“RED” von Robert Schwentke

Haben sie’s immer noch drauf?

“RED” von Robert Schwentke

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RED hätte mit seinem charismatischen Starensemble ein Schwergewicht seines Genres werden können. Doch diesen Anspruch stellt die Action-Komödie erst gar nicht. Genüsslich zelebrieren die gestandenen Schauspielgrössen rund um Bruce Willis, dass sie nicht mehr alles ernst nehmen müssen. Sie können es sich leisten, denn alles andere an diesem anspruchslosen Agentenstreifen scheint zur Nebensache degradiert. Der lückenhafte und fantasielose Plot stellt bloss noch das Alibi für die wuchtig inszenierten Actionsequenzen. RED beschert in seiner ironisch angehauchten “Sie-haben’s-immer-noch-drauf”-Manier mit ein paar flotten Sprüchen durchwegs unterhaltsame Momente, ist nach Verlassen des Kinosaals aber auch schon bald wieder vergessen.

Von Moritz Schuler

Es scheint in Hollywood die Zeit der Vergeltung durch die 50-Plus-Generation angebrochen zu sein. Nachdem Silvester Stalone, Mickey Rourke und Bruce Willis in “The Expandables” lautstark gegen diktatorische Verhältnisse in Südamerika vorgingen, begeben sich nun neben Willis, auch Morgan Freeman, John Malkovic, Brian Cox und, man horche auf, Hellen Mirren (“The Queen”) auf den Rachefeldzug gegen die Willkür der nordamerikanischen Staatsorgane. Dies soll nun beileibe nicht gesellschaftspolitisch ausgelegt werden, sondern dient nur einem Ziel: die Helden der Baby-Boom-Generation können noch einmal zeigen was sie drauf haben und fahren im wahrsten Sinne des Wortes grosses Geschütz auf. Die ganze Action muss nicht aufgehen, sondern in seiner überbordenden Ästhetik einfach toll aussehen.

Durchlöcherter Plot

Das Resultat zeigt sich in RED mit einem völlig durchlöcherten Plot, bei dem man das Gefühl nicht los wird, dass Regisseur Robert Schwentke (“Flightplan”, “The Time Traveler’s Wife”) diesen auch nie richtig ernst genommen hat. So steht denn das Akronym RED für “Retired: Extremly Dangerous” und ziert die CIA-Akte von Frank Moses (Willis). Der pensionierte Agent, der sich für ein ruhiges Leben in ein bescheiden eingerichtetes Vorstadthaus  zurückgezogen hat, wird eines Nachts von einem Todesschwadron des Geheimdienstes heimgesucht. Doch Moses scheint nicht eingerostet und befindet sich schon bald auf der Flucht vor etlichen Gegnern. Unterstützung kriegt der Mann, der den Kugelhagel teilen kann, von seinen ehemaligen Weggefährten aus früheren Zeiten. Zusammen kommen sie ganz im Stile des A-Teams, den Helden der 80er, einem Komplott auf die Schliche, das bis ins Weisse Haus hineinreicht. Und irgendwo dazwischen findet Moses noch Zeit für einen Flirt mit einer Telefonistin (Mary-Louise Parker), die er kurzzeitig Entführt, wonach dann wieder geflirtet wird.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Routiniert aber unbeschwert

Aber wie gesagt, spielt das alles gar keine so grosse Rolle. Denn die Aura der Superstars überstrahlt alle oberflächlich gezeichneten Filmfiguren. Bruce Willis, dem die Action wie immer am besten steht, und Morgan Freeman trumpfen mit einem routinierten aber unbeschwerten Schauspiel auf. Und auch John Malkovich startet nach einigen Startschwierigkeiten durch und fügt sich bestens in die illustre Runde ein. Eine echte Bereicherung bietet das Filmpaar Brian Cox und Helen Mirren. Die Frau, die einst den Oscar für ihre Darstellung der Queen Elisabeth II erhalten hat, gibt eine wunderbar durchtriebene Killerin ab. Aufrichtig herzlich, immer ein bisschen verrückt aber wenn es darauf ankommt gnadenlos abgeklärt.

Hin und her gerissen zwischen der guten Laune und der Coolness der alten Schauspielgarde und der affektierten Coolness, welche die von seichtem Jazz ertränkte, unausgereifte Spionagegeschichte ausstrahlt, bleiben ein paar Bilder doch mit Bestimmtheit hängen. Denn wann werden wir die feine Lady Helen Mirren je wieder in stoischer Ruhe und ohne mit der Wimper zu zucken hinter einem grosskalibrigen Repetiergewehr erleben.


Seit dem 28. Oktober 2010 im Kino.

Originaltitel: Red (USA 2010)
Regie: Robert Schwentke
Darsteller: Bruce Willis, Morgan Freeman, John Malkovic, Helen Mirren, Brian Cox
Genre: Action, Komödie
Dauer: 111 Minuten
CH-Verleih: Ascot Elite

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