zu schreiben, die diesem Film gerecht wird.

Von Alexander Sigrist.

Denn wollte man so eine Kritik schreiben, müsste die wohl irgendwie wie folgt aussehen:

1. Werner Herzog ist der umgedrehte Woody Allen, denn er wird immer besser, je älter er wird.

2. Nicolas Cage muss einen Zwilling haben, der nicht schauspielern kann. Anders kann man die Diskrepanz seiner schauspielerischen Leistungen zwischen “Bad Lieutenant” und Seegurken wie “Next”, “Ghost Rider” und “Know1ng” nicht erklären.

3. Doch dann:

Leguan. Was tut der Leguan auf dem Tisch? Oder: wie sich ein Film mittels der schmerzhaften Drogendepression der unhermeneutischen Erklärung entzieht. Oder ist da gar kein Leguan, mag sich das Krokodil aus einer früheren Szene wohl fragen.

Aber halt, fangen wir von vorne an, denn alles fängt ganz normal an: denn eigentlich geht es um einen Polizisten, der im historischen Unwetter in New Orleans eine gute Tat vollbringt, nämlich einen Häftling vor dem Ertrinken rettet. Leider verzieht er sich dabei den Rücken, so dass er fortan an chronischen Rückenschmerzen leidet. Und von da an nimmt Herzog den geneigten, hoffentlich nicht Blockbuster-erwartenden Zuschauer mit in eine Abwärtsspirale, aus der es kein Entkommen gibt (auch wenn der Film einem Zeitweise das Gegenteil vorlügen will, fügt das gescheite Krokodil hinzu).

Leguan. Leguan. Was tut der Leguan da, der gar nicht da ist?

Also, eben, Abwärtsspirale. Und hier möchte der Rezensent eigentlich aufhören zu schreiben. Da gibt es nichts zu kritisieren. “Bad Lieutenant” ist gut, natürlich kein Lynch, kein von Trier, kein Meisterwerk, kein moderner Klassiker, aber einfach gut. Was wohl am Leguan liegen mag. Falls der geneigte Leser nun verwirrt ist: das ist Absicht. Die Kritik will verwirren. “Bad Lieutenant” ist auch verwirrlich, von Zeit zu Zeit. Eben wenn es unvermittelt um Leguane geht, die gar nicht da sind. Oder Krokodile, die aus der Handlung flüchten möchten. Aber da geht es nicht um den Drogenwahn (denn die Hauptfigur nimmt diese unablässig), es geht darum, dass die Wirklichkeit wirklich verschroben ist und wir alle schon einmal einen Leguan gesehen haben, den es gar nicht gibt. Oder?

Aber eigentlich sollte der Rezensent ja kritisieren: “Bad Lieutenant” ist gut. Unterhaltsam ja. Tiefgründing, für die, die suchen möchten. Verlogen. In einem positiven Sinn: denn die Depression der Geschichte (die nicht jedem gefallen mag) zieht sich durch den ganzen Film, die Hoffnung entpuppt sich als vermaledeite Lüge, während sich erst in der letzten Einstellung die Botschaft des Films offenbart – eine Botschaft, die jedoch so vage übermittelt ist, dass man Angst davor hat, sie zu deuten.

bad lieutenant 2
© Studio / Produzent

Aber Moment, halt, der Rezensent wollte eigentlich kritisieren. “Bad Lieutenant” ist irgendwie anders. Irgendwie verdammt lustig, weil er eigentlich so depressiv ist. Weil er Zitate vorbringt, die am Rande des Menschenverstandes geschrieben worden sind. Weil er seine Szenen bis zum bitteren Ende durchspielt. Weil er es wagt, Brüche zu machen. Und weil Nicolas Cage spielt, als hätte er immer gut gespielt. Als hätte er tatsächlich den Oscar verdient, den er damals für “Leaving Las Vegas” gekriegt hat. Er ist das Herz eines Filmes, der kein Herz hat, oder sein Herz so tief vergraben hat, dass nur eine schwarze, dunkle, depressive Masse übrig bleibt. Er ist der Schmerz eines Mannes, der eigentlich schon lange keine Schmerzen mehr hat, sondern sich über die Leere wundert, die das Unrecht zurücklässt, das Unrecht, das jenen straft, der es gewagt hat, eine gute Tat zu vollbringen.

Aber der Rezensent schweift schon wieder ab. Er wollte ja kritisieren. “Bad Lieutenant” ist gut, mehr will der Rezensent eigentlich gar nicht sagen. Anschauen. Klar, er wird nicht jedem gefallen. Der Film ist depressiv, er ist böse, er ist fies und sein Humor ist eigentlich ganz und gar nicht lustig. Trotzdem: “Bad Lieutenant” ist gut. Und daran kann man nicht rütteln, sagt das Krokodil, bevor es den Leguan endlich frisst.

Ausstattung

In der Doppel-DVD-Ausgabe ausgiebig: so lassen sich auf der Bonus-DVD interessante Interviews mit allen wichtigen Cast- und Crew-Mitgliedern, eine Slideshow und ein Making of ausmachen.


Seit dem 27. August 2010 im Handel.

Originaltitel:   The Bad Lieutenant: Port of Call – New Orleans (USA 2009)            
Regie: Werner Herzog
Darsteller: Nicolas Cage, Eva Mendes, Val Kilmer, Xzibit
Genre: Depressives Drama
Dauer: 117 Minuten
Bildformat: 1.85:1 (16:9 anamorph)
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Making of, Interviews, Slideshow
Vertrieb: Impuls

Im Netz
Trailer
Offizielle Seite

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.